Petra Gessner, Autor bei wir https://www.wirmagazin.de/ueber-uns/redaktion/petra-gessner/ Das Magazin für Unternehmerfamilien Wed, 29 Apr 2026 07:26:31 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=6.9.4 Brigitte Mohn und Dominik Gross über die Founders Foundation https://www.wirmagazin.de/news/nachhaltigkeit/brigitte-mohn-und-dominik-gross-ueber-die-founders-foundation-152991/ Mon, 11 May 2026 06:24:00 +0000 https://www.wirmagazin.de/?p=152991 Treiben Innovationen voran: Dr. Brigitte Mohn und Dominik Gross. / Foto: Founders Foundation

Die Founders Foundation schult Start-up Teams und vernetzt sie mit dem Mittelstand in der Region Ostwestfalen-Lippe. Das „wir“-Magazin sprach mit Brigitte Mohn und Dominik Gross über die Ziele der gemeinnützigen Organisation.

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Treiben Innovationen voran: Dr. Brigitte Mohn und Dominik Gross. / Foto: Founders Foundation

Die Founders Foundation schult Start-up Teams und vernetzt sie mit dem Mittelstand in der Region Ostwestfalen-Lippe. Das „wir“-Magazin sprach mit Brigitte Mohn und Dominik Gross über die Ziele der gemeinnützigen Organisation.

Dr. Brigitte Mohn, die Bertelsmann Stiftung hat die Founders Foundation gGmbH mitgegründet. Mit welchem Ziel?

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Oliver Holtz: „Der reale Werterhalt ist immer noch das wichtigste Anlageziel“ https://www.wirmagazin.de/news/vermoegensnachfolge/oliver-holtz-der-reale-werterhalt-ist-immer-noch-das-wichtigste-anlageziel-153171/ Tue, 21 Apr 2026 05:33:46 +0000 https://www.wirmagazin.de/?p=153171 Oliver Holtz, Stellvertretender Leiter Pictet Wealth Management Deutschland / Foto: Pictet

Wie auch im vergangenen Jahr fürchten Familienunternehmer laut „wir“-Barometer vor allem Steuererhöhungen. Experte Oliver Holtz ordnet ein.

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Oliver Holtz, Stellvertretender Leiter Pictet Wealth Management Deutschland / Foto: Pictet

Wie auch im vergangenen Jahr fürchten Familienunternehmer laut „wir“-Barometer vor allem Steuererhöhungen. Experte Oliver Holtz ordnet ein.

Oliver Holtz, ein Ergebnis des 6. „wir“-Barometers zeigt, dass die befragten Unternehmerfamilien die größte Gefahr für den Erhalt des Familienvermögens in einer Erhöhung von Steuern und Abgaben in Deutschland sehen. Wie beurteilen Sie das Ergebnis?

Ich bin etwas überrascht, dass die Sorge vor einer Steuer- und Abgabenerhöhung unter einer CDU-geführten Regierung gestiegen und nicht gefallen ist. Ich vermute, das hängt damit zusammen, dass das Bundesverfassungsgericht noch nicht über die anhängigen Verfahren zur Erbschaftsteuer und den Verschonungsregeln entschieden hat. Der Vorstoß der SPD vom Januar dieses Jahres für eine Reform der Erbschaftsteuer hat wahrscheinlich die Unsicherheit unter Familienunternehmern erhöht. Die Barometerumfrage fand in etwa parallel dazu statt, möglicherweise gibt es hier einen zeitlichen Zusammenhang.

Kommen wir zur Inflation: Nur 10 Prozent der Befragten sehen sie als Bedrohung für das Familienvermögen. Damit bildet die Inflation das Schlusslicht aller Gefahrenpotentiale. Sie hatten bereits im vergangenen Jahr gewarnt, die Inflationsgefahr werde unterschätzt.

Ja, die Inflationsgefahr wird meiner Ansicht nach zu wenig in den Blick genommen, insbesondere in den USA. Die Inflation dort zeigt sich derzeit als „sticky“: Sie ist zwar von 10 Prozent auf 3 Prozent gesunken, aber seit Erreichen dieser 3 Prozent bewegt sich nicht mehr viel. Und die bereits hohe US-Staatsverschuldung wird nun unter anderem durch den „One Beautiful Bill Act“ mit weiteren Steuererleichterungen zusätzlich befeuert. Und grundsätzlich müsste eine höhere Staatsverschuldung auf lange Sicht in einer höheren Inflation münden. Ein weiteres wichtiges Argument, stärker auf die Inflation in den USA zu achten, ist der deutlich gestiegene Goldpreis, der das schwindende Vertrauen in den US-Dollar widerspiegelt. Investoren reduzieren ihre US-Dollar-Abhängigkeit und kaufen verstärkt Gold, um sich vor Inflation zu schützen.

Info

Wenn Sie Interesse an den ausführlichen Ergebnissen des „wir“-Barometers haben, können Sie es nach Anmeldung unter diesem Link einsehen:„wir“-Barometer #6 – So sichern Unternehmerfamilien ihr Vermögen.

