Nachhaltige Investments sind die Zukunft. Wissenschaft, Politik, Regulatorik und Notenbanken treiben grüne Investitionen voran. Was müssen Anleger wissen?

Nachhaltigkeit der Geldanlage ist in aller Munde, bei Politik, Medien und professionellen Anlegern. In der breiten Bevölkerung ist aber noch Luft nach oben. Laut einer Umfrage gibt in Deutschland jeder zweite Befragte an, nicht zu wissen, was eine nachhaltige Geldanlage ist, und nur 25 Prozent können mit dem Begriff ESG etwas anfangen. Das ist umso bemerkenswerter, als dass der Klimawandel inmitten der Corona-Krise als wichtigstes Problem hinter der Gesundheit angegeben wird.

Gesellschaftlicher Rückenwind

Dr. Johannes Mayr, Chefvolkswirt, Eyb & Wallwitz Vermögensmanagement GmbH

Foto: eybwallwitz

Der gesellschaftliche Rückenwind für nachhaltige, grüne Investitionen ist also nach wie vor hoch und erhält Unterstützung durch Wissenschaft, Politik, Regulatorik und Notenbanken. Die zur Erreichung der Nachhaltigkeitsziele notwendigen Investitionsvolumina werden auf über 5.000 Milliarden Euro jährlich geschätzt, etwa 6 Prozent des globalen BIP. Auch deshalb richtet sich der Fokus der Politik zunehmend auf den Finanzmarkt, der diese Mittel bereitstellen soll.

Die EU hat mit der Taxonomie die Grundlage für die regulatorische Besserstellung der als klimafreundlich klassifizierten Investitionen geschaffen. Zusätzlicher Rückenwind könnte von der Geldpolitik kommen. Annahme hinter all diesen Eingriffen ist, dass als nachhaltig klassifizierte Unternehmen ein geringeres finanzielles Risiko bergen. Zum einen, da die Geschäftsmodelle geringere physische Risiken aufweisen. Und zum anderen, da die Transitionsrisiken für diese Unternehmen geringer sind, etwa im Fall einer Veränderung der politischen Vorgaben zur CO2-Bepreisung.

Tatsächlich zeigen Studien einen positiven Zusammenhang zwischen der Erfüllung hoher ESG-Standards und dem finanziellen Erfolg von Unternehmen. Für Investoren stellt sich die Frage, wie sie diesen Rückenwind nutzen können. Fondsgesellschaften werben offensiv mit nachhaltigen Produkten. 2020 stieg das Volumen von nachhaltigen Fonds in Europa um über 50 Prozent auf 1.100 Milliarden Euro. Die Umwidmung konventioneller Fonds spielt dabei eine wichtige Rolle.

Problem Greenwashing

„Greenwashing“ und damit verbundene Reputationsrisiken sind aber ein ernstes Problem. Denn nur zum Teil dürften bestehende Investitionen regulatorisch tatsächlich als nachhaltig und grüne Investitionen bewertet werden. Besonders komplex ist die Lage im Bereich der Social- und Governance-Ziele. Denn hier sind die politischen Ziele unklarer formuliert und schwieriger zu messen.

Studien zeigen, dass mögliche ESG-Überrenditen durch Transaktions- und Analysekosten aufgezehrt werden und positive Entwicklungen in den Kursen eskomptiert sind. Daher stellt sich die Frage, ob auch klassische Anlagestile eine Orientierung an Nachhaltigkeit ermöglichen.

Analysen zeigen einen positiven Zusammenhang von ESG-Performance und den Faktoren Low Volatility, Dividend Yield und Quality. Für Investoren bietet sich so die Möglichkeit, am Megatrend Nachhaltigkeit zu partizipieren und dabei weniger anfällig zu sein für Marketing-Hypes oder regulatorische Richtungswechsel.

Als Orientierung gilt: Eine gute ESG-Performance ist ein Merkmal von Qualitätsaktien und -anleihen. Die noch nicht klar zu diagnostizierende ESG-Outperformance ist in jedem Fall positiv zu werten. Denn selten bieten Megatrends die Möglichkeit, in einem fortgeschrittenen Stadium relativ günstig einsteigen zu können, zumal das Abwärtsrisiko im Vergleich zu konventionellen Anlagen begrenzt erscheint.

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