Frank Stührenberg, CEO von Phoenix Contact, sieht im Übergang vom Eigentümer- zum managementgeführten Familienunternehmen durchaus Vorteile. Entscheidend sind Vertrauen und Kommunikation.

In seinem Beitrag vom 15. März skizziert wir-Kolumnist Tobias Rappers an dieser Stelle überzeugend die großen Chancen, die im familieninternen Generationenwechsel bei der Führung von Familienunternehmen liegen, gerade im produktiven Spannungsfeld von Herkunft und Tradition. Was aber, wenn die nächste Generation der Unternehmerfamilien sich entscheidet, die Nachfolge nicht in der Führung des Unternehmens anzutreten, sondern sich auf die Rolle als Gesellschafterin oder Gesellschafter zu konzentrieren?

Dies muss für ein Familienunternehmen keinesfalls bedeuten, gleich seine gelebte Kultur zu verlieren. Schon gar nicht dann, wenn wie im Fall von Phoenix Contact die nächste Generation zwar davon absieht, die Unternehmensleitung zu übernehmen, ihre Rolle als Gesellschafterin und Gesellschafter aber durchaus sehr ernst nimmt.

Hier kann ich aus eigenem Erleben berichten: Als sich unser langjähriger geschäftsführender Gesellschafter vor rund acht Jahren aus der Geschäftsführung zurückzog, übernahmen mit mehreren Kollegen und mir erstmals angestellte Manager diese Funktion. Allerdings kamen wir nicht aus dem Nichts, sondern waren überwiegend seit Jahrzehnten im Unternehmen tätig. Und wir wussten, dass wir keine „Generalvollmacht“ hatten, einfach zu tun, was wir für richtig hielten, solange am Ende nur die Zahlen stimmten. Im Gegenteil: Bei aller Offenheit für nötige Veränderungen achten die Gesellschafterinnen und Gesellschafter – und hier auch die junge Generation – nicht weniger auf Werte, Kultur und Traditionen des Unternehmens als auf seine wirtschaftliche Entwicklung.

Verliehene Autorität muss sich mehr erklären

Als familienexterne Geschäftsführung genießen wir Vertrauen, das uns entgegengebracht wird. Zugleich müssen wir es durch Handeln rechtfertigen, aber mehr noch durch stetige, offene und transparente Kommunikation. Nicht zuletzt ist eine angestellte Geschäftsführung ihren Gesellschafterinnen und Gesellschaftern in vielen Fragen schlichtweg auch formell verpflichtet, etwa bei Governance-Aspekten und zustimmungspflichtigen Geschäften, um nur einige Beispiele zu nennen.

Kommunikation spielt ohnehin eine Schlüsselrolle, das gilt auch in Richtung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Das gilt für angestellte Geschäftsführerinnen und Geschäftsführer noch viel mehr als für geschäftsführende Gesellschafterinnen und Gesellschafter. Denn wo diese als Eigentümerinnen und Eigentümer in der Regel sprechen und handeln können, ohne in Frage gestellt zu werden, müssen Managerinnen und Manager ihre Entscheidungen und Aussagen viel detaillierter begründen.

Formalisierte versus charismatische Führung

Der Unterschied liegt auf der Hand, nämlich in der Legitimation: Gesellschafterinnen und Gesellschafter handeln und entscheiden aus der Souveränität der Eigentümerin und des Eigentümers heraus. Angestellte Geschäftsführerinnen und Geschäftsführer agieren hingegen auf der Grundlage eines Mandats. Ihre Handlungsvollmachten sind verliehen. Und das weiß jeder im Unternehmen. So bleibt ein gesunder Restvorbehalt, der von uns ein stetes Bemühen um Glaubwürdigkeit einfordert. Darin liegen, jedenfalls nach meinen Erfahrungen bei Phoenix Contact, aber auch wichtige Chancen:

Die Führungskultur beruht nicht mehr auf den selbstverständlichen Rechten geschäftsführender Gesellschafterinnen und Gesellschafter. Sie ist stärker formalisiert und besteht aus vielen festgeschriebene Kommunikationsakten. Diese mehr prozess- und inhaltsbezogene Führung scheint zwar oft weniger charismatisch, ist dafür aber auch weniger personenzentriert. Unseren speziellen Spirit eines werteorientierten Familienunternehmens konnten wir durch den engen Kontakt zu unseren Gesellschafterinnen und Gesellschaftern sowie zum Beirat auch unter den veränderten Vorzeichen bewahren, sogar weiterentwickeln.

Unter Führungsgesichtspunkten verbindet sich im Unternehmen heute das Beste aus zwei Welten: die Werte, die Kontinuität und die Haltung der Familienunternehmerinnen und -unternehmer mit einem transparenten, prozessorientierten und internationalen Management.

Info


Frank Stührenberg ist seit 1992 bei der Phoenix Contact GmbH & Co KG tätig. 2001 wurde Frank Stührenberg in die Geschäftsführung des Familienunternehmens berufen. Vier Jahre später wurde er zum Vorsitzenden der Geschäftsführung berufen. Frank Stührenberg ist zudem Vorstandsmitglied und Schatzmeister des Zentralverbands Elektrotechnik und Elektronikindustrie e.V. (ZVEI).

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