Armutszeugnis Frauen in Führungspositionen

Der Frauenanteil in den Führungsetagen der Familienunternehmen ist verschwindend gering. wir-Redakteurin Sarah Bautz sieht von Seiten der Unternehmen wenig Lösungsansätze und viele Ausreden.

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Das Ergebnis ist ein Armutszeugnis: Ausgerechnet unter den 70 größten Familienunternehmen in Deutschland, die sich ausschließlich in Familienbesitz befinden, liegt der Anteil an Frauen in den Geschäftsführungen und Vorständen bei verschwindend geringen 4,8 Prozent. Noch dazu ist die Entwicklung mit +/- 0 Prozentpunkten Zuwachs in den vergangenen zwei Jahren eine Katastrophe, oder besser gesagt: Eine Entwicklung hat nicht stattgefunden. Was wiederum auch für die Zukunft nichts Gutes verheißt. Denn wo Frauen in den Führungsetagen als Vorbilder und Entscheiderinnen fehlen, wird es auch die übrige Organisation schwer haben, sich chancengleich und divers aufzustellen.

Und sagen Sie jetzt nicht: Frauen bewerben sich halt nicht, schade. Das ist kein Argument, sondern eine Ausrede. Wenn sich bei Ihrem Unternehmen auf die Ausschreibung eines Führungspostens keine einzige Frau bewirbt, dann sagt das nicht in erster Linie etwas über Frauen aus, sondern über Ihr Unternehmen. Der Begriff „War for Talent“ ist schon Jahrzehnte alt. Trotzdem haben erstaunlich viele Arbeitgeber die Kernbotschaft immer noch nicht verstanden: Sie selbst sind diejenigen, die mit ihrem Angebot attraktiv genug für potentielle Führungskräfte sein müssen, nicht umgekehrt. Und wenn sich Ihr Bewerberpool ändern soll, dann müssen Sie das womöglich auch tun. Dafür lohnt es sich, ähnlich wie bei der Produktentwicklung, den Kontakt zur Zielgruppe zu suchen. Haben Sie mal Frauen in Ihrer Organisation gefragt, woran es haken könnte, dass sie sich nicht auf einen Führungsposten bewerben? Oder ob eine Führungsposition im eigenen Unternehmen überhaupt attraktiv ist?

Die Frage ist unbequem, sie bedeutet Arbeit. Womöglich ist das neu für Ihre Organisation, gibt es dafür noch keine definierten Prozesse. Aber gerade die sonst oft verschwiegenen Familienunternehmen reden doch meist gern darüber, ihr Geld in den Betrieb zu reinvestieren, tragen mit Stolz ihre Werte und ihren Erfindungsreichtum vor sich her. Wo könnten Sie erst stehen, wenn ein – nachweislich innovativeres – diverses Team an der Spitze Ihr Geschäft neu denken würde? Wenn Familienunternehmer für eins wirklich nicht bekannt sind, dann dafür, dass sie sitzenbleiben und warten, dass eine verfahrene Lage sich von allein bessert. Sie würden ja auch nicht sagen: Die Kunden kaufen unser Produkt einfach nicht mehr, schade.

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