In der privaten Vermögensnachfolgeplanung werden liquide Vermögensbestandteile als wenig relevant erachtet. Dabei können sie ein flexibler Hebel in der Planung sein.

Silke Mies, Head Wealth Planning Advisory Europe, Bank Julius Bear & Co. Ltd, Schweiz

Foto: Julius Bär

Die Nachfolgeplanung konzentriert sich bei vielen Unternehmern darauf, wer die Unternehmensführung übernehmen soll, wenn der bisherige Inhaber austritt. Aus einer Vermögensperspektive geht mit der organisatorischen Übernahme der Geschäftsleitung oftmals auch die Übertragung der entsprechenden Unternehmensbeteiligung einher. In Familienkonstellationen mit mehreren Vermögensnachfolgern, beispielsweise Geschwistern, tritt in diesen Fällen die Frage auf, wie ein adäquater Vermögensausgleich zugunsten der Geschwisterteile geschaffen werden kann, die nicht am Unternehmen beteiligt werden. Dies lässt sich an folgendem Beispiel veranschaulichen:

Der Unternehmer Karl will sich aus dem Berufsleben zurückziehen und setzt für die Unternehmensnachfolge seine Tochter Clara als zweite Geschäftsführerin der Familien-GmbH ein. Im Sinne einer vorweggenommenen Vermögensnachfolge überträgt er ihr zeitgleich seine Anteile unter Nießbrauchsvorbehalt, um sich für seinen Ruhestand finanziell mit den Dividendenerträgen aus der GmbH abzusichern. Gleichzeitig bleibt er Geschäftsführer der GmbH und kann bei wesentlichen Geschäftsentscheidungen, unter anderem hinsichtlich der Gewinnverwendung, mitwirken. Die Unternehmensnachfolge wurde gut vorbereitet, und so wurden Finanzmittel aus der Gesellschaft bereits vorab in das Privatvermögen überführt, um steuerschädliche Verwaltungsvermögensquoten zu unterschreiten.

Hendrik Kuhl, Wealth Planning Advisory Germany, Bank Julius Bär Deutschland

Foto: Julius Bär

Die erhaltenen Ausschüttungen aus der Gesellschaft hat Karl zwischenzeitlich in Wertpapiere angelegt. Um eine Vermögensgleichheit zwischen Clara und ihrem Bruder Ferdinand zu erwirken, möchte Karl diesem das Wertpapierdepot übertragen. Karl ist jedoch unsicher, ob Ferdinand mit der Verwaltung der Wertpapiere und der Verantwortung eines hohen Eigenvermögens zurechtkommt. Gleichzeitig möchte Karl seinen Ruhestand genießen und braucht laut Aussage seines Vermögensplaners die laufenden Erträge aus den Wertpapieranlagen ebenfalls für die Finanzierung seiner Lebenshaltungskosten. Sein Steuerberater klärt Karl darüber auf, dass auch an Wertpapiervermögen ein Nießbrauchsvorbehalt bestellt werden kann.

So könnte nicht nur die Schenkungsteuer reduziert werden, auch Karl könnte weiterhin über eine Vollmacht die Entscheidungen zur Anlage des Kapitalvermögens treffen. Dadurch hätte er, analog zu den Anteilen an der Familien-GmbH, weiterhin die Möglichkeit, die Ertragskraft der unter Nießbrauch stehenden Kapitalanlagen sicherzustellen. Gleichzeitig könnte er Ferdinand Vermögen im Rahmen der vorweggenommenen Erbfolge übertragen.

Aus Bewertungsgründen schlägt der Steuerberater Karl vor, die Wertpapiere zu liquidieren und Barvermögen zu übertragen. So würde auch verhindert, dass Ferdinand beim Verkauf der Wertpapiere Liquidität aus seinem eigenen Vermögen für Steuern auf Gewinne aufwenden muss, die in der Zeit entstanden sind, als die Wertpapiere noch Karl zuzurechnen waren. Dies würde im Sinne einer Nachfolgeplanung dem Aufbau von Vermögen bei Ferdinand entgegenlaufen. Da sowohl die GmbH-Anteile als auch das Kapitalvermögen mit Nießbrauch übertragen werden, ist Karl nicht nur finanziell bestens für seinen Ruhestand versorgt, auch seine Kinder fühlen sich in der Vermögensnachfolge und Dispositionsfreiheit gleichberechtigt.

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