Männer investieren in Männerteams und Frauen in Frauenteams? Investorin Gesa Miczaika widmet sich in ihrer Kolumne dem Ähnlichkeitseffekt und der Frauenquote.

Mit unserem Venture Capital Fonds Auxxo investieren wir ausschließlich in Gründungsteams, denen mindestens eine Frau angehört. Wir sind überzeugt – und Studien belegen dies –, dass Männer und Frauen gleich gut gründen. Unsere Opportunität liegt in dem praktizierten Ähnlichkeitseffekt (Similarity Bias) der klassischen Venture Capital-Fonds, das zu einer überproportionalen Finanzierung reiner Männerteams führt. Die Industrie ist historisch gesellschaftlich homosozial männlich geprägt – sie wurde erfolgreich durch Männer etabliert, und diese Männer haben eher in ihresgleichen als in Frauen investiert.

Damit bleibt die Branche, wahrscheinlich völlig unbeabsichtigt, stets männerdominiert – schließlich ist das Ähnlichkeitsprinzip uns Menschen inhärent. Auch als wir mit unseren Investments gestartet haben, lag der Fokus nicht explizit auf Gründerinnen – und trotzdem hat sich unser eigener Similarity Bias eingeschlichen. Statt der circa 15 Prozent Gründerinnen, die es damals in Deutschland gab, hatten etwa 70 Prozent unserer Beteiligungsunternehmen mindestens eine Frau im Gründungsteam.

Häufig werden wir von Managern anderer Fonds, aber auch von Personen aus der Vorstandsebene in Mittelstand und Konzernen gefragt, warum sich der Frauenanteil nicht erhöhen lässt. Oft mit der Begründung: „Wir finden einfach keine Frauen“.

Wie dem Similarity Bias begegnen?

Woran liegt es also, dass diese Unternehmen sich damit schwer tun? Auch hier liegen die Gründe in der Historie und dem Similarity Bias. Was könnte also ein Ausweg aus tradierten Strukturen sein? Einerseits ist die viel umstrittene Quote ein Lösungsansatz. Ich bin ein großer Fan. Historisch gesehen gab es keinen mir bekannten effektiveren Hebel, denn Frauen hatten aufgrund der „Gläsernen Decke“ nie die Möglichkeit, die gleichen Erfahrungen wie Männer zu machen. Eine solche Quote könnte in den Zielen der Top-Manager verankert sein.

Ein anderer Ansatz wäre, die von Männern erstellten Kriterien entsprechend zu hinterfragen und anzupassen. Vielleicht gelingt es Ihnen, den Kriterienkatalog mit dem Augenmerk aufzusetzen, dass sich möglichst viele Frauen angesprochen fühlen? Vielleicht berücksichtigen Sie die besonderen Fähigkeiten von Frauen in der Kandidat:innen-Bewertung? Vielleicht beleuchten Sie Ihre Ablehnungsgründe intern? Vielleicht bieten Sie für die betreffenden Positionen räumliche und zeitliche Flexibilität? Vielleicht hinterfragen Sie Ihre Unternehmenskultur kritisch und streben einen Wandel an? Vielleicht schaffen und präsentieren Sie Vorbilder in Ihrer Firma für Karrierechancen auf höchster Ebene? Vielleicht investieren Sie frühzeitig in Frauen innerhalb Ihres eigenen Unternehmens? Vielleicht entwickeln Sie lebensphasensensible Karrierepfade?

Mein Fazit? „Der Fisch stinkt vom Kopf her“ – dieses bekannte Sprichwort lässt sich auch auf diesen Sachverhalt übertragen. Der erste Schritt ist in jedem Fall der Wille und das Vorleben der Chefetage.

Info


Dr. Gesa Miczaika eine der drei Partnerinnen von Auxxo Beteiligungen, das den Female Catalyst Fund aufgelegt hat. Zudem ist Gesa Miczaika im Vorstand des Bundesverbands Deutsche Startups.

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