Alle sprechen von der Rechtsform Verantwortungseigentum. wir-Redakteur Johannes Sill findet, es ist nicht alles Gold, was glänzt.

Welches Schweinderl hätten’s denn gern? Ne neue Rechtsform wär ned schlecht, erwidern die Unternehmer hierzulande. Die Stiftungslösung des Verantwortungseigentums soll es sein oder die GmbH in Verantwortungseigentum oder die Gesellschaft mit gebundenem Vermögen. Terminologien beiseite: Start-ups, Familienunternehmen und Konzerne schwärmen von treuhänderischem Eigentum. Die Politik aus (fast) allen Ecken dackelt im Superwahljahr eifrig hinterher: Laschet, Scholz, Habeck, Lindner, Merz und Altmaier. Letzterer hat beim Mittelstand auch wirklich was gut zu machen, möchte man sagen. Als Kramp-Karrenbauer noch auf das Kanzleramt lauerte, nannte sie die Idee zur neuen Rechtsform gar faszinierend.

Die Faszination teilen viele. Laut einer Umfrage von Allensbach im Auftrag der Stiftung Verantwortungseigentum e.V. – dem Treiber und Initiator der Kampagne mit dem nimmermüden Armin Steuernagel an der Spitze – wollen 72 Prozent der Unternehmerinnen und Unternehmer eine einfache Umsetzung, wenn es um die neue Rechtsform geht. Bei so einer starken Zustimmung tut die politische Elite gut daran, sich auf die Seite der Idee und weniger Bürokratie zu stellen. Ob sich alle Beteiligten tiefgründig damit beschäftigt haben? Lediglich 52 Prozent der befragten Unternehmerinnen und Unternehmer konnten mit dem Wort und dem Konstrukt des Verantwortungseigentums überhaupt etwas anfangen.

Wie kommen also 20 Prozent der Studienteilnehmer dazu, etwas zu befürworten, von dem sie vorher noch nie etwas gehört haben? Ein klassischer Fall von Glaube-keiner-Umfrage-die-du-nicht-selbst-gefälscht-hast oder doch die magische Wirkung von etwas Neuem, das für alle Fragen der Nachfolge das Blaue vom Himmel verspricht? Denn mit dem einfacheren Aufsetzen der Rechtsform sollen, so die Initiatoren der groß angelegten
Kampagne, auf zauberhafte Weise Nachfolgefragen auf Eigentümerebene und operativer Seite sehr simpel zu klären sein. Die Gesellschaft mit gebundenem Vermögen drillt zudem Start-ups auf langfristiges Generationendenken, heißt es. Kein Exit-Denken mehr und ein bestimmtes meritokratisches Unternehmensverständnis, das gesellschaftlich nennenswerte Vorteile mit sich brächte, frohlockt das Ökonomie-Traumduo Feld und Frey in der Welt.

Familiendynastien schauen erstaunt drein, wie einfach Vermögens- und Unternehmensnachfolge hätten sein können – schlicht mit der Wahl der richtigen Rechtsform. Und die profitierende Allgemeinheit, die sich noch damit rumschlägt zu verstehen, welche Personen die SE & Co. KGaA in der Nachbarschaft führen und/oder besitzen, darf sich freuen. Denn wo Verantwortung drauf steht, wird bestimmt auch Transparenz drin sein.

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