Unternehmer Alexander Schaeff widmet sich in seiner Kolumne der Frage, ob die dritte Generation nun wirklich Grund dafür ist, dass Familienunternehmen mitunter zerfallen.

Wie schon Thomas Mann 1901 in seinem Roman „Die Buddenbrooks“ mutmaßte: „Der Vater erstellt´s, der Sohn erhält´s, dem Enkel zerfällt´s“. Ein Unternehmen „enkelfähig“ zu machen, stößt der Legende nach eben bei den Enkeln der Firmengründer auf wenig Gegenliebe. Die Dritten haben ein schlechtes Image und stehen im Ruf, geerbte unternehmerische Substanz zu verschleudern, statt zu mehren. Dieser „Drei-Generationen-Mythos“ hält sich eisern bis heute. Aber ist diese Unterstellung korrekt?

Zahlen und Fakten der Unternehmensnachfolge

Sehen wir uns zunächst die Fakten an: 90 Prozent der 3,66 Millionen Unternehmen in Deutschland sind Familienunternehmen. Laut der Schätzung des ifm standen für die Periode 2018 bis 2022 rund 150.000 Familienunternehmen mit 2,4 Millionen Arbeitsplätzen zur Übergabe an die nächste Generation an, also circa 30.000 pro Jahr. Etwa 40 Prozent der Unternehmen wurden innerhalb der Familie, circa 10 Prozent an Mitarbeiter und 15 Prozent an Externe weitergegeben. Der Rest – immerhin 35 Prozent – wird verkauft oder schlicht stillgelegt.

Als gesichert kann darüber hinaus angesehen werden, dass nur rund 10 Prozent der Familienunternehmen die 3. Generation und nur 5 Prozent die 4. Generation „überleben“ (Stiftung Familienunternehmen). Aber Nicht-Familienunternehmen schneiden im Schnitt deutlich schlechter ab: so sind von den 50 ältesten Unternehmen Deutschlands fast alle Familienunternehmen. Die im Jahr 1997 vom Wirtschaftshistoriker Alfred Chandler aufgestellte These, dass sich auf Dauer die fremdgeführten Konglomerate durchsetzen werden, hat sich nicht bestätigt.

Tatsache ist: Unternehmen im Familienbesitz sind grundsätzlich erfolgreicher als vergleichbare fremdgeführte Unternehmen, wie eine Studie des Research Instituts der Credit Suisse (CSRI) aus dem Jahr 2018 zeigt: In allen Regionen und Branchen übertreffen Familienunternehmen die Aktienmärkte seit 2006 durchschnittlich um 400 Basispunkte pro Jahr. Es sieht so aus, als ob der Drei-Generationen-Mythos ein Märchen ist. Also alles in Ordnung, oder?

Werden Unternehmer eine knappe Ressource?

Leider nein. Der aktuelle DIHK-Report zur Unternehmensnachfolge von Firmen, die keinen familieninternen Nachfolger finden, wertet 18.000 Kontakte zu Nachfolgeinteressierten und Altunternehmern aus: Hiernach gaben im Jahr 2021 nur noch halb so viele Personen an, eine Firma im Rahmen einer Unternehmensnachfolge übernehmen zu wollen wie im Vergleich zu dem Vor-Corona-Jahr 2019.

Demgegenüber steht die dreifache Anzahl an Altunternehmern, die ihre Firma gerne weitergeben wollen, so dass bereits von einer „Unternehmerknappheit“ gesprochen wird. Darüber hinaus dürfte sich die wahre Zahl der übertragenen Unternehmen – aufgrund eines mangelnden Fits von Angebot und Nachfrage – weiter reduzieren. Die Krux liegt aber nicht nur auf Seiten der nach drei Krisen in Folge völlig verunsicherten, potentiellen Nachfolger. Ein Problem sind oft die grundsätzlich abgabewilligen Altunternehmer. Diese gehen die Übergabe unstrukturiert an, können emotional nicht loslassen, fordern überhöhte Kaufpreise und sehen in interessierten Personen den falschen Nachfolger.

Es besteht also tatsächlich die Gefahr, dass der Drei-Generationen-Mythos zur Realität wird – aber nicht aufgrund mangelnder unternehmerischer Qualitäten der Enkelgeneration.

Info


Alexander Schaeff ist Teil der Unternehmerfamilie Schaeff, die zu den ältesten Unternehmerfamilien in Deutschland gehört und seit 1596 unternehmerisch in Süddeutschland tätig ist. Die 2002 gegründete Schaeff Group wird von Alexander Schaeff und Dino Macho als Geschäftsführer geleitet und hat sich auf Übernahmen aus schwierigen Unternehmenssituationen spezialisiert.

Aktuelle Beiträge

Immobilienvermögen
Wie Unternehmerfamilien in die Assetklasse Immobilien investieren
Studie sichern »
Studie sichern »
Immobilienvermögen