Start-ups sind für Single Family Offices als Investment-Target oft schwer zugänglich. Wer über Fonds indirekt in junge Unternehmen investieren will, stößt an Grenzen. Übrig bleibt die Option, selbst zu sourcen oder auf einen Venture-Capital-Dachfonds zurückzugreifen. Nicht allen Family Offices geht es bei einem solchen „Fund of Funds“ rein um finanzielle Erträge.

Wenn Thomas Kottmann seine Tätigkeit beschreibt, nutzt er ab und an einen Vergleich: Die passende Asset-Verteilung eines Single Family Offices sei wie eine Art Puzzle, sagt er. Man müsse die richtigen Teile finden. Kottmann, der sich selbst als „ausgedienter Banker“ beschreibt, hat vor einigen Jahren den Schweizer Kreditinstituten den Rücken gekehrt, um sich anderweitig zu verwirklichen und unternehmerischer tätig zu sein. Die Möglichkeit hat sich schließlich im Family Office von Anton Piëch ergeben. Dort überblickt und schiebt Kottmann seit etwas über zwei Jahren die Puzzleteile der verschiedenen Assets hin und her. Alles andere als einfach, denn die Teile sollen sich nicht nur zum großen Bild der Rendite zusammensetzen, sondern vor allem auf die Vorstellungen seines Principals passen.

Thomas Kottmann, ehemaliger Banker und Family Officer für Anton Piëch.

Thomas Kottmann, ehemaliger Banker und Family Officer für Anton Piëch. / Foto: privat

Ein „sehr interessantes Rendite-Puzzleteil“, das in den vergangenen Jahren immer größer und wichtiger geworden sei, sei die Asset-Klasse der jungen Unternehmen, sagt Kottmann. Venture Capital (VC) in der Allokation des Family Offices abzudecken ist aber relativ neu. Denn bei Familie Piëch spielte diese Asset-Klasse bis vor ein paar Jahren keine große Rolle. Zwar hat Marlene Porsche, Antons Mutter, ihm und seinen Brüdern eine Handvoll Direktinvestments vererbt, aber unternehmerische Tätigkeit und junge Geschäftsmodelle waren nicht das Steckenpferd der Elterngeneration. „Beide Eltern von Anton waren hervorragende Investoren, keine Frage, aber im Gegensatz dazu ist Anton Piëch mehr unternehmerisch unterwegs und an jungen Unternehmen interessiert“, sagt Kottmann. Anton Piëch ist bereits selbst Teil der Start-up-Szene: Er ist Gründer von Piëch Automotive. Damit will er Luxus-Sportwagen auf die Straße bringen.

Nach dem plötzlichen Tod seiner Mutter Marlene Porsche im Jahr 2020 – sein Vater Ferdinand Piëch war ein Jahr zuvor gestorben – hat Anton Piëch im Rahmen der Vermögensnachfolge sein eigenes Family Office aufgesetzt. „Wir bewegten uns in einer Vermögensgröße, dass uns eine weitere Ebene im Start-up-Umfeld logisch erschien. Wir wollten in junge Technologien und junge Teams investieren. Eine Dachfonds-Beteiligung macht das möglich“, blickt Family Officer Kottmann zurück.

Zögerliche Haltung bei Venture-Capital

Das passt ins Bild, denn viele Unternehmerfamilien sind insgesamt zögerlich, was das Start-up-Investment angeht – ob in einem Dachfonds, einer klassischen Fondsbeteiligung oder gar als Direktinvestment. So auch die Patchwork-Unternehmerfamilie Rath-Linsenhoff aus Kronberg in Hessen: Die Dressurreiterin und Olympiasiegerin Liselott Linsenhoff veräußerte Anfang der neunziger Jahr den Automobilzulieferer Vereinigte Deuta-Ota (VDO) an den Mannesmann-Konzern. Linsenhoff war die einzige Tochter von Unternehmer Adolf Schindling und hatte nach dessen Tod 1963 gemeinsam mit ihrem damaligen Mann Fritz Linsenhoff die Unternehmensleitung übernommen. Die Anlagestrategie, die seine Familie nach dem Verkauf an den Tag legte, beschreibt Henrik Rath, NextGen und Enkel von Liselott Linsenhoff, als vornehmlich klassisch in dieser Zeit – unter anderem sei in Immobilien, Aktien und Anleihen investiert worden. Im Laufe der 2000er Jahre kamen noch Private-Equity-Investments hinzu, aber im Start-up-Markt waren die Familien Rath und Linsenhoff nicht unterwegs. Die NextGen der Unternehmerfamilie will das ändern. Dafür hat Rath gemeinsam mit seinen beiden Brüdern Matthias und Johannes und seiner Schwester Liselott-Marie Linsenhoff die bRathers GmbH aufgesetzt.

