Für Unternehmer und Investor Alexander Schaeff ist klar: Aktuell hinkt der Wirtschaftsstandort Deutschland hinterher. Was also gilt es zu tun?

Was haben 20 Minuten Warten vor dem verwaisten Check-in-Counter eines Hotels mit der Tatsache zu tun, dass Ihnen Ihr Schreiner sechs Monate keinen Termin geben kann und mir bekannte Produktionsunternehmen Aufträge ablehnen müssen? Sie haben alle ein Personalproblem und finden weder Auszubildende noch Fachpersonal oder technische Führungskräfte.

Ist das wirklich neu? Nein, aber es ist auch keine Besserung in Sicht. Wie viele junge Leute wollen sich denn heute noch die Mühe machen und Maschinenbau studieren? Mir ist im familiären Umfeld, aber auch im Freundeskreis niemand bekannt. Ja, in der Abiturklasse meines Sohnes haben tatsächlich eine Reihe von Jungs Maschinenbau belegt: alles Asiaten. Die nehmen ihr Wissen dann mit nach Hause.

Unsere Technikfeindlichkeit ist langsam geschäftsschädigend und reicht von der geradezu schwindelerregend schnellen Abtretung der weltbesten Verbrennungsmotore durch unsere Politiker und Großunternehmenslenker über die Verteufelung der Kernenergie bis hin zu der Tatsache, dass wir in Deutschland kein Projekt mehr im Zeit- und Kostenbudget fertigstellen. Deutschland deindustrialisiert!

Das ist auch daran zu erkennen, dass aktuell über 25 Prozent der Studienabgänger in den öffentlichen Dienst gehen wollen – so viele, wie noch nie und gar noch mit zunehmender Tendenz. Was bringt die durch die Ukraine-Krise und den Stau der Containerschifffahrt hervorgerufene aktuelle Diskussion über die De-Globalisierung und das Überdenken der Wertschöpfungsketten? Eigentlich die Erkenntnis, dass wir dringend Teile dieser Wertschöpfung wieder zu uns „nach Hause“ holen sollten. Nur wer soll diese Zusatzarbeit dann abarbeiten, wenn kein Fachpersonal vorhanden ist? Es wird wohl auf das Gegenteil hinauslaufen, nämlich dass die Unternehmen in ihren Zielmärkten Personal einstellen, entwickeln, einkaufen fertigen und verkaufen. Also doch Globalisierung – nur richtig!

Dies setzt allerdings eine gewisse Unternehmensgröße voraus. Die Leidtragenden der oben genannten Entwicklungen werden die kleinen und mittleren Familienunternehmen sein, die vom Standort Deutschland abhängig sind und den allergrößten Anteil der circa 30.000 Unternehmen ausmachen, die jedes Jahr Nachfolgerinnen und Nachfolger suchen. Ihnen bleibt nur der Ausweg, die Abläufe im Unternehmen zu digitalisieren und zu automatisieren.

Ist der Trend noch umkehrbar? Vielleicht – eher mittelfristig – durch eine intelligente Einwanderungspolitik, die mit einem darauf abgestimmten Ausbildungssystem verzahnt ist. Oder – langfristig – durch mehr technikaffine Vorbilder: von den mit den Kindern bastelnden Eltern bis zu technischen Erzieherinnen und Erziehern in den Kitas und Schulen. Start-ups werden das Problem jedenfalls nicht lösen: Der größte Teil der Gründungen ist in der internetbasierten Plattformökonomie zu finden und will eher das schnelle Geld als die Weitergabe an die nächste Generation.

Info


Alexander Schaeff ist Teil der Unternehmerfamilie Schaeff, die zu den ältesten Unternehmerfamilien in Deutschland gehört und seit 1596 unternehmerisch in Süddeutschland tätig ist. Die 2002 gegründete Schaeff Group wird von Alexander Schaeff und Dino Macho als Geschäftsführer geleitet und hat sich auf Übernahmen aus schwierigen Unternehmenssituationen spezialisiert.

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