Freitag, 06.11.2020
Ergebnisse einer Studie zur Asset-Allokation

Single Family Offices reagieren auf Corona

Die großen internationalen Single Family Offices kommen bisher gut durch die Corona-Krise. So lautet das Ergebnis einer aktuellen Studie. Bei der Asset-Allokation dreht dennoch knapp die Hälfte kurzfristig an den Stellschrauben. Vor allem eine altbekannte Asset-Klasse rückt zukünftig stark in den Fokus.
Andy Dean, Single Family Offices, Asset Allokation, Corona Vermögen, Studie Corona Geld, Anlagen Corona, Global Family Office Report, Johannes Sill, Private Equity Corona

Ob Benjamin Franklin das für möglich gehalten hätte? Die Welt befindet sich ganz im Zeichen der Maske. So auch die Anlagemärkte.

 

Foto: Andy Dean – stock.adobe.com

Der Goldmarkt knackt Rekordhöhen, der Ölpreis schlittert indes ins Negative, und die Bewertungen an den Börsenmärkten schwanken wie lange nicht. Die Marktsituation scheint für Anleger in den vergangenen Monaten chaotisch und undurchschaubar. Eine Investorengruppe, die sich in der Regel kaum aus der Ruhe bringen lässt, sind die großen Family Offices internationaler Unternehmerfamilien. Zwar sehen auch die langfristig orientierten Vermögensinhaber aus aller Welt durch die Entwicklungen, die die Covid-19-Pandemie mit sich brachte, Potential für eine Veränderung bei der Portfoliostrategie und der Asset-Allokation. Die Grundstimmung ist bei einem Großteil der Family Offices allerdings noch gut, zu diesem Ergebnis kommt der jährliche „Global Family Office Report 2020“ der Schweizer Großbank UBS. 

In der im Mai veröffentlichten Studie sagten mehr als drei Viertel der befragten Family Offices, dass ihre Portfolios zum Datum der Umfrage ihre Zielmaßstäbe für diesen Zeitpunkt des Jahres erreicht hätten. Teilgenommen haben 121 Single Family Offices aus insgesamt 35 Ländern: mehr als zwei Drittel aus den EMEA-Ländern inklusive der Schweiz und knapp ein Drittel aus Hong Kong, Singapur, den USA und Lateinamerika. Das verwaltete Vermögen der Teilnehmer der Studie beträgt 142,4 Milliarden US-Dollar – durchschnittlich 1,6 Milliarden US-Dollar pro Single Family Office. 

Alles zu Familienunternehmen: Folgen Sie uns auf Zum Linkedin Profil von Markt und Mittelstand und Zum Linkedin Profil von Markt und Mittelstand


Auch wenn knapp drei von vier Family Offices ihre gesteckten Ziele erreicht hatten, haben 55 Prozent der Befragten ihre Asset-Allokation angesichts der Verwerfungen und Marktchancen aufgrund der Corona-Krise zwischen März und Mai 2020 angepasst („Rebalancing“), um an der langfristig ausgerichteten strategischen Asset-Allokation festhalten zu können. Die Grafik zeigt, wie die Studienteilnehmer 2019 aufgestellt waren: stark diversifiziert und mit 35 Prozent ihrer Assets in alternativen Anlageklassen.

Dennoch rüsten sich die Family Offices angesichts der unberechenbaren Folgen der Pandemie für die Zukunft und planen, ihr Portfolio anzupassen. Wo setzen die meisten dieser Veränderungen in den nächsten zwei bis drei Jahren an? 26 Prozent der Family Officer sagten, dass sie ihre Cash-Reserven verringern und in andere Assets investieren werden. Vor allem Immobilien stechen als Target in den kommenden zwei bis drei Jahren ins Auge. Hier möchte fast die Hälfte der Offices wieder mehr Assets ins Portfolio nehmen. Ebenso verhält es sich mit Aktien sowohl in Wachstumsmärkten (44 Prozent wollen hier mehr investieren) als auch in etablierten Märkten (38 Prozent). Abstoßen möchten 13 Prozent der Family Offices indes Anleihen und festverzinsliche Wertpapiere in entwickelten Märkten.