Zur Frage nach dem langfristigen Anlageziel der befragten Unternehmerfamilien fällt eine Veränderung ins Auge: Im Jahr 2025 nannten noch 52 Prozent den realen Werterhalt als Ziel. Jetzt im Jahr 2026 sind es nur noch 44 Prozent. Die relative Rendite im Vergleich zu einer Benchmark ist in den Vordergrund gerückt. Wie könnte eine Erklärung lauten?

Die Veränderung lässt sich durch die außergewöhnlich gute Börsenentwicklung der vergangenen drei Jahre erklären, in denen Aktienanlagen jeweils zweistellige Renditen erzielten – weit über dem historischen Durchschnitt von 7 bis 8 Prozent hinaus. Nach drei aufeinanderfolgenden starken Börsenjahren neigen Investoren dazu, sich stärker mit Benchmarks zu vergleichen, anstatt nur den realen Werterhalt im Blick zu haben. Das liegt in der menschlichen Natur. Die Ansprüche sind gestiegen und Investoren fragen vermehrt, wie ihr Depot im Verhältnis zum Dax, Euro Stoxx oder MSCI World abschneidet. Die Veränderung des Ergebnisses ändert jedoch nichts an der Grundaussage, dass der reale Werterhalt immer noch das wichtigste Anlageziel ist. Die Betrachtungsweise hat sich vor dem Hintergrund der außergewöhnlich guten Marktentwicklung lediglich ein wenig verschoben.

Trotz schwieriger Jahre in der Asset-Klasse Private Equity planen 36 Prozent der Befragten des „wir“-Barometers, ihre Investitionen in Private Equity auszubauen. Das sind 12 Prozentpunkte mehr als im vergangenen Jahr. Wie beurteilen Sie dieses Ergebnis?

Das Ergebnis ist angesichts der aktuellen Entwicklung ermutigend. Private Equity hat mit Abschluss des Jahres 2025 das vierte schwierige Jahr in Folge hinter sich gebracht, in dem die M&A-Aktivität, die Voraussetzung für Exits und Ausschüttungen, stark zurückgegangen ist. Zwar haben sich die Transaktionen im letzten Quartal 2024 und im ersten Quartal 2025 wieder in Richtung gewohnter Größenordnung entwickelt. Doch mit dem „Liberation Day“ am 2. April 2025 und der Einführung der Zölle ist die Deal-Aktivität substantiell zurückgegangen, womit die Private-Equity-Branche bis heute zu kämpfen hat. Dass die Befragten trotz dieser schwierigen Rahmenbedingungen planen, mehr in Private Equity zu investieren, zeugt von einer zunehmenden Professionalisierung im Umgang mit dieser Asset-Klasse. Man realisiert zum einen, dass genau solche schwierigen Jahre die guten Jahre zum Investieren sind, weil die Bewertungen entsprechend niedrig sind, und zum anderen, dass Private Equity ein langfristiges Investment ist.

Hedgefonds spielen weiterhin nur eine untergeordnete Rolle in der Asset-Allokation.

Hedgefonds-Investments haben in Deutschland unter Investoren wie Unternehmerfamilien nach wie vor keinen guten Ruf, was immer noch aus den Erfahrungen der Finanzkrise resultiert und viel mit der Illiquidität und Intransparenz in diesem Bereich zu tun hat. Hinzu kommen regulatorische Hürden. Man kann in Deutschland nicht so einfach direkt in diskretionäre Hedgefonds-Mandate investieren. International nimmt man jedoch wahr, dass das Interesse an Hedgefonds steigt, was auch mit der überdurchschnittlichen Performance in den vergangenen Jahren zu tun hat.

Fast alle der befragten Unternehmerfamilien sind in Immobilien investiert, 51 Prozent wollen ihre Investments sogar ausbauen. Was tut sich gerade im Markt?

Immobilien sind für Unternehmerfamilien traditionell ein wichtiger Baustein in der Gesamtvermögensallokation. Wir sehen, dass die Investoren und Unternehmer derzeit auf ihrem Bestand sitzen, die Marktbedingungen allerdings Veränderungen im Bestand oder erhöhte Transaktionen nach wie vor nicht zulassen. Dabei muss man zwischen Wohn- und Gewerbeimmobilien unterscheiden: Beim Gewerbeimmobilienmarkt passiert weiterhin praktisch nichts, die Mieten sinken weiterhin. Es gibt Ausnahmen in einigen Nischen, zum Beispiel erleben Hotelinvestments gerade einen kleinen Aufschwung. Wohnimmobilien sind zwar weiterhin gefragt, stehen aber nicht mehr so im Fokus wie vor fünf oder zehn Jahren. Insbesondere die großen institutionellen Immobilienfonds stehen unter Druck, irgendwann etwas verkaufen zu müssen, um Ausschüttungen generieren zu können. Grundsätzlich steht der Immobilienmarkt weiterhin extrem unter Druck, und die Zeiten scheinen herausfordernd zu bleiben.

Die Bedeutung von Nachhaltigkeit bei Investitionen hat abermals abgenommen, wie die Barometerergebnisse in diesem Jahr zeigen.

