Unternehmerfamilien stehen für Nachhaltigkeit und Impact, findet unser Redakteur Johannes Sill. Die Umfragen zeigen aber ein gemischtes Bild.

Wofür stehen nochmal Familienunternehmen? Nicht ohne Grund wird der Begriff „enkelfähig“ heute durchaus so inflationär benutzt, dass es sich lohnt, ihn rechtlich schützen zu lassen. Denn das Verständnis, das Familienunternehmen und deren Unternehmerfamilien verkörpern wollen, ist eben dieses langfristige Denken, das Vorausschauende und das Nachhaltige. Viele der Unternehmen, die in Deutschland schon seit Jahrzehnten, wenn nicht sogar seit Jahrhunderten erfolgreich wirtschaften, hat in ihrer Vergangenheit ausgezeichnet, dieser Strategie treu zu bleiben, in Generationen und nicht in Quartalen zu denken.

Da kann man nicht anders, als sich verwundert die Augen reiben, wenn man die Ergebnisse unserer Befragung wir-Barometer zu Vermögensstrategien von Unternehmerfamilien anschaut. Darin antworten sage und schreibe ein Fünftel der Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf die Frage, ob bei ihnen Fachwissen zu Nachhaltigkeit und ESG-Kriterien bei Investments vorhanden sei, dass nachhaltige Investments in der Unternehmerfamilie keine hervorgehobene Rolle spielen würden.

Man muss nicht jeden Trend mitmachen, okay. Und natürlich schießen Beratungsfirmen und Banken mit Buzzwords wie Sustainability, Impact, ESG, SDG nur so um sich. Sie alle haben selbstverständlich ein Interesse, immer wieder neue Schlagworte in den Umlauf zu bringen, das ist Teil ihrer Vertriebsstrategie. Da gilt es, das, was kommuniziert wird, zu reflektieren und in gesundem Maße auf die eigenen Bedürfnisse anzuwenden.

Vor allem beim Investieren die Nachhaltigkeit gar nicht hervorzuheben ist genauso ungesund, wie jedem Werbeversprechen hinterherzurennen. Außerdem: Ist Nachhaltigkeit nicht ganz eigennützig ein Bedürfnis jedes einzelnen Mitglieds der Gesellschaft? Mal ganz abgesehen von der Rettung der Welt, sich nicht daran zu orientieren, kann schlichtweg das wirtschaftliche Aus bedeuten. Denn manche Unternehmen in Deutschland und anderswo haben wahrlich Megatrends schlicht verschlafen, ihre Marktführerschaft verloren oder sind sogar komplett zugrunde gegangen.

PS: Und dann fragen sich Family Offices, warum sie keine Nachfolgerinnen und Nachfolger aus der Familie finden. Wenn Impact und Nachhaltigkeit keine treibenden Themen sind, wie will man die kommende Generation überzeugen, in den Dienst der Familie zu treten? Eine Generation, die im Bewusstsein aufwachsen ist, dass Ressourcen endlich und allein der Profit nicht der Hauptbestandteil einer Unternehmung sein kann?

Denn was hält Unternehmerfamilien zusammen, wenn nicht nachhaltiges Wirtschaften? Ohne Enkel ist ein Unternehmen nämlich dann nur noch fähig. Und das ist wahrlich kein Attribut, das erfolgreiches Wirtschaften beschreibt.

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