Roland Berger hat sich mit der Gründung einer eigenen Stiftung einen langgehegten Wunsch erfüllt. Wie so oft hängt auch bei ihm der Stiftungszweck mit seiner eigenen Biographie eng zusammen.

Herr Prof. Berger, warum sind Sie unter die Stifter gegangen?

Der Sinn des Lebens besteht für mich seit jeher darin, einen Beitrag zum Fortschritt der Gesellschaft zu leisten. Nachdem es mir gelungen ist, in meinem Leben etwas Geld zu verdienen, lag die Frage nahe, was ich damit anfange. Die Idee, eine Stiftung zu gründen, habe ich dann mit meiner Frau und meinen Kindern besprochen. Sie waren da sehr offen. Für alle ist natürlich gesorgt. Außerdem haben meine Kinder schon bewiesen, dass sie ihr eigenes Geld verdienen können. So hatte ich die Freiheit, meinen Wunsch – die Gründung dieser Stiftung – in die Tat umzusetzen.

Sie hätten das Geld auch einer Organisation spenden können. Warum eine eigene Stiftung?

Weil wir zwei besondere Ziele verfolgen: Wir unterstützen Menschen und Organisationen, die sich für Menschenwürde und Menschenrechte einsetzen. Einmal jährlich verleiht die Roland Berger Stiftung einen Preis für Menschenwürde. Er wurde im April dieses Jahres von Bundespräsident Horst Köhler zum zweiten Mal verliehen und ist mit 1 Million Euro dotiert. Außerdem vergibt die Stiftung Stipendien an begabte Kinder und Jugendliche aus sozial benachteiligten Familien. Ende Juni haben wir die 154 Stipendiaten bei einem Festakt in München offiziell in unser Programm „Fit für Verantwortung“ aufgenommen. Dieses Stipendienprogramm soll ihnen eine hochwertige Ausbildung und so ein selbstbestimmtes Leben in Würde ermöglichen. Wir wollen in ihnen die Bereitschaft wecken, für sich und andere Verantwortung zu übernehmen.


Warum sind gerade diese Themen so wichtig für Sie?

Die Menschenwürde meines Vaters wurde von den Nazis mit Füßen getreten. Wiederholt hat die Gestapo unsere Familie heimgesucht. Mein Vater wurde mehrfach eingesperrt, dann kam er an die Ostfront. Nachdem er aus russischer Gefangenschaft heimgekehrt war, wurde er erneut verhaftet.* Mir war es wichtig, dass dieser Preis aus Deutschland kommt und eine gewisse finanzielle Dimension hat. Mein zweites Anliegen ist, Kindern den Zugang zu einer ordentlichen Bildung zu ermöglichen. Wir haben in der deutschen Bildungslandschaft eine soziale Schieflage. 83 Prozent der Akademikerkinder studieren, aber nur 23 Prozent der Kinder, die aus einfachen Verhältnissen stammen. Das ist eine schreiende Ungerechtigkeit – und volkswirtschaftliches Missmanagement: Unsere Gesellschaft ist in erster Linie eine Wissensgesellschaft. Schon heute kommt uns der Mangel an hochqualifizierten Arbeitskräften teuer zu stehen: mit 20 Milliarden Euro pro Jahr, gemäß Bundeswirtschaftsministerium.

Info

Roland Berger Stiftung

Die Roland Berger Stiftung wurde im März 2008 gegründet. Die rechtsfähige öffentliche Stiftung mit Sitz in München verfolgt zwei Stiftungszwecke: Zum einen den weltweiten Schutz der Menschenwürde, zum anderen den der Bildungsförderung mit Stipendien von begabten jungen Menschen aus sozial benachteiligten Familien. Die Stiftung ist mit einem Stiftungskapital von 50 Millionen Euro ausgestattet.

Es gibt bereits unzählige Stipendien …

An Bildung denken viele, allerdings haben die meisten Förderprogramme Hochbegabte im Blick, mit Berufsbildern, die den Stiftern nützen. An bildungsferne Schichten denken die wenigsten. Unsere Förderung kommt Kindern vom Kindergartenalter bis zum 25. Lebensjahr zugute. Jeder Stipendiat erhält einen auf ihn individuell zugeschnittenen Förderplan. Dazu gehören beispielsweise Sprachförderung, fachlicher Einzelunterricht, Persönlichkeits-Coaching oder Benimmseminare. Alle unsere Stipendiaten sollen ein exzellentes Abitur ablegen und später möglichst studieren, wobei die Studienwahl frei ist. Wir begleiten die Kinder bis ans Ende ihrer Ausbildung. Dafür stehen jedes Jahr 3 Millionen Euro zur Verfügung. Die Jugendlichen werden zudem von ehrenamtlich tätigen Mentoren begleitet, die wir für ihre Aufgabe sorgfältig schulen. Der Mentor ist eine Vertrauensperson für das Kind, er soll die Brücke zwischen Elternhaus und Schule bilden.