Es fehlt nach wie vor ein klares Regelwerk, auf das sich Unternehmer mit Blick auf nachhaltige Investments verlassen können. Im Rahmen des „Green Deal“ der EU, der zuletzt wieder aufgeweicht wurde, ist bis heute kein ausgestaltetes Regelwerk vorhanden. Das macht jedem Investor die Umsetzung schwierig. Pictet ist als Haus zwar weiterhin davon überzeugt, dass es langfristig sehr wichtig sein wird, Investments mit Nachhaltigkeitskriterien zu versehen beziehungsweise diese bei der Gesamtallokation zu berücksichtigen. Aber gegenwärtig überlagern andere Themen sowohl das Investmentgeschehen wie auch das operative Geschäft von Familienunternehmen, insbesondere die geopolitischen Entwicklungen.

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Von Milch und Mut: die Geschichte der Molkerei Rücker https://www.wirmagazin.de/news/unternehmensverkauf/von-milch-und-mut-die-geschichte-der-molkerei-ruecker-152918/ Mon, 13 Apr 2026 04:28:45 +0000 https://www.wirmagazin.de/?p=152918 nsa Rücker (li.) und Susanne Puello bei den „wir-Tagen“ mit „wir“-Redakteur Johannes Sill. / Foto: Dirk Beichert BusinessPhoto

Insa Rücker darf wieder sprechen. Viele Jahre musste sie schweigen. Zuerst über die Krankheit ihres Mannes, dann über die Verkaufspläne der norddeutschen Molkerei Rücker, die sie und ihr Mann Klaus Rücker in vierter Generation an die süddeutsche Molkerei Meggle veräußerten.

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nsa Rücker (li.) und Susanne Puello bei den „wir-Tagen“ mit „wir“-Redakteur Johannes Sill. / Foto: Dirk Beichert BusinessPhoto

Insa Rücker darf wieder sprechen. Viele Jahre musste sie schweigen. Zuerst über die Krankheit ihres Mannes, dann über die Verkaufspläne der norddeutschen Molkerei Rücker, die sie und ihr Mann Klaus Rücker in vierter Generation an die süddeutsche Molkerei Meggle veräußerten.

Die Pressemitteilung der Molkerei Rücker vom 3. September 2025 ist knapp formuliert. „Die Familie Rücker übergibt ihr Molkerei-Unternehmen mit den Standorten in Aurich und Wismar an die Meggle Holding SE mit Sitz in Wasserburg am Inn“, lautet der erste Satz. Die sachliche Tonlage ist nicht ungewöhnlich, wenn über eine Transaktion berichtet wird, in der eine Familie ihr Unternehmen verkauft. Über eine Pressemitteilung hinaus erfährt die Öffentlichkeit meist wenig über die Motive des Unternehmensverkaufs. Noch seltener spricht eine Unternehmerin offen darüber, dass die Gesellschafterfamilie zu dem Schluss gekommen sei, nicht mehr der richtige Eigentümer für das Unternehmen zu sein.

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Tom Rüsen: „Ein möglicher Verkauf wird tabubefreiter diskutiert“ https://www.wirmagazin.de/news/vermoegensstrategie/tom-ruesen-ein-moeglicher-verkauf-wird-tabu-befreiter-diskutiert-153188/ Fri, 10 Apr 2026 06:39:00 +0000 https://www.wirmagazin.de/?p=153188 Prof. Dr. Tom Rüsen ist Vorstand der WIFU-Stiftung. / Foto: WIFU

Konflikte im Gesellschafterkreis, Bedrohung des Ansehens von Unternehmertum – Familienunternehmer fürchten laut „wir“-Barometer diese Aspekte vermehrt. Prof. Dr. Tom Rüsen erläutert diese und weitere Entwicklungen.

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Prof. Dr. Tom Rüsen ist Vorstand der WIFU-Stiftung. / Foto: WIFU

Konflikte im Gesellschafterkreis, Bedrohung des Ansehens von Unternehmertum – Familienunternehmer fürchten laut „wir“-Barometer diese Aspekte vermehrt. Prof. Dr. Tom Rüsen erläutert diese und weitere Entwicklungen.

Prof. Dr. Tom Rüsen: Wenn wir auf die Ergebnisse des 6. „wir“-Barometers zur Frage nach den größten Bedrohungen für den Erhalt von Familienvermögen blicken, haben sich im Vergleich zum Vorjahr zwei Werte verschlechtert: 30 Prozent der befragten Familienunternehmer sehen in Konflikten im Gesellschafterkreis ein Gefahrenpotential – im Vorjahr waren es nur 24 Prozent. 19 Prozent nennen mangelndes Interesse der Gesellschafter, im Vorjahr waren es nur 14 Prozent. Wie erklären Sie sich diese Entwicklung?

