Anleihen sind nicht mehr der sichere Hafen, der sie lange waren. Vor allem die aktuelle Inflation setzt dem Markt stark zu. Große US-amerikanische Stiftungen zeigen, wie man die Portfolios krisensicher aufstellt: Mehr als die Hälfte ihres Vermögens liegt mittlerweile in Private Equity und Real Assets.

Markt für Anleihen gerät aktuell aus mehreren Richtungen unter Druck. Unterm Strich führen die steigenden Zinsen zu einem Preisverlust der Anleihen im Portfolio. Während die Anlageklasse noch im Jahr 2021 auf einem Höchststand war, fährt sie momentan Verluste ein – so war es auch während der globalen Finanzkrise im Jahr 2008. Es ist nicht zu erwarten, dass diese Volatilität verschwinden wird. Vor allem für diejenigen, die Wertpapiere mit längeren Laufzeiten halten, steigen die Risiken.

Armin Eiche, CEO, Pictet Wealth Management Deutschland

Armin Eiche, CEO, Pictet Wealth Management Deutschland / Foto: Pictet

Angesichts der hohen Inflation könnte die US-amerikanische Notenbank Fed noch stärker auf die Bremse treten und einen Rückgang der Anleihemärkte weiter forcieren. Bereits jetzt zeigen sich in Teilen der US-Wirtschaft, beispielsweise im Wohnungsbau, die Auswirkungen der strengeren Finanzierungsbedingungen. Auch bei Aktien sind die Auswirkungen der höheren Anleiherenditen bereits spürbar, vor allem bei Wachstumswerten. Durch das zusätzliche Vorhaben der Fed, ihre Bilanz zu reduzieren, wird die großzügige Liquidität, an die sich die Märkte gewöhnt haben, schwinden.

Angesichts harter Lockdowns im Rahmen der chinesischen Zero-Covid-Strategie, der Auswirkungen des Krieges in der Ukraine sowie der steigenden Inflation scheint es so, als gäbe es für Anleger kaum noch einen sicheren Hafen. Doch Pessimismus ist nicht berechtigt. Denn der Bestand an Schuldtiteln mit negativer Verzinsung sinkt rapide, eine Investition in Staatsanleihen wird dadurch wieder attraktiver. Außerdem könnten Aktien zügig wieder das Niveau vom Jahresbeginn erreichen, wenn die Weltwirtschaft eine Rezession vermeidet und die Inflations- und Zinserwartungen zurückgehen. Anleger werden sich gedulden müssen.

Sachwerte wie Immobilien (darunter Logistikzentren und ausgewählte Gewerbeimmobilien) und Infrastruktur dürften den Portfolios in der Zwischenzeit etwas Inflationsschutz bieten, vor allem, wenn sie über Private Equity angelegt werden. Da Private Assets nur eine niedrige Korrelation mit börsennotierten Papieren aufweisen, verbessern sie das Ertragsprofil eines Portfolios und schützen es vor Wertverlusten.

Private Equity und Real Assets

Wie gut das funktioniert, beweisen die großen US-Stiftungsfonds, die zugunsten von Bildungs- und anderen Einrichtungen und durch Schenkungen und Spenden finanziert werden. Die größten gehören amerikanischen Universitäten, angeführt von der Harvard University (mit einem verwalteten Vermögen von 51,5 Milliarden US-Doller Ende Juni 2021), gefolgt von der Universität von Texas (mit 42,9 Milliarden US-Dollar) und der Yale-Universität (mit 42,3 Milliarden US-Dollar). Das primäre Anlageziel dieser Universitäts-Stiftungsfonds ist es, ausreichende Erträge zu erwirtschaften, um die Kaufkraft ihres Vermögens auf Dauer zu erhalten und den Betrieb der Universität sicherzustellen. Im Allgemeinen streben die Stiftungen eine reale Rendite von 5 Prozent pro Jahr (inflationsbereinigt) über einen längeren Zeitraum von fünf bis zehn Jahren an.