Sie haben die Stiftung mit 50 Millionen Euro aus Ihrem Privatvermögen ausgestattet. Nimmt Ihre Stiftung auch Drittmittel an?

Ich habe vor, das Kernkapital der Stiftung mittelfristig auf bis zu 150 Millionen Euro aufzustocken. Darüber hinaus will ich weitere Geldgeber für meine Stiftungsidee begeistern. Wenn mir dies gelingt, kann die Stiftung das Doppelte leisten oder sogar mehr. Aktiv betreiben wir aber derzeit noch kein Fundraising – die Stiftung ist ja erst ein Jahr alt.


Welche Vorgaben gibt es in Ihrer Satzung, um das Vermögen zu sichern?

In unserem Fall ist das noch einfach. So habe ich etwa ein Mezzanine- Darlehen an die Firma Roland Berger Strategy Consultants als Stiftungskapital eingebracht. Darüber hinaus müssen wir das Geld, das wir zusätzlich einsammeln werden, anlegen. Derzeit kämen etwa Unternehmensanleihen, Aktien oder alternative Assets in Frage, jeweils im Einklang mit der Stiftungssatzung und dem Stiftungsrecht. Welche Allokationen sieht Ihre Satzung denn vor? Wir können in alle modernen Anlageformen investieren und denken daran, nach dem Vorbild amerikanischer Endowments anzulegen. Ich bin mir sicher, dass diese Anlagestrategien, mit der diese Stiftungen bislang sehr gut gefahren sind, nach der Krise wieder attraktiv werden.

Info

Roland Berger

Prof. Dr. h.c. Roland Berger ist Gründer von Roland Berger Strategy Consultants, einem weltweit tätigen Beratungsunternehmen mit 36 Niederlassungen in 25 Ländern. Berger studierte Betriebswirtschaft in München und Hamburg. 1967 gründete er seine Unternehmensberatung, die sich innerhalb von sechs Jahren zur drittgrößten in Deutschland entwickelte. 36 Jahre stand Roland Berger an der Spitze des Beratungshauses bis er 2003 als Vorsitzender in den Aufsichtsrat wechselte. Er ist seit 1996 Gastprofessor an der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus und hält dort seit 2000 eine Honorarprofessur für Betriebswirtschaft und Unternehmensberatung. Der 71-Jährige ist Mitglied der Hochschulräte an verschiedenen Hochschulen und gehört internationalen Beiräten und Aufsichtsräten an wie The Blackstone Group, der Fiat Group, der Prime Office AG, Komatsu und der Sony Corporation. Berger ist Honorargeneralkonsul der Republik Finnland in den Freistaaten Bayern und Thüringen.

Wie wichtig sind für Sie Anlagen in ökologische, ethische und soziale Investments?

Die Investition in die Unternehmensberatung ist eine ethische Anlage per se. Denn der Beruf des Unternehmensberaters trägt erheblich zum Wohl der Wirtschaft und der Gesellschaft bei. Satzungsgemäß gibt es keine Ausschlusskriterien. Wir können in alle Assetklassen und Industrien investieren. Natürlich werden die Kapitalanlagen mit dem Stiftungszweck ethisch in Einklang stehen. Das Kuratorium gibt innerhalb dieser Grenzen die Rahmenbedingungen vor, die der Vorstand dann umsetzt.

Es gibt also keine Quotenregelung für Asset-Klassen?

Nein, wenn es so weit ist, werden wir unser Portfolio dem Anlageausschuss vorlegen und die Quoten nach der jeweiligen Wirtschaftssituation festlegen.


Wie stark bringen Sie sich persönlich in die Stiftung ein?

Ich kümmere mich in erster Linie um die Stipendiaten. Als Gast bin ich bei jeder Stipendiaten-Auswahl dabei und lerne die Kinder und Jugendlichen kennen. Und ich nehme als Zuhörer an der Abschlussrunde der regionalen Auswahljuries teil. Außerdem gehöre ich dem Preisvergabekomitee für den Preis für Menschenwürde an. Ich reise viel und versuche, mir möglichst auch ein Bild von den Menschenrechtssituationen vor Ort zu machen. Auf diese Weise sammle ich Erfahrungen, die ich in die Stiftungsarbeit einbringen kann.

* Anmerkung der Redaktion: Bergers Vater wurde von den Amerikanern in mehreren Internierungslagern festgehalten, weil er zwischen 1931 und 1939 NSDAP-Mitglied war. Schließlich wurde er als „Minderbelasteter“ freigesprochen und als politisch Verfolgter und Unterdrückter durch die NS-Gewaltherrschaft anerkannt.

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