Diese Ergebnisse haben mich überrascht. Ich führe sie zurück auf die totale Unsicherheit, die wir weltweit durch die Zoll- und Handelskonflikte sowie die Kriege sehen, und auf unseren Standort Deutschland, der unter der Bürokratie ächzt und dessen Wirtschaft seit drei Jahren stagniert. Da die große Mehrheit der Befragten Geschäftsführende Gesellschafter oder Mitglieder in den Aufsichtsgremien von Familienunternehmen sind, erleben sie derzeit direkt und mittelbar die Auswirkungen auf das operative Geschäft. Die große Frage, wie die Unternehmensstrategie in diesen Zeiten ausgerichtet wird, dürfte angesichts der Komplexität für Diskussionsstoff in den Gesellschafterkreisen sorgen und zu unterschiedlichen Meinungen führen. Möglicherweise befürchten die Befragten aus diesem Grund, dass sich vor allem die passiven Gesellschafter vom Familienunternehmen abwenden und weniger Interesse zeigen. Ich denke aber, dass ein weiterer Faktor für Unruhe im Gesellschafterkreis sorgt: Die allergrößte Gefahr sehen die Befragten in einer Erhöhung von Steuern und Abgaben. Das geht einher mit der Diskussion, die in der Öffentlichkeit über die Erbschaftsteuer oder Vermögensteuer geführt wird und die für einige Familienunternehmen auch als Existenzfrage wahrgenommen wird. Wir sehen, dass die Frage nach einem möglichen Verkauf des Unternehmens offener und tabubefreiter diskutiert wird – sicherlich auch kontrovers. Auch das könnte eine Erklärung für die steigenden Konflikte im Gesellschafterkreis sein.

Das führt uns zum nächsten Ergebnis: 39 Prozent sehen im Ansehen von Unternehmertum eine Bedrohung, in den Jahren 2025 und 2024 lag der Wert bei 33 beziehungsweise 29 Prozent.

Das Ansehen von Unternehmertum in der Gesellschaft leidet massiv. Dieses Ergebnis muss als Weckruf, als Hilferuf verstanden werden, es ist wirklich besorgniserregend. Wir sehen in den Zahlen, dass die Vertreter dieser einzigartigen Wirtschaftsstruktur zunehmend frustrierter, aber auch misstrauischer werden. Jede wirtschaftspolitische Maßnahme müsste eigentlich Familienunternehmen berücksichtigen. Und wir als Gesellschaft müssen uns die Frage stellen: Wollen wir unsere einzigartige Wirtschaftsstruktur erhalten? Ja oder nein? Man müsste die Debatte umdrehen: Was würde eigentlich passieren, wenn die Familienunternehmen alle verkaufen würden? Sie würden einmal Verkaufsteuer zahlen, vielleicht ins Ausland gehen und Wegzugsteuer zahlen. Dann hätten wir das englische Modell – ein paar wenige Unternehmen oder Family Offices in den Städten, aber in der Fläche kaum eigentümergeführte Industrie. Da gibt es dann irgendwelche Investoren, die beliebig ihre Standorte wechseln können.

Info

Wenn Sie Interesse an den ausführlichen Ergebnissen des „wir“-Barometers haben, können Sie es nach Anmeldung unter diesem Link einsehen:„wir“-Barometer #6 – So sichern Unternehmerfamilien ihr Vermögen.

Wie bewerten Sie das Ergebnis zur Frage, ob die Befragten eine Stiftung als Nachfolgelösung in Betracht ziehen? 2024 gaben 52 Prozent an, eine Stiftungsgründung für diesen Zweck nicht in Betracht zu ziehen. 2025 waren es 50 Prozent, jetzt im Jahr 2026 nur noch 46 Prozent.

Das ist eine der spannendsten Entwicklungen. Dass die Stiftung von einer größeren Anzahl von Familienunternehmern als Alternative in Erwägung gezogen wird, erlebe ich auch in unserem nahen Umfeld: Unternehmensträgerstiftung und Familienstiftung sind aktuell die Organisationsformen, mit denen sich viele zumindest gedanklich beschäftigen. Diese Entwicklung würde ich aber eher unabhängig von Steuerfragen oder vom Ansehen des Unternehmertums wie oben beschrieben sehen. Hinter dieser Entwicklung stecken eher die altbekannten Themen: Viele wollen das Unternehmen nicht in die Hände von Kindern geben, die das Unternehmen vielleicht versilbern. Man will die Eigentümerstruktur konsolidieren, nicht individualisieren, weil größer werdende Gesellschafterkreise sich in der Regel vom Unternehmen und seinen Traditionen und Werten entfernen. In einer Stiftungslösung wird der Versuch gesehen, das Eigentum anders zu organisieren. Die Kernbotschaft lautet: Wir wissen nicht, was unsere Nachkommen mit dem Unternehmen machen. Daher strukturieren wir es so, dass die Nachkommen das von drei, vier oder fünf Generationen Erarbeitete nicht individualisieren.

Sie forschen auch zum Thema Vermögenssozialisation. Die Antworten auf die Barometerfrage, in welchem Rahmen über die Vermögensstrategie diskutiert wird, zeigen, dass es eine Veränderung gibt: Die Vermögensinhaber beziehen die Familienmitglieder und auch Berater in die Gespräche ein.

