Dienstag, 14.01.2020
Michael Mettens komplizierte Nachfolge

Auf Betriebstemperatur

Ein williger und qualifizierter Nachfolger, ein von langer Hand geplanter, behutsamer Übergang: Beim Betonsteinwerk Metten Stein+Design sah alles nach einem Generationenwechsel wie aus dem Bilderbuch aus. Dann verstarb unerwartet Geschäftsführer Hans-Josef Metten. Was hat Sohn Michael Metten aus dem Sprung ins kalte Wasser gelernt?
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Unternehmen am Boden: Das Produkt von Metten Stein+Design im Amsterdamer Viertel Houthavens.

 

Foto: METTEN Stein+Design

Wenn Dr. Michael Metten (39) in sein Büro geht, durchquert er zunächst einmal 5.000 Quadratmeter Garten. Am Firmensitz in Overath – knapp eine halbe Stunde von Köln entfernt – hat der Unternehmer eine kleine Oase geschaffen. Inklusive Karpfenteich. Zwischen Wasserbecken und Buchsbäumen liegen Terrassenplatten, Pflastersteine und Edelsplitte. Überall locken Abzweigungen. Die Metten Stein+Design GmbH & Co. KG produziert Bodenbeläge für private Gärten und öffentliche Räume.

Behutsam geplant, hart gelandet

Michael Mettens Weg wirkt dagegen geradlinig, nicht verschlungen, zumindest auf den ersten Blick: Sein Werdegang könnte aus einem Nachfolge- Lehrbuch stammen. Er hat in Köln und St. Gallen Wirtschaftswissenschaften studiert: ein Studium, das ihm den Einstieg ins Familienunternehmen, das heute 145 Mitarbeiter hat und zwischen 20 Millionen und 30 Millionen Euro Umsatz verzeichnet, ermöglicht hat. Weder seine Eltern noch seine Großeltern haben je Druck auf ihn ausgeübt. „So habe ich mich von selbst und bewusst in diese Richtung entwickelt“, sagt Metten. Die Grundlagen hatte sein Großvater allerdings schon früh gelegt: Er hatte den Enkel als Schüler in den Sommerferien mit in die Produktionshallen genommen – für den Jungen damals der größtmögliche Abenteuerspielplatz.

Der Einstieg ins Unternehmen sollte eigentlich ein behutsamer werden. Seit 2007 arbeitete Michael Metten halb an seiner Promotion in Vallendar, halb im Marketing der Firma – eine gute Gelegenheit, sich erste Einblicke zu verschaffen. Im Herbst 2008 erhielt sein Vater Hans-Josef Metten die Diagnose Hirntumor. Er musste sich sofort in Behandlung begeben und aus dem Unternehmen zurückziehen. Seine Nachricht an den ältesten Sohn: „Du musst jetzt ins Büro fahren. Sieh dir an, was auf meinem Schreibtisch liegt. Auch wenn du nicht alles wirst lesen können: Schau mal, ob du klarkommst.“

Mehr-Generationen-Krise

Zwar betont Michael Metten den Zusammenhalt der Familie in dieser Krisensituation. Und doch lastete in diesem Moment viel Verantwortung auf seinen Schultern. Die beiden jüngeren Geschwister steckten noch in der Ausbildung. „Es war ein Sprung ins eiskalte Wasser“, sagt Metten. Trotz der Unterstützung seiner Mutter Hildegard, die heute mit ihm heute die Geschäftsführung bildet – er ist für Produktion und Marketing zuständig, sie für Rechnungswesen, Personal und Controlling. Trotz des Rats seines Großvaters Josef, der am liebsten aus dem Ruhestand zurückgekehrt wäre. „Es hat meinen Großvater fast zerrissen.“ Doch ihm war klar, dass er mit Ende 80 nicht die Kraft würde aufbringen können wie mit Ende 50. Langjährige Mitarbeiter wiesen Michael Metten auf die Klippen hin, vor denen er sich in Acht nehmen musste: Produktentwicklungen, Kundenbeziehungen, Wettbewerbskonstellationen, aber auch Machtverschiebungen innerhalb des Unternehmens. Das zunächst eiskalte Wasser wurde mit jedem Tag wärmer: „Inzwischen ist es angenehm temperiert“, sagt Metten. Inzwischen gehört ihm das Unternehmen zu 100 Prozent. 2010 hat er die Anteile seines Vaters, 2014 die seines Großvaters geerbt. Seine beiden Geschwister haben andere Karrieren gewählt.

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Verschlungener Weg, geradliniger Typ: Dr. Michael Metten.