Hürde zwischen den Generationen überwinden

Henrik Rath, Enkel der Dressurreiterin Liselott Linsenhoff und Gründer der bRathers GmbH.

Henrik Rath, Enkel der Dressurreiterin Liselott Linsenhoff und Gründer der bRathers GmbH. / Foto: bRathers

Mit der eigenen GmbH investieren die Geschwister direkt und indirekt in junge Geschäftsmodelle. Damit wollen sie auch die Generationshürde zur Elterngeneration mit Beispielen aus der Praxis überwinden. „Um unseren Eltern die Start-up-Welt näher zu bringen und sie davon zu überzeugen, dass es sich lohnen kann, in diese zu investieren, beteiligen wir vier Nachkommen uns an jungen Unternehmen direkt und auch im Rahmen eines Dachfonds“, sagt Henrik Rath. Für eine gesunde Diversifikation und die damit verbundene Sicherung des Familienvermögens sollten gewisse Anteile im Start-up-Markt sein, glaubt er.

Aber viele Familienunternehmer tun sich schwer damit, im Start-up-Umfeld Fuß zu fassen, weiß Marius Weber, der einige Jahre als Start-up-Gründer und Venture-Capital-Manager unterwegs war. Seit Anfang 2022 ist er auch Gründungspartner von AlphaQ Venture Capital, einem Dachfonds, der diversifiziert in Venture-Capital-Fonds investiert.

Im zweiten Quartal 2022 hatte der Fonds sein erstes Closing. „Die guten und großen Start-up-Fonds können sich aussuchen, welche Investoren sie in ihre Tickets nehmen. Allein schon der Zugang zu den richtigen Opportunitäten fehlt den meisten Unternehmerfamilien – und ohne Netzwerk landen die wenigsten bei den besten Fonds“, sagt der Fonds-Gründer.

Gute Targets finden

Die Folge: Wenn Family Offices oder Unternehmerfamilien von begehrten Start-up-Fonds abgewiesen werden, bleiben häufig nur Tickets bei Fonds unterhalb des Top-Quartils übrig. Für die Unternehmerfamilien heißt es dann, im großen Teich der zahlreichen Fonds die guten Targets selbst zu finden. Im Idealfall können neue oder auch unbekanntere Fonds mit der Rendite der Großen mithalten, aber man müsse sie eben finden in einem Markt, der trotz Pandemie und anderen Krisen weiterhin von Liquidität überschwemmt ist und massiv wächst, sagt Weber.

Marius Weber ist Mit-Gründer des Venture-Capital-Dachfonds AlphaQ Venture.

Marius Weber ist Mit-Gründer des Venture-Capital-Dachfonds AlphaQ Venture. / Foto: AQVC

Wegen dieser Intransparenz und Heterogenität im Markt hätten viele Familieninvestoren schlechte Erfahrungen mit der Asset-Klasse „Start-up“ gemacht, berichtet Weber.

Denn ohne Netzwerk, eine gewisse Teamstärke und Erfahrungswerte tue man sich schwer, die besten neuen oder auch Fonds aus der zweiten oder dritten Reihe ausfindig zu machen. Marius Weber und sein Team prüfen und bewerten beispielweise jährlich über 1.000 Fonds. Nur ein Bruchteil – zwischen 50 und 60 Manager – kommt ins Portfolio des Dachfonds.

Dazu kommt auch die Frage, wie kapitalintensiv ein solcher Einstieg in einen einzelnen Venture-Capital-Fonds ist. Mit einem angestrebten Fondsvolumen von insgesamt einer halben Milliarde Euro, die hauptsächlich mit Fokus auf Europa investiert werden soll, will AlphaQ auch an die Tickets in den Top-Fonds herankommen. „Ein großes Volumen ist in diesem Markt unabdinglich“, sagt Weber.