Das ist eine gute Nachricht: Das Modell des „Lonesome Wolf “, bei dem der Patriarch die Vermögensfragen allein, manchmal auch mit Beratern, klärt, ist ein Auslaufmodell. Nur noch 9 Prozent handhaben es so, zeigt die Barometerumfrage. Stattdessen gibt es offensichtlich strukturiertere Prozesse mit den Mitgliedern der Familie, so dass alle mit ins Boot geholt werden. Dennoch bleibt die Vermögenssozialisation die große Baustelle in Unternehmerfamilien. Viele haben keinen richtigen emotionalen Zugang zum Vermögen. Das liegt daran, dass auch Unternehmerfamilien in einer Gesellschaft aufwachsen, die ein gespaltenes Verhältnis zu Vermögen hat. Die wenigsten Nachkommen rufen: „Hurra, ich bin reich, ich kaufe mir als Erstes einen Ferrari.“ Stattdessen herrscht ein ambivalentes Gefühl vor: Man hat viel empfangen, aber selbst nichts dafür gegeben. Entscheidend ist, einen Purpose zu entwickeln – eine Antwort auf die Frage zu finden: „Was mache ich damit?“ Wenn Vermögen einfach leistungslos da ist, man plötzlich Millionen auf dem Konto hat und man nichts zurückgeben kann, wirkt das auf einen Teil der Menschen destruktiv. Nur wenn ein Sinn dahintersteht, können junge Erben sagen: „Das ist ein Ansporn, mich dem würdig zu erweisen.“ Um diesen konstruktiven Umgang zu stärken, braucht es eine familieninterne Debatte. Das alte Prinzip „Über Geld spricht man nicht“ – kulturell und historisch tief bei uns verankert – muss überwunden werden. Die Zahlen des Barometers zeigen: Diese Entwicklung findet nun zunehmend statt. Immer mehr Familien führen strukturierte Gespräche über Vermögen und beziehen die Generationen ein.

Was müsste sich ändern, damit sich das Bild von Unternehmertum in Deutschland verbessert?

Wir brauchen eine gesamtgesellschaftliche Debatte darüber, ob wir wirklich unser Unternehmertum verteufeln und Unternehmer, die Arbeitsplätze schaffen und Risiken eingehen, als reiche Steuersubjekte abstempeln wollen. Traditionell sind Familienunternehmen sehr schweigsam, weil öffentliche Äußerungen immer auch auf die Familie zurückschlagen. Aber es könnte wirklich helfen, wenn sie mehr in der Öffentlichkeit sprechen würden. Die Bereitschaft hierfür nimmt zwar zu und mittlerweile partizipieren mehr Unternehmer in Talkshows. Das ist auf jeden Fall hilfreich, aber auch herausfordernd, weil man es dann mit rhetorisch geschulten Politikern aufnehmen muss. Zentral erscheint mir, dass sich Familienunternehmer auch den kritischen Debatten stellen. Das ist der Beitrag, den sie leisten können und müssen. Vereinzelte Auftritte oder Social-Media-Präsenz allein reichen nicht aus, um das Ansehen von Unternehmertum in Deutschland nachhaltig zu verbessern.

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Wie Logistiker Fiege im Venture-Capital-Business vorgeht https://www.wirmagazin.de/news/start-ups/wie-logistiker-fiege-im-venture-capital-business-vorgeht-152142/ Mon, 09 Mar 2026 08:07:34 +0000 https://www.wirmagazin.de/?p=152142 Jens Fiege ist Co-CEO beim Logistikdienstleister Fiege. / Foto: Fiege

Die Zusammenarbeit von Familienunternehmen und Start-ups kann gelingen, wenn Unternehmer sich zurückhalten und nicht in Investmentprozesse und das operative Geschäft eingreifen. Denn oft fehlt ihnen das Know-how im Venture-Capital-Business. Das Beispiel des Logistikdienstleisters Fiege und des Start-ups Logistikbude zeigt, wie ein Miteinander funktionieren kann.

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Jens Fiege ist Co-CEO beim Logistikdienstleister Fiege. / Foto: Fiege

Die Zusammenarbeit von Familienunternehmen und Start-ups kann gelingen, wenn Unternehmer sich zurückhalten und nicht in Investmentprozesse und das operative Geschäft eingreifen. Denn oft fehlt ihnen das Know-how im Venture-Capital-Business. Das Beispiel des Logistikdienstleisters Fiege und des Start-ups Logistikbude zeigt, wie ein Miteinander funktionieren kann.

Ein gutes Founder-Team managt seine Investoren und nicht andersrum.“ Dr. Philipp Hüning hat eine klare Haltung zur Frage, wie viel Nähe zwischen einem Start-up und seinen Investoren gesund ist. Einzelinteressen oder Einzelanfragen von Investoren beziehungsweise der Limited Partner eines Fonds müssten Gründer komplett raushalten aus dem Unternehmen, ist Hüning überzeugt. Er selbst ist Co-Gründer und CEO der Logistikbude GmbH aus Dortmund. Ende 2021 hat sich die Logistikbude als Ausgründung des Fraunhofer-Instituts für Materialfluss und Logistik in Dortmund mit einer Existenzförderung für das erste Jahr finanziert, im Sommer 2023 folgte die erste und bislang einzige Seed-Finanzierungsrunde: 2,2 Millionen Euro sind in die Kasse geflossen. Jetzt, Ende 2025, hat die Logistikbude 25 Beschäftigte und fast 40 Kunden, die die Software des Unternehmens nutzen, um das Ladungsträgermanagement zu digitalisieren.

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CFO-Nachfolge bei Klingele: Andreas Niethammer folgt auf Steffen Gehring https://www.wirmagazin.de/news/personalwechsel/cfo-nachfolge-bei-klingele-andreas-niethammer-folgt-auf-steffen-gehring-152451/ Wed, 28 Jan 2026 07:43:20 +0000 https://www.wirmagazin.de/?p=152451 Klingele besetzt die CFO-Position intern neu: Andreas Niethammer (rechts) übernimmt von Steffen Gehring (links). / Foto: Klingele

Andreas Niethammer ist neuer CFO der Klingele Group. Sein Vorgänger Steffen Gehring bleibt dem Unternehmen bis Ende 2026 in Altersteilzeit als Treasurer erhalten.

