Manche feiern laut, manche feiern leise. Als ehemalige Family Officerin sind für Angela De Giacomo positive Erlebnisse oft mit Zahlen oder Verträgen verbunden, aber nicht immer. Was ist Erfolg?

Erfolg. Kürzlich habe ich zwei unterschiedliche Siegesfeiern gesehen. Zunächst in Italien, am tiefblauen Meer. Gebannt schauten wir, das Publikum am Strand, nach oben. Auf einem Felsvorsprung in schwindelerregender Höhe standen sehr athletische Menschen bereit, um dann akrobatisch von den Felsen zu springen. Am Ende eines langen, sonnigen Tages folgte die Siegerehrung mit einer Medaille und gebührender Feier.

Weniger athletisch, aber nicht minder erfolgreich, sahen am selben Tag einige Politiker aus. Gemeint sind diejenigen, die in Deutschland die Bundestagswahl gewonnen haben. Voller Stolz traten sie vor die Journalisten und Kameras. Anschließend feierten sie ihre Siege auf ihren Wahlpartys.

Als ambitionierter Mensch habe ich diese Erfolgsmomente bei den anderen als sehr einprägsam wahrgenommen. Unsichtbar bleibt, dass die Siege der mutigen Felsenspringer und der gewählten Politiker auf einer langen und harten Vorbereitungszeit basieren.

Aus diesem Grund habe ich mich gefragt, wie mein Umgang mit persönlichen Erfolgen ist. Solche langwierigen, von Erfolg gekrönten Vorbereitungsphasen haben wir als Family Officer, Manager, Unternehmer und in anderen Berufen ebenfalls. Aber wie oft nehmen wir sie als solche wahr und feiern sie gebührend?

Bei mir bin ich auf Folgendes gestoßen:

Erfolg. Ich höre das Wort und denke dabei an eine Phase. Oft ist es aber nur ein flüchtiger Moment. Deshalb muss ich ihn schnell erkennen, innehalten und ihn für die Ewigkeit als Erinnerung festhalten. Diese kann ich dann jederzeit wieder abrufen, wenn ich einen spontanen Motivationsschub oder mehr Selbstvertrauen brauche.

Von Bedeutung ist das meist in der Phase, die Ausdauer erfordert, wenn ich ein neues Projekt angehe und mir zum Ziel gesetzt habe, den nächsten Drachen zu erlegen. Neulich fragte mich ein Investor-Freund, was mein nächster „Drache“ sei – daher dieser Ausdruck. Mir gefiel das Kämpferische daran. Dabei sind meine Drachen oft schwarz-weiß und tauchen in Form wichtiger Verträge auf, die ich verhandle oder in Form einer guten Rendite im Portfolio.

Manchmal ist der Drache aber auch sehr farbenfroh. Dann erscheint er in Form eines großen Outdoor-Sommerfestes mit 350 Gästen, darunter 50 Jugendliche, die alle erwartungsfroh aus ganz Deutschland nach Berlin reisen. Sie freuen sich auf die vielen geladenen erfolgreichen und teilweise sehr prominenten Menschen, die sie dort persönlich kennenlernen können.

Und wenn ich dann annehme, dass nach einem Jahr Vorbereitung alles reibungslos läuft, dann speit der Drache plötzlich Feuer: Der Veranstaltungsort muss kurz vorher gewechselt werden, die Wetterprognose schlägt auf herbstlich um, und die Corona-Bedingungen behindern zusätzlich. Es fühlt sich an, als steige man mit gebundenen Händen in den Ring, und es wird ein echter Kraftakt, den Drachen zu bezwingen. Hilfreich ist es dann, dass ich auf Erinnerungen von vergangenen Erfolgen zurückgreifen kann. Diese geben mir das, was ich zur Bewältigung dieses Kraftaktes benötige: Motivation und Selbstvertrauen.

Übrigens: Das Sommerfest wurde dann doch sehr schön und stimmungsvoll – ein wunderbarer Erfolg. Als Sportler oder als Politiker hätte ich das gebührend gefeiert. Stattdessen habe ich am Ende eines langen Sommerfest-Tages innegehalten, meinen Unterstützern herzlich gedankt und anschließend den fabelhaften Erfolgsmoment in meiner Erinnerung festgehalten.

Info

Angela De Giacomo war viele Jahre Family Officerin für das Family Office der Unternehmerfamilie Bissell in Neu-Delhi. Heute ist Angela De Giacomo Beirätin, Initiatorin der Plattform Wundernova und engagiert sich für das „German Indian Startup Exchange Program“.

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