Kunstsammler und Anwalt Felix Ganteführer, Partner der Anwaltssozietät Dr. Ganteführer, Marquardt & Partner, über die Vermeidung von Erbschaft- und Schenkungsteuer für wertvolle Kunstwerke.

Herr Dr. Ganteführer, viele Unternehmerfamilien besitzen umfangreiche Kunstsammlungen. Wie lassen sich diese Sammlungen auf die nächste Generation übertragen?

Die Gesetzeslage in Deutschland für die Übertragung von Kunst ist außerordentlich günstig. Mit Hilfe von Kunst können große Vermögen auf die nächste Generation übertragen werden, wobei nur geringe oder gar keine Steuern anfallen.

Wie ist das möglich?

Nach einer Regelung von 1959 besteht die Möglichkeit, eine Erbschaftsteuerermäßigung von 60 Prozent zu erreichen, wenn das Kunstwerk innerhalb von zehn Jahren nach dem Erbfall nicht veräußert und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird. Dies ist beispielsweise der Fall, wenn ein Museum ein Kunstwerk als Leihgabe längerfristig in seine Sammlung aufnehmen möchte. Darüber hinaus muss die Kunst der Forschung oder der Volksbildung für mindestens zehn Jahre nutzbar gemacht werden. Da die Ausstellungsflächen und Magazine der Museen in der Regel voll sind, kann der Sammler sein Kunstwerk auch bei sich zu Hause behalten. Ein Kooperationsvertrag mit dem Museum belegt die Bereitschaft des Sammlers, das Kunstwerk der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Eine andere von der Finanzverwaltung anerkannte Möglichkeit besteht darin, die Kunst in den Räumen des eigenen Unternehmens unterzubringen und Führungen anzubieten. Einige öffnen sogar ihre Privatwohnungen für Kunstinteressierte.

Unter welchen Voraussetzungen lässt sich eine vollständige Befreiung erreichen?

Erstens: Der Kunstgegenstand oder die Sammlung muss sich seit mindestens 20 Jahren im Besitz der Familie befinden. Zweitens: Er darf innerhalb von zehn Jahren nicht veräußert werden. Und drittens: Er muss nach den geltenden Bestimmungen der Bundesländer der Denkmalpflege unterstellt sein.

Wie wird ein Kunstwerk zum Denkmal?

Die Bestimmungen und Voraussetzungen für die Aufnahme in das Denkmalverzeichnis sind von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich. Manchmal reicht schon der bloße Antrag. In Nordrhein- Westfalen beispielsweise fallen dagegen selbst die bedeutendsten Kunstwerke nicht unter den Denkmalschutz für bewegliche Denkmäler. Man muss das also im Vorfeld genau prüfen. Die beste Möglichkeit, eine weitgehende Erbschaftsteuerbefreiung zu erreichen, ist aber meiner Meinung nach die vorweggenommene Erbfolge. Übertragen Sammler bereits zu Lebzeiten Kunst auf ihre Kinder oder andere Personen, ergeben sich daraus Vorteile, die bei der Vererbung im Todesfall nicht gegeben sind.


Welche Vorteile sind das?

Bei der Schenkung behält sich der Sammler den Nießbrauch vor. Dadurch sichert sich der Schenkende den vollen Einfluss auf die Kunstwerke, die im Übrigen aufgrund des Nießbrauchs nach wie vor in der Wohnung des Sammlers hängen bleiben können. Der steuerliche Vorteil besteht nun darin, dass grundsätzlich der Nießbrauch des Schenkers bei der Steuerrechnung abgezogen werden kann. Ein weiterer Vorteil besteht darin, dass die Veräußerungssperre von zehn Jahren schon während der Lebzeiten des Schenkers läuft. Im Erbfall beginnt sie erst mit dem Tode des Schenkers. Der dritte Vorteil ist darin zu sehen, dass der Schenker mit seinen eigenen Ideen dafür sorgen kann, dass die Kunst öffentlich nutzbar gemacht wird.

Viele Eltern haben Hemmungen, ihren Kindern frühzeitig große Vermögenswerte zu übertragen.

Eltern können sich mit einem freien Rücktrittsrecht absichern. Diese Gestaltungsmöglichkeit, die übrigens auch für Immobilien und andere Vermögensgegenstände gilt, ist durch die Rechtsprechung des Bundesfinanzhofes anerkannt. Zusätzlich zum freien Widerrufsrecht kann sich der Schenker vom Beschenkten vertraglich zusichern lassen, dass dieser die Kunstgegenstände nicht ohne die Zustimmung des Schenkers veräußern darf. Die Kinder können sogar zu einem späteren Zeitpunkt das Kunstwerk steuerunschädlich wieder an ihre Eltern verkaufen.

Inwieweit besteht die Gefahr, dass der Gesetzgeber diesen Gestaltungsmöglichkeiten einen Riegel vorschiebt?

Ich habe keine Sorge, dass der Gesetzgeber hier aktiv wird. Der Staat hat ein großes Interesse, Kunst und Kultur zu fördern. Daher gehe ich davon aus, dass es bei der gegenwärtigen Gesetzeslage, die für die Übertragung von Kunst erhebliche Steuervorteile vorsieht, bleiben wird.

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