… über Generationen hinweg sichern? So nicht, meint Johannes Sill in der Kolumne “enkelunfähig” und prangert an.

Er hat es wieder getan: Satiriker Jan Böhmermann hat zum Zeitpunkt, an dem diese Kolumne das Licht der Welt erblickt, schon zum dritten – nicht dreißigsten? – Mal die Unternehmerfamilie Stoschek in seiner Sendung attackiert. Die Causa ist schnell erklärt: Das Familienunternehmen Brose will expandieren, die Stadt Coburg aber hilft nicht aus und verweigert unter anderem den Ausbau der B4. Das will Gesellschafter Michael Stoschek aber, es wäre nämlich wichtig für sein neues Brose-Logistikzentrum. Im „Magazin Royale“ des ZDF erzählt Böhmermann seinen Zuschauern davon – mit spitzer Zunge und billigen Pointen versteht sich.

Dass der Bayer ein Wilder ist, Ecken wie Kanten hat, ist kein Geheimnis. Rechtswidrige Ausflüge in Amphibienfahrzeugen und Porsches inklusive. Bei der letzten großen Auseinandersetzung mit der Gemeinde, in der sein Unternehmen Steuern zahlt, stellte Stoschek seine gemeinnützigen Spenden ein. Als die Straße, um die es ging, endlich den Namen seines Vaters trug, kamen die Spenden nach Coburg zurück.

Muss man Spenden zurückhalten, um seinen Willen durchzusetzen? Darf jeder selbst entscheiden. Muss man Briefe an Herrn Söder schreiben, um eigene Interessen zu platzieren? Darf jeder selbst entscheiden. Muss man – wie Böhmermann es tut – Familienunternehmer anprangern, weil sie während der NS-Zeit wirtschaftlichen Erfolg hatten und dadurch vermögend wurden? Das darf jeder selbst entscheiden. Ob Max Brose oder sein Sohn Michael Stoschek nun schlechte Menschen sind? Das darf – Sie ahnen es – jeder selbst entscheiden. Satiriker natürlich inklusive.

Was eben nicht fehlen darf: Differenzierung. Das gilt für Brose und für jedes andere Unternehmen auch. Mit der Abgabe der Steuern an Staat und Gemeinde sind die Verpflichtungen beendet. Punkt. Alles weitere ist ein Bonus. Auch wenn Familienunternehmen gern ein gewisses Gutmenschentum vor sich hertragen: Dass sich die Stoschek-Familie gesellschaftlich engagiert, ist nicht selbstverständlich. Dass die Unternehmerfamilie vom wirtschaftlichen Erfolg auch auf dem eigenen Konto profitiert, klar. Aber nicht nur die eigene Tasche profitiert. Brose zum Beispiel bietet mehreren Zehntausend Menschen einen Arbeitsplatz.

Gerade ein Moderator der öffentlich-rechtlichen Anstalten sollte das zu schätzen wissen. Seine Sendung wird ja nur möglich, weil die Gesellschaft bereit ist, auch für dieses Format zu bezahlen. Kritik darf, ja muss sein, ist sogar die eigentliche Aufgabe von Satire. Aber ein bisschen mehr Nuance würde dem Satiriker gut stehen. Privater Kleinkrieg führt nirgendwohin, außer vielleicht zu mehr Quote – was wiederum weder das Ziel des ZDF noch das von Satire sein sollte. Ist wohl eher nur das von Jan Böhmermann selbst.

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