Als Start-up-Gründerin und heute Nachfolgerin im Familienunternehmen hat Lena Schaumann beide Welten des Unternehmertums erlebt. Für sie ist klar: Es geht zunächst um die Menschen, der Rest kommt von allein.

Für mich kam es lange Zeit nicht in Frage, Nachfolgerin unseres Unternehmens zu werden. Ich wollte meine eigenen Fußstapfen hinterlassen und Teil der coolen Tech-Welt sein. Gesagt, getan: 2014 gründete ich den Möbel-Onlineshop Lumizil. Ich war selbständig, lebte und arbeitete mitten in Berlin, DER Tech-Szene Deutschlands. But guess what: Ich langweilte mich. Arbeit hatte ich genug, aber warum war ich unzufrieden?

Tech- vs. People-Business

2016: Die ganze Möbelwelt spricht von nichts anderem als von Digitalisierung. Nach Absprache mit meinem Vater startete ich das erste Digitalisierungsprojekt in unserem Möbelunternehmen in Kassel. Zu meiner Überraschung hatte dort niemand auf meine Lösungen gewartet. Das Projekt scheiterte in exakt dem Moment, als ich zurück nach Berlin fuhr. An diesem Punkt musste ich mir Folgendes eingestehen: Ohne die Menschen läuft überhaupt nichts. Mir wurde klar: Ich habe viel mehr Lust auf ein People-Business. Ich will Nachfolgerin werden, und ich kann mir nichts Geileres vorstellen, als das weiterzuführen, was mein Uropa vor über 100 Jahren gestartet hat.

Der Traum beginnt …

 Obwohl mein Kopf dabei „Digitalisierung!“ schrie, entschied ich mich zum ersten Mal aktiv für mein Bauchgefühl und setzte die Digitalisierung vorerst auf die Ersatzbank. Wir starteten das bisher anstrengendste und gleichzeitig erfüllendste Projekt meines beruflichen Lebens: Wir beschäftigten uns mit uns. Sprich: mit unserer Marke und all unseren Mitarbeiter*innen. Was wollen wir erschaffen? Für welche Werte stehen wir ein? Wie wollen wir als Team gemeinsam leben und arbeiten? Wie sieht unsere Vision der Zukunft aus? Verkaufen wir „einfach nur Möbel“ – oder tun wir eigentlich sehr viel mehr als das? Wir begannen gemeinsam zu träumen.

Rückblickend kann ich nicht mehr genau sagen, wann es klick gemacht hat. Aber es gab diesen Punkt, an dem plötzlich alles anders war. Wir hatten uns verändert – und zwar ganz tief in uns drin. Stolz erzählen wir immer wieder von unserem Projekt, das mittlerweile den Namen „Smile“ trägt – und die Story, gepaart mit unserer vollen Authentizität, kommt an.

Und Digitalisierung?

 Bevor wir richtig darüber nachdenken konnten, steckten wir nebenbei bis zum Hals in Digitalisierungsthemen. Die Digitalisierung wurde zu unserer Lieblingskollegin. Wir warfen ihr alles Lästige aus unserem Arbeitsalltag hin, auf das wir eigentlich schon längst keinen Bock mehr hatten. Und das tun wir heute immer noch. Bock haben wir aber auf den Kunden. Wir wollen ein Erlebnis schaffen, das seinesgleichen sucht. Der Kunde soll unseren Laden verlassen und von oben bis unten begeistert sein. Wir wollen überraschen.

Und wir selbst wollen dabei jeden Tag glücklich sein und Freude haben. Und genau deshalb haben wir schlichtweg keine Zeit für stupide Arbeiten, die die Technik noch dazu viel besser kann als wir. Die Digitalisierung ist zu unserem Freiheitskämpfer geworden.

Deshalb: Lasst uns weniger von Digitalisierung sprechen und mehr über uns Menschen – der Rest kommt dann von ganz allein. Nichts ist wichtiger als wir selbst.

Info

Lena Schaumann ist Geschäftsführerin in vierter Generation der Möbel Schaumann Kassel GmbH & Co. KG. Gemeinsam mit ihrem Vater Hermann Schaumann leitet Lena Schaumann aktuell das Unternehmen. Vor ihrem Einstieg gründete Lena Schaumann 2014 das Start-up Lumizil, einen Onlineshop für Lampen und Möbel.

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