Private Equity als Rendite-Treiber

Die Studie legt neben den Fragen zur Asset-Allokation ein besonderes Augenmerk auf Private-Equity-Fonds und unternehmerische Direktbeteiligungen. In Private-Equity-Fonds möchten in den kommenden zwei bis drei Jahren 19 Prozent der Family Offices mehr investieren, in Direktbeteiligungen sogar 28 Prozent. Damit gewinnt Private Equity an Bedeutung – schließlich waren im vergangenen Jahr lediglich 16 Prozent der Assets der befragten Offices in Private Equity angelegt (siehe Grafik). Die Studie benennt zwei positive Merkmale, die diese Asset-Klasse vor allem in Zeiten einer Pandemie und wirtschaftlicher Volatilität für Vermögensinhaber attraktiv machen: Zum einen rechnen drei Viertel (73 Prozent) der Investoren bei PE-Investitionen mit höheren Renditen als bei Investitionen in Publikumsgesellschaften am Kapitalmarkt. 

Zum anderen glauben die Family Offices, in Zeiten der Krise mehr Einfluss auf diese Assets ausüben zu können als in anderen Bereichen. Schätzten vor der Pandemie nur 27 Prozent der Family Offices, dass sie das Geschäft direkt beeinflussen können, waren es im Befragungszeitraum März bis Mai bereits 35 Prozent. In welche Branchen die Befragten am liebsten mit Private Equity investieren wollen, ist deutlich: 77 Prozent sehen IT-Unternehmen als Top-Target an. Danach folgen mit 60 Prozent Unternehmen aus dem Gesundheitssektor. Knapp dahinter auf Platz drei liegt mit 59 Prozent die Immobilienbranche.

Philanthropie statt Impact-Investing

Die Studie befragte die Family Offices auch zu ihren Strategien und Ansichten zu Nachhaltigkeit. Die Ergebnisse beschreiben eine Tendenz der „einfachen Antworten“. Zwar beabsichtigen der Befragung zufolge 39 Prozent der Family Offices, über die nächsten fünf Jahre die meisten ihrer Portfolios nachhaltig auszurichten. Zugleich geben 43 Prozent der Befragten an, dass die Rendite (ROI oder IRR) für sie auch bei nachhaltigen Investments der wichtigste Performance-Indikator sei. Weit abgeschlagen dahinter liegen die soziale Rendite mit 22 Prozent und der Impact auf Natur und Umwelt mit 12 Prozent. 

Aber wie sehen die Investmentstrategien beim Thema Nachhaltigkeit überhaupt aus? Auf ESG-Kriterien schauen im Moment lediglich 9 Prozent, in den nächsten fünf Jahren wollen immerhin 19 Prozent der Offices dies tun. Beim Impact-Investing wollen die Befragten kleinere Schritte gehen: 9 Prozent der Family Offices sind bereits dabei, in Zukunft wollen 14 Prozent ins Impact-Business einsteigen. Die größte Gruppe der Vermögensverwalter will Anlagen allerdings ausschlussbasiert managen, das heißt, Investitionen, die nicht auf die Werte des Investors ausgerichtet sind, werden ausgeschlossen. Derzeit gehen bereits 30 Prozent der befragten Family Offices diesen Weg, in fünf Jahren dürfte sich dieser Anteil auf 35 Prozent erhöhen.

Die Schlussfolgerung: Nachhaltige Investments spielen bei Single Family Offices keine so große Rolle, wie die Debatte in der Öffentlichkeit – zumindest vor der Corona-Pandemie – vermuten lassen könnte. Mehr als die Hälfte (57 Prozent) der Family Offices ist mit ihrem aktuellen Ansatz der Nachhaltigkeit zufrieden und sieht keine Notwendigkeit für Veränderungen. Als Hürde für den Einstieg in nachhaltiges Investment beschreibt die Studie, das Mindset der Unternehmer sei nicht auf Impact-Investing getrimmt. Fast vier von zehn Unternehmern wollen in der Strategie des Family Offices Erträge maximieren, um sich dann philanthropischen Initiativen zu widmen. Ein Viertel kritisiert, dass die Auswirkungen nachhaltiger Investments schwer messbar seien und es keine langfristige Erfolgsbilanz gebe. Gut 20 Prozent machen sich Sorgen um zu geringe Erträge, und der gleiche Anteil an Befragten sagt, dass im Family Office zu wenig Wissen über nachhaltige Investments vorhanden sei, um diese mit in das Portfolio zu nehmen.

Von den befragten Family Offices wird über die Hälfte in der ersten Generation und ein weiteres Viertel in zweiter Generation geführt. Vielleicht braucht es für ein Umdenken beim Thema Sustainable Investing einen Generationenwechsel im Family Office. Die Studie attestiert knapp der Hälfte der jüngeren Unternehmergeneration, dass sie sich aktiv für nachhaltige Investitionen im Family Office stark gemacht hat.