Die rasanten Umwälzungen in der globalen Wirtschaft und Gesellschaft fordern immer radikalere Anpassungen – auch von Familienunternehmen. Für Frank Stührenberg, CEO von Phoenix Contact, heißt das aber nicht, dass sie sich bis zur Unkenntlichkeit verändern müssen.

Familienunternehmen sind schon etwas Besonderes: Vielleicht etwas behäbig und konservativ, aber solide und verlässlich. Nicht besonders risikoaffin, dafür berechenbar. Durchaus innovativ, wenn auch nicht gerade vor der Welle.

Bevor Sie jetzt kopfschüttelnd aufhören zu lesen: Das sind natürlich alles nur Klischees. Doch sicherlich haben auch Sie ähnliche Beschreibungen schon gehört. Mich erfüllen solche Klischees mit widersprüchlichen Gedanken. Ganz falsch sind sie aus meiner Sicht nicht. Sie sind nur verfälschend einseitig und nicht mehr zeitgemäß.

Wie ist es beispielsweise bei uns? Bei Phoenix Contact? Ja, wir sind stolz auf unsere wertebasierte und auf Nachhaltigkeit ausgerichtete Unternehmenskultur. Organisches Wachstum und finanzielle Unabhängigkeit halten wir für entscheidende Faktoren, die seit fast hundert Jahren unseren Erfolg sichern. Es ist uns sehr wichtig, unseren rund 20.000 Mitarbeitenden verlässliche Arbeitsplätze zu bieten. Damit sind wir aber gewiss nicht aus der Zeit gefallen. Einer Zeit, die geprägt ist von rasanten Veränderungen – und zugleich großen Chancen.

Die vier disruptiven Ds betreffen uns alle

Die enormen Entwicklungs- und Wachstumsperspektiven, die wir durch die Energiewende mit der Dekarbonisierung und dem Weg hin zur All-Electric-Society sehen, habe ich an dieser Stelle schon einmal erwähnt. Die Digitalisierung ist ohnehin der Megatrend seit Jahren. Sie schafft auch enorme Möglichkeiten der Automatisierung, mit denen wenigstens zum Teil der bedrohliche demographische Wandel abgefedert werden können. Zudem beobachten wir, nicht zuletzt seit Corona und gestörten Lieferketten, Tendenzen einer De-Globalisierung.

All das sind gewaltige, zum Teil disruptive Herausforderungen für alle Player in der globalen Wirtschaft. Doch wir bei Phoenix Contact – wie auch viele andere Familienunternehmen – machen sie zum Ausgangspunkt für neue Strategien und für langfristige Erfolge in der Zukunft. Und das nicht obwohl, sondern weil wir ein klassisches Familienunternehmen sind.

Unsere Unabhängigkeit ermöglicht es uns zum Beispiel, eingeschlagene Wege in der strategischen Ausrichtung konsequent zu Ende zu gehen. Wo wirtschaftliche Krisen viele börsennotierte Unternehmen zu kurzfristigen Kursänderungen zwingen, investieren wir eigenes Kapital und gehen erstarkt aus solchen Zeiten hervor. Zudem schafft die sinnstiftende Ausrichtung des Geschäftsmodells motivierende Perspektiven für unsere Mitarbeitenden – und alle, die es werden wollen.

Wir können das Beste aus beiden Welten verkörpern

Doch es geht mir hier eigentlich nicht um den Einzelfall Phoenix Contact. Entscheidend ist, dass der gegenwärtige Superzyklus mit seinen enormen Dynamiken für viele Familienunternehmen große Chancen, aber auch einen gewissen Entwicklungsdruck mit sich bringt. Hilfreich beim Denken solcher Veränderungen ist der Grundsatz: Das eine tun und das andere nicht lassen. Wir können das Beste aus beiden Welten zusammenbringen: Werteorientierte Bodenständigkeit als stabile Basis – und zugleich flexible und auch experimentelle Strategien. Das macht uns attraktiv für die besten Köpfe und sichert den unternehmerischen Erfolg in der Welt von Heute und Morgen.

Ich bin davon überzeugt: Deutsche Familienunternehmen können es mit den Valleys dieser Welt aufnehmen. Und das, ohne sich zu verbiegen. Denn dem, was wir im besten Sinne verkörpern, gehört die Zukunft.

Info


Frank Stührenberg ist seit 1992 bei der Phoenix Contact GmbH & Co KG tätig. 2001 wurde Frank Stührenberg in die Geschäftsführung des Familienunternehmens berufen. Vier Jahre später wurde er zum Vorsitzenden der Geschäftsführung berufen. Frank Stührenberg ist zudem Vorstandsmitglied und Schatzmeister des Zentralverbands Elektrotechnik und Elektronikindustrie e.V. (ZVEI).

 

 

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