 

Foto: METTEN Stein+Design, Overath

Schreibtisch gegenüber Schreibtisch: Josef und Hans-Josef Metten, Großvater und Vater, hatten mehr als zwanzig Jahre lang zusammengearbeitet. „Sie waren zwei starke Charaktere“, sagt Michael Metten. „Wenn sie zum Beispiel in Personalfragen verschiedener Auffassung waren, konnten sie ordentlich streiten.“ Aber immer so sachlich, dass sie sich spätestens zum nächsten Sonntagsfrühstück wieder zusammengerauft hatten. So hätte Michael Metten es mit seinem Vater auch gern gehalten: „Wir hatten ein sehr enges Verhältnis. Wir hätten verrückte Sachen gemeinsam umsetzen können.“ So hat er nur eineinhalb Jahre mit seinem Vater im Unternehmen gewirkt. Nicht viel Zeit. Aber genug Zeit für seinen Vater zu sehen, dass das Geschäft in guten Händen war. „Das hat ihm die Chance eröffnet loszulassen.“

 

Manchmal fällt Michael Mettens Blick auf das Bild neben seinem Schreibtisch. Darauf zu sehen: Josef und Hans-Josef, Großvater und Vater. „Was hättet ihr jetzt gemacht?“, fragt Metten sich dann. Sein Vater ist 2010 gestorben, sein Großvater 2014. „Aber ich hänge dem Gedanken nicht allzu lange nach.“ Beide haben ihm eins vermittelt: „Du kannst nicht in unsere Fußstapfen treten. Unsere Fußstapfen enden. Du musst weiter nach vorn gehen und deinen eigenen Weg finden.“ Nach einer kurzen Pause fügt Metten hinzu: „Auch wenn der eigene Weg manchmal verschlungen ist.“

Vertrag mit der Zukunft

Nach dem Tod seines Vaters setzte sich Michael Metten die Frist von einem Jahr, um einen Notfallplan zu entwickeln. Er schrieb sein Testament, klärte Vollmachten. Eine Lehre aus der Phase des Übergangs. „Unter der dringenden Notwendigkeit der eigenen Erfahrung“ – so formuliert er es selbst. Alle ein bis zwei Jahre passt er die Unterlagen an, fügt Nachträge an. Dazu will er andere Unternehmer in ähnlicher Lage ermuntern: „Es reicht nicht, einmal eine Lösung gefunden zu haben.“ Er sieht die Sache so: Woche um Woche schließt er Lieferverträge, Arbeitsverträge – warum nicht auch einen Vertrag mit der Nachwelt aufsetzen? Am schlimmsten fände er, wenn das Werk mehrerer Generationen zerbräche, weil kein Nachfolger handlungsfähig wäre. Das will er unbedingt verhindern. Obwohl er nicht alle Regelungslücken schließen kann: „Ich glaube, dass man die perfekte Lösung nie hinbekommt. Der Anspruch auf 100 Prozent funktioniert nicht. Es kommt immer wieder anders.“

Info

Von Overath bis Riad: die Metten Stein+Design GmbH & Co. KG

Gegründet wurde das Unternehmen von Michael Mettens Großvater Josef Metten gemeinsam mit seinem Bruder Peter 1938 in Bergisch Gladbach bei Köln. Berühmt geworden ist Josef Mettens Erfindung, für die er 1969 das Patent angemeldet hat: Der Rasengitterstein hat weltweit Abnehmer gefunden. In den neunziger Jahren teilten beide Brüder das Geschäft: Peter Metten übernahm den Baustoffhandel, Josef Metten das Betonsteinwerk. Sein Sohn Hans-Josef Metten änderte die Ausrichtung des Unternehmens und fokussierte sich aufs hochwertige Segment.

 

Heute sind 70 bis 80 Prozent von Mettens Kunden private Bauherren, 30 Prozent sind öffentliche Auftraggeber. Auf dem Opernboulevard in Hamburg, im Kö-Bogen in Düsseldorf, in Houthaven in Amsterdam und am Bahnhof von Nijmegen: Überall laufen Passanten heute über seine Steine. Auch nach Saudi-Arabien hat Metten bereits geliefert. Das hieß: 350 Seecontainer zum Teil im Schnee befüllen – und bei 40 Grad wieder auspacken. Doch eigentlich sieht die Strategie anders aus: Michael Metten setzt auf das internationale Lizenzgeschäft, das sein Vater angestoßen und er selbst nun ausgebaut hat. Inzwischen hat er Lizenzen in mehr als zwei Dutzend Länder vergeben. Unter anderem in Kanada, Südkorea und Israel berät Metten nun Betonsteinwerke.