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Klingele besetzt die CFO-Position intern neu: Andreas Niethammer (rechts) übernimmt von Steffen Gehring (links). / Foto: Klingele

Andreas Niethammer ist neuer CFO der Klingele Group. Sein Vorgänger Steffen Gehring bleibt dem Unternehmen bis Ende 2026 in Altersteilzeit als Treasurer erhalten.

Die Klingele Group, ein Hersteller von Wellpappenrohpapieren und Verpackungslösungen, hat die Nachfolge in ihrer Finanzleitung aus den eigenen Reihen geregelt: Zum 1. Januar 2026 hat Andreas Niethammer die Position des Chief Financial Officer (CFO) von Steffen Gehring übernommen. Steffen Gehring, der den Finanzbereich über 20 Jahre leitete, tritt in Altersteilzeit ein und unterstützt so das Unternehmen bis Ende 2026 als Treasurer.

Andreas Niethammer ist seit 19 Jahren in verschiedenen Positionen der Finanzabteilung des Familienunternehmens tätig. „Mit Andreas Niethammer gewinnen wir einen erfahrenen Finanzexperten aus den eigenen Reihen, der die Herausforderungen der Zukunft kennt und aktiv gestalten wird“, wird Dr. Jan Klingele in der Pressemeldung zitiert. Der CEO und Geschäftsführende Gesellschafter in dritter Generation der Klingele Group würdigte gleichzeitig die Arbeit des Vorgängers: „Steffen Gehring hat über zwei Jahrzehnte hinweg mit außergewöhnlichem Engagement und Weitblick die Finanzstrategie unseres Unternehmens geprägt. Dafür danken wir ihm sehr herzlich.“

Wem gehört Klingele Paper & Packaging?

Der Geschäftsführung der Klingele Paper & Packaging SE & Co. KG mit Sitz in Remshalden östlich von Stuttgart gehören neben Jan Klingele und Andreas Niethammer auch Christina Lauber, Andreas Krafft und Jürgen Lemke an. Das Familienunternehmen wurde 1920 von Alfred Klingele und seinem Schwager Emil Holfelder gegründet. Im Jahr 1952 erfolgte die Trennung der beiden. Später führten Elisabeth Klingele, damals Witwe, und ihr Sohn Werner Klingele das Unternehmen weiter. Heute gehören neben Jan Klingele auch seine Schwester Fiona Klingele und sein Sohn zum Gesellschafterkreis.

Die Klingele Group beschäftigt rund 3.100 Mitarbeitende und erzielte 2024 einen Umsatz von etwa 1 Milliarde Euro. International betreibt der Papierspezialist drei Papierfabriken, 13 Wellpappen- und neun Verarbeitungswerke in Europa, Afrika und Mittel- sowie Südamerika. Das Produktportfolio umfasst nicht nur Wellpappenrohpapiere auf Basis von Altpapier und nachhaltiger Frischfaser, sondern auch Wellpappenformate sowie recyclingfähige Verpackungslösungen für zahlreiche Branchen wie etwa Industrie und Handel, Lebensmittel oder Logistik.

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Michael Otto: Unternehmen neu zusammensetzen https://www.wirmagazin.de/news/unternehmensnachfolge/michael-otto-unternehmen-neu-zusammensetzen-152065/ Mon, 12 Jan 2026 06:32:53 +0000 https://www.wirmagazin.de/?p=152065 Schirmherr, Unternehmer und Stifter: Prof. Dr. Michael Otto. / Foto: Otto Group

Prof. Dr. Michael Otto, Ehrenvorsitzender des Aufsichtsrats der Otto Group, ist Schirmherr des 28. Wittener Kongresses für Familienunternehmen. Wie blickt er auf das Event und auf neue Wege?

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Schirmherr, Unternehmer und Stifter: Prof. Dr. Michael Otto. / Foto: Otto Group

Prof. Dr. Michael Otto, Ehrenvorsitzender des Aufsichtsrats der Otto Group, ist Schirmherr des 28. Wittener Kongresses für Familienunternehmen. Wie blickt er auf das Event und auf neue Wege?

Professor Dr. Michael Otto, was verbinden Sie mit dem Leitmotiv des Wittener
Kongresses für Familienunternehmen: „Mosaik – vertraute Muster neu gestalten“? Warum spricht Sie dieses Leitmotiv an?

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Das studentische Organisationsteam über den Wittener Kongress für Familienunternehmen https://www.wirmagazin.de/news/unternehmensnachfolge/das-studentische-organisationsteam-ueber-den-wittener-kongress-fuer-familienunternehmen-152063/ Mon, 12 Jan 2026 06:26:19 +0000 https://www.wirmagazin.de/?p=152063 Das studentische Team hinter dem Wittener Kongresses für Familienunternehmen: Johannes Geyer, Tom Czerwonka, Laura Riegel, Henry Nolden-Temke, Laurin Drescher / Foto: Jerome Kwamo-Kamdem

Das studentische Organisationsteam des 28. Wittener Kongresses für Familienunternehmen hat Unternehmer und Experten besucht, um die Veranstaltung zu konzipieren. Was haben sie mitgenommen?

