In Berlin wird wohl bald ein rot-grün-rotes Bündnis regieren. Dabei herrscht in der Stadt das politische Chaos, findet Christian Berner, CEO der Berner Group, und ist sich sicher, dass es solche Verhältnisse selbst in Venezuela nicht geben würde.

Liebe Leserinnen und Leser, Sie müssen für das folgende Gedankenexperiment jetzt stark sein, zumindest, wenn Sie an die Demokratie und ihre Werte glauben. Stellen wir uns also vor, Donald Trump gewinnt die nächste US-Präsidentschaftswahl und in den von Republikanern dominierten Bundesstaaten passiert vor und während der Abstimmung Folgendes: Die Altersgrenze für Wähler wird aufgehoben; in von Demokraten dominierten Wahlbezirken werden zu wenig Stimmzettel ausgeliefert; in republikanischen Hochburgen wird die Schließung der Wahllokale um Stunden verlängert – die Wahlbeteiligung liegt bei über 100% und in einigen Stimmbezirken dürfen Ergebnisse geschätzt werden.

Können Sie sich den Aufschrei hier in Deutschland vorstellen? Das Gedankenexperiment ist hier beendet, aber ich muss Sie warnen. Jetzt wird es richtig unangenehm, denn jetzt folgt die Realität.

Die oben beschriebenen Verstöße gegen das Wahlrecht sind gar keine Utopie, es hat sie gegeben, aber nicht in den USA, sondern in Deutschland, am 26. September 2021. In Berlin. Hier wurden Stimmzettel zur Bundestagswahl an 17-Jährige ausgehändigt, die Wahllokale hatten mal bis 18, mal bis 20, mal bis 22 Uhr geöffnet. In Wilmersdorf hat man die Ergebnisse geschätzt und in Reinickendorf lag die Wahlbeteiligung in einigen Stimmbezirken bei 150%. Der Aufschrei aus den Reihen der „Ethikarbeitskreise“ von SPD, Grünen und Linken bleibt bis heute aus.

Das wundert nicht, denn seit Jahren entwickelt sich Berlin zu dem, was der Kolumnist Jan Fleischhauer als das „Venezuela Deutschlands“ bezeichnet hat.

Kostproben gefällig? In Berlin kommen Tote wochenlang nicht in die Erde, weil Totenscheine fehlen. Neugeborene existieren monatelang nicht, weil sie nicht ins Register eingetragen werden. Kfz-Anmeldungen dauern acht Monate oder länger. Polizisten bezahlen Teile ihrer Ausrüstung selbst, weil kein Geld da ist. Es gibt inzwischen ein Buch, in dem auf 300 Seiten dieses totale Staatsversagen in Berlin beschrieben wird. Inklusive des BER-Desasters mit einer Kostenexplosion von 2,7 auf 6 Milliarden Euro. Den Berliner Mietendeckel hat das Verfassungsgericht zum Glück gleich einkassiert – verfassungswidrig.

Statt dass die bemitleidenswerten Menschen, die in Berlin wohnen, die verantwortlichen Parteien aus der Senatsregierung bei der Wahl vom Hof jagten, wurden die Parteien vom Wähler noch belohnt und dürften weitermachen mit dem Chaos. Und eine Mehrheit der Berliner scheint Gefallen an dem Chaos zu finden. Die „Interventionistische Linke Berlin“, die in Teilen vom Verfassungsschutz beobachtet wird, hatte einen Volksentscheid vorangetrieben und 55 Prozent der Berliner stimmten für eine Enteignung großer Wohnungsbaugesellschaften, um mehr bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Das ist absurd, denn im Klartext heißt das: Berlin soll rund 35 Milliarden Euro an die Unternehmen zahlen, ohne dass eine einzige zusätzliche Wohnung entsteht.

Ich glaube, Fleischhauer irrt gewaltig. Die Menschen in Venezuela würden den Senat abwählen und so einen Irrsinn verhindern, wenn sie es denn dürften.

Info

Christian Berner ist Vorstandsvorsitzender (CEO) der Berner Group. Den Posten übernahm er 2012 als Vertreter der zweiten Unternehmergeneration. Christian Berner ist Mitglied des Beirats Digitale Wirtschaft des Bundeslandes Nordrhein-Westfalen.

Aktuelle Beiträge

So sichern Unternehmer­familien ihr Vermögen
Whitepaper sichern »
Whitepaper sichern »
So sichern Unternehmer­familien ihr Vermögen