In den vergangenen Jahren haben diese Fonds ihr Engagement in traditionelle Anlageklassen wie Aktien und Anleihen zunehmend reduziert und stattdessen in alternative Vermögenswerte investiert, darunter Private Equity, Real Assets und Absolute-Return-Strategien. Sie bieten von Natur aus eine größere Diversifizierung und höhere Renditen, da sie ineffiziente Marktpreise durch aktives Management besser auszunutzen können. So ist der Aktienanteil der großen US-Stiftungsfonds von 45 Prozent des Gesamtvermögens im Jahr 2002 auf 29 Prozent im Jahr 2021 gefallen, während der Anteil alternativer Anlagen im selben Zeitraum von 32 Prozent auf 59 Prozent stieg.

Kleinere Stiftungen mit verwalteten Vermögen von weniger als 25 Millionen US-Dollar gehen diese Strategie weniger konsequent. Sie konzentrieren sich mit ihren Investitionen weiterhin stark auf inländische US-Aktien und Investmentgrade-Anleihen. Grund dafür ist, dass die Investition in alternative Anlagen umfangreiche Research- und sonstige Ressourcen erfordert, die große Akteure leichter stemmen können. Die Allokation kleinerer Stiftungen liegt daher bei etwa 60 Prozent Aktien, 32 Prozent festverzinslichen Anlagen und 8 Prozent alternativen Anlagen.

Die Performance der Stiftungsfonds war im Geschäftsjahr 2021 sehr stark und die höchste seit Datenerfassung im Jahr 1989. Nach Angaben der National Association of College and University Business Offers (Nacubo), die jährlich die Anlagestrategien der US-Elite-Unis untersucht, lag die durchschnittliche Rendite für alle Institutionen im Geschäftsjahr 2021 bei 30,6 Prozent – mit einer Spanne von 23,9 Prozent für die kleinsten Fonds bis 37,7 Prozent für die großen Stiftungsfonds. Zum Vergleich: Globale 60/40-Fonds (die 60 Prozent ihre Portfolios in Aktien des MSCI AC World Index und 40 Prozent in den Bloomberg Barclays Global Aggregate Bonds Index anlegen) erzielten im selben Zeitraum eine Rendite von 22,5 Prozent. 60/40-Fonds in den USA (die 60 Prozent ihres Portfolios in den S&P 500 und 40 Prozent in eine zehnjährige US-Treasury anlegen) fuhren 22,1 Prozent ein.

Mit ihrer Strategie, mehr in Private Assets zu investieren, waren Stiftungsfonds also in der Lage, eine langfristige Outperformance zu erreichen. Dass im Geschäftsjahr 2021 Small-Cap-Aktien besser abschnitten als Large-Cap-Aktien und die Inflation oder Renditen zehnjähriger Staatsanleihen um mehr als 50 Basispunkte gestiegen sind, hat ihnen in die Karten gespielt.

Gegen die steigende Inflation

Dank ihrer starken Performance im Geschäftsjahr stieg die durchschnittliche Jahresrendite der Stiftungen über zehn Jahre von 7,5 auf 8,5 Prozent. Dabei profitierten sie von der starken Wertsteigerung einer Reihe von Anlageklassen, insbesondere von Aktien, Private Equity und Immobilien. Diese Zahl berücksichtigt den Ausgabenbedarf der Universitäten, langfristige Inflationserwartungen sowie Gebühren und Kosten. Für das laufende Jahr wurde aufgrund steigender Inflationserwartungen die angestrebte Nominalrendite auf 7,94 Prozent erhöht: 4,6 Prozent für allgemeine Ausgaben, 2,3 Prozent für Inflation und 1,04 Prozent für Gebühren
und Kosten.

Die Verwalter von Stiftungsfonds werden daher stärker gefordert sein, die langfristigen Ziele in den kommenden Jahren zu erreichen. Es ist daher wahrscheinlich, dass Stiftungen ihr Vermögen noch mehr in Richtung realer Vermögenswerte verschieben, um sich gegen steigende langfristige Inflationserwartungen abzusichern. Für Inhaber großer Vermögen in Deutschland und Europa dürfte es sich lohnen, ihre Portfolios analog zu denen der großen US-Stiftungen umzuschichten. In dieser Verteilung können sie dann abwarten, bis ihre ehemals sicheren Häfen wieder sicher sind.

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