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Das studentische Team hinter dem Wittener Kongresses für Familienunternehmen: Johannes Geyer, Tom Czerwonka, Laura Riegel, Henry Nolden-Temke, Laurin Drescher / Foto: Jerome Kwamo-Kamdem

Das studentische Organisationsteam des 28. Wittener Kongresses für Familienunternehmen hat Unternehmer und Experten besucht, um die Veranstaltung zu konzipieren. Was haben sie mitgenommen?

Das Leitmotiv für den Wittener Kongress für Familienunternehmen 2026 lautet „Mosaik – vertraute Muster neu gestalten“. Wie haben Sie im Team dieses Leitmotiv festgelegt?

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Angela De Giacomo: Venture Capital besser verstehen https://www.wirmagazin.de/news/start-ups/angela-de-giacomo-venture-capital-besser-verstehen-151841/ Mon, 10 Nov 2025 06:57:00 +0000 https://www.wirmagazin.de/?p=151841 Angela De Giacomo ist Autorin von The Venture Capital Playbook. / Foto: Markus Rack

Angela De Giacomo hat ein Buch darüber herausgegeben, wie Unternehmerfamilien erfolgreicher in Venture Capital investieren können. Im Interview zieht sie Vergleiche zu anderen Ländern.

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Angela De Giacomo ist Autorin von The Venture Capital Playbook. / Foto: Markus Rack

Angela De Giacomo hat ein Buch darüber herausgegeben, wie Unternehmerfamilien erfolgreicher in Venture Capital investieren können. Im Interview zieht sie Vergleiche zu anderen Ländern.

Angela De Giacomo, Sie haben die Auflage des Buches „The Venture Capital Playbook – How families and family offices can invest in startups successfully“ erweitert. Warum?

Wir haben das Buch im Oktober 2024 herausgebracht und im Dezember 2024 mussten wir es schon nachdrucken. Ich war überrascht, wie viele Menschen mir geschrieben haben. Das Feedback war oft sehr praktischer Natur: Es gab Vorschläge, das Buch um weiterführende Tabellen, Checklisten sowie Rechenbeispiele zu ergänzen und dabei auch, wie bei amerikanischen Sachbuchformaten üblich, mit QR-Codes und weiterführenden Links zu arbeiten. Das habe ich zusammen mit acht Anwälten und Steuerberatern der Anwaltskanzlei Heuking umgesetzt.

Sie haben auch vier neue Familien und Venture-Investoren als Interviewpartner gewonnen.

Eine Ergänzung ist Katja Ruhnke, die mit ihrer Familie früh in Start-ups investiert hat und jetzt Vorstandsvorsitzende des Business Angel Verbands ist. Es war wichtig, ihre offizielle Stimme zu gewinnen. Ein weiterer neuer Impulsgeber ist Christoph Sonnen, der gemeinsam mit Horst Bente, dem Enkelsohn des Adidas-Gründers, Venture im Sport- und Gesundheitsbereich als Vehikel verwendet, um das Vermächtnis des Großvaters weiterzuführen. Und dann dachte ich, es sei sinnvoll, mit Noel Zeh die Fund-of-Fund-Perspektive aufzuzeigen sowie die grundsätzliche Bedeutung von Venture für einen Innovationsstandort wie Deutschland durch das Interview mit Frank Kerim Reinecke, Partner bei HTGF, aufzuzeigen.

Aus Schweden, Italien und auch Saudi-Arabien haben Sie unter anderem Einladungen erhalten, um das Buch vorzustellen. Mit welchen Eindrücken sind Sie von Ihren Lesereisen zurückgekehrt?

In Riad fand im Februar eine sehr große Konferenz statt, wo zum Beispiel auch interessierte Familien aus Ägypten, Tunesien oder dem Libanon zu unserer Buchlesung kamen, und sogar Mitglieder von Ministerien waren in der Runde vertreten. Es ging um Venture Capital und dessen Bedeutung für Felder wie die Künstliche Intelligenz und andere zukunftsweisende Themen, da viele lokale Investoren jetzt anfangen, sich mit dieser Art des Investments zu beschäftigen. Daher hatte diese Konferenz eher einen weiterbildenden Charakter. Was mich beeindruckt hat und was dort wirklich viel mehr zu spüren ist als bei uns in Europa: Die Regierenden in Riad oder auch in Dubai sind extrem zukunftsorientiert, sie setzen sich intensiv mit den Fragen auseinander, was die Zukunft für ihre Region bedeutet und wie sie ihre Bevölkerung am besten auf diese Zukunft vorbereitet.

Investieren Unternehmerfamilien im Ausland anders in Venture Capital als in Deutschland?