Denn manche Fonds würden so viel Kapital fordern, dass man das Ticket als einzelner Investor in einer sinnvollen Portfoliostrategie kaum stemmen könne, auch wenn man vielleicht den Fondsmanager mit seinem Know-how zu überzeugen wisse. Hier würden
Familienunternehmer an ihre Grenzen stoßen: „Oftmals fehlt die Kapazität, um den Start-ups Know-how und Netzwerk zu geben, was für einen erfolgreichen Aufbau heutzutage gebraucht wird“, sagt Weber.

Was erwartet man von einem Venture-Capital-Dachfonds?

Henrik Rath, seine Geschwister und auch Anton Piëch sind bei AlphaQ investiert, mit unterschiedlichen Erwartungen und Zielen. Piëchs Family Officer Thomas Kottmann plant über einen Zeitraum von knapp zehn Jahren mit einer erwarteten Rendite, die im zweistelligen Bereich liegt. Eine einfach zugängliche Reportingplattform sorgt für Transparenz und eine gute Kommunikation zwischen Family Officer und Fondsmanager. Dass hierbei auch kontrovers diskutiert werden kann, ist für Kottmann selbstverständlich: „Wenn wir die Zahlen anschauen und sehen, dass wir nicht ‚on track‘ sind, werden wir das Gespräch suchen.“ Die Richtung, die Marius Weber und sein Team bei der Auswahl der VC-Fonds einschlagen, will Kottmann aber nicht beeinflussen, auch wenn er sieht, dass manche Fonds nicht zu den Investitionszielen seines Family Offices – rund um die Anker Entwicklungen im Mobilitätssektor, Nachhaltigkeit und CO2-Reduzierung – passen.

„In Geschäftsmodellen, die ganz klar zu unserer Investmentthese passen, investieren wir direkt hinein. Da brauchen wir keinen Fonds“, sagt Kottmann. So könne man mehr gestalten und das passe auch besser zur Rolle, die sich sein Principal Piëch im Start-up-Bereich vorstelle. Und wenn es um die Unterstützung sozialer Aspekte gehe, habe Anton Piëch mit der Toni Piëch Foundation auch noch seine eigene Stiftung, die Initiativen unterstützt, bei denen nicht die finanzielle Rendite im Vordergrund steht. VC-Beteiligung als logischer Schritt Im Gegensatz zum Family Office von Piëch wollen die NextGens von Familie Rath-Linsenhoff auch aufgrund der langfristigen Vision von AlphaQ als Geldgeber dabei sein. Denn das Team um Marius Weber strebt im Jahr 2026 den Börsengang an. „Wir interessieren uns persönlich für das Konzept und wollen die Entwicklung langfristig miterleben und mitgestalten“, sagt Henrik Rath.

Aus seiner Sicht ist der Einstieg des gemeinsamen Investmentvehikels der Geschwister in Venture-Capital ungewöhnlich. Dennoch fühle sich das Dachfonds-Investment durch die proaktive, regelmäßige Kommunikation und Einbindung in die Entwicklung fast an wie eine Direktbeteiligung – auch wenn man als Familie zu weit weg vom Thema sei, als dass man im Tagesgeschäft mitmischen könne, wie er einräumt. Welche Rendite er sich bei dem Investment in den Dachfonds langfristig erhofft, will Rath deswegen nicht betiteln. Das sei auch nicht die Hauptsache.

Dass sich durch das Investment in den Dachfonds weitere Opportunitäten im Start-up-Markt ergeben, schließt Rath nicht aus. „Unsere Direktinvestments sind uns förmlich in den Schoß gefallen, weil wir uns genau mit den vorgestellten Modellen identifizieren konnten und diese im Wissens- und Traditionsfeld unserer Familie lagen.“ Den Weg von der Dachfonds-Beteiligung über eine Beteiligung an einem ausgewählten Fonds bis zur direkten Beteiligung an einem Start-up hält Rath für logisch. All dies sei durch die Gründung von AlphaQ möglich. Ein solcher Weg wäre für Family Offices, die nicht schon in Direktbeteiligungen investiert sind, ein weiteres Puzzleteil für eine diversifizierte Asset-Allokation. Nur mit dem Unterschied, dass in einem Family Office das Puzzle auch dann nicht fertig ist, wenn das letzte Teil an der richtigen Stelle sitzt.

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