Ich denke, das hängt stark davon ab, wann in einem Land Vermögen entstanden ist. In vielen osteuropäischen oder asiatischen Ländern gibt es beispielsweise seit der Marktöffnung in den späten 90er Jahren viele neue Unternehmer, die sich ein Vermögen erarbeitet haben. Für sie spielt Venture eine zunehmend wichtige Rolle, weil sie unternehmerisch denken und junge Gründer in ihren Ländern fördern und beim Aufbau ihrer Unternehmen unterstützen wollen. Aber ihnen fehlt das Wissen und die Erfahrung in diesem Investmentfeld. Dann gibt es Länder, in denen das Vermögen schon sehr lange vorhanden ist und bereits mehrfach über Generationen übertragen wurde. Da erlebe ich zwei Dinge: Die jüngere Generation hat einerseits Interesse an Venture, weil es einfach eine innovative Art des Investierens ist. Andererseits will sie über Venture gesellschaftlich relevante Themen anpacken, Stichwort Klimawandel oder erneuerbare Energien. Hier beobachte ich aber die Sorge, zu risikoreich zu investieren und das Familienvermögen zu gefährden. Daher ist auch hier das Thema Weiterbildung, Venture Capital als Teil der strategischen Assetallokation zu sehen, gefragt.

Was sind weitere Gründe dafür, dass deutsche Unternehmerfamilien in der VC-Branche nicht richtig Fuß fassen?

Ich sehe drei Aspekte. Erstens: Der erste Ansprechpartner vieler deutscher Familien, die sich überlegen, Venture in ihrer Anlagestrategie zu integrieren, sind ihre Hausbanken. Die sind exzellent in vielen Anlageklassen, aber eben nicht bewandert in Venture, vor allem in den frühen Phasen. Das heißt, Unternehmerfamilien finden dort weder Weiterbildung noch die Zugänge zu Venture-Investments. Zweitens gehen diejenigen, die in Venture investiert sind, nicht immer systematisch vor. Sie investieren vielleicht in fünf oder sechs Start-ups in der Frühphase, testen somit punktuell den Markt und holen sich leider viel zu häufig mangels Kenntnis und Erfahrung eine blutige Nase. Meine dritte Beobachtung: Unternehmerfamilien haben profunde Kenntnisse in Private Equity. Aber Private Equity ist eben nicht die große Schwester von Venture Capital, sondern eine ganz eigene Assetklasse, die einen Finanzierungshebel hat und sich idealerweise Unternehmen aussucht, die reif sind und Cashflows generieren. Und wo sich Mehrheiten übernehmen lassen. Ganz anders Venture Capital: unerfahrene Unternehmerfamilien neigen dazu, in der ersten Investmentrunde die Mehrheit einzufordern. Das aber erstickt den Deal im Keim, weil es später keinen Spielraum mehr für andere Investoren gibt, die die Risiken mittragen.

Info

The Venture Capital Playbook“, wurde von Angela De Giacomo geschrieben und von F.A.Z. BUSINESS MEDIA unter Mitarbeit des „wir“-Magazins verlegt.

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Finanzinvestoren setzen auf den Mittelstand https://www.wirmagazin.de/news/private-equity/finanzinvestoren-setzen-auf-den-mittelstand-150941/ Mon, 11 Aug 2025 05:07:00 +0000 https://www.wirmagazin.de/?p=150941 Im Spotlight: Vor allem mittelständische Unternehmen stehen bei Private-Equity-Gesellschaften hoch im Kurs. / Illustration: jozefmicic – stock.adobe.com

Das Beratungsunternehmen Rödl & Partner hat mehr als 350 Private-Equity-Gesellschaften zu ihren Investmentstrategien und Einschätzungen des Marktes in Deutschland befragt. Mittelständler stehen ganz oben auf der Targetliste.

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Im Spotlight: Vor allem mittelständische Unternehmen stehen bei Private-Equity-Gesellschaften hoch im Kurs. / Illustration: jozefmicic – stock.adobe.com

Das Beratungsunternehmen Rödl & Partner hat mehr als 350 Private-Equity-Gesellschaften zu ihren Investmentstrategien und Einschätzungen des Marktes in Deutschland befragt. Mittelständler stehen ganz oben auf der Targetliste.

Der Verkauf des Lebenswerks an Finanzinvestoren war bis vor gut zehn Jahren noch Tabu. Das hat sich geändert. Mittelständer veräußern ihr Unternehmen oder auch Teile ihres Unternehmens immer häufiger an Private-Equity-Gesellschaften. Umgekehrt setzen immer mehr dieser Eigenkapitalgeber auf kleine und mittlere Familienunternehmen: Knapp die Hälfte der befragten 350 Private-Equity-Häuser investiert in Firmen mit einem Umsatz von bis zu 50 Millionen Euro. Knapp ein Drittel sucht Unternehmen, deren Umsatz zwischen 50 und 250 Millionen Euro liegt. Das ist ein Ergebnis der Studie „Die deutsche Beteiligungsbranche 2025“, die die Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Rödl & Partner im August veröffentlicht hat. Von den 350 Befragten sind alle Investmentgesellschaften in Deutschland aktiv, die meisten arbeiten in einer eigenen Niederlassung.

Wenn Finanzinvestoren Gespräche mit ihren Targets aufnehmen, verhandeln 52 Prozent am liebsten exklusiv. 33 Prozent bevorzugen Auktions- und Bieterverfahren. Für 14 Prozent kommen beide Verhandlungs- und Verkaufsverfahren infrage.


Wie verhandeln Finanzinvestoren am liebsten? (Torten-diagramm)

Obwohl die Private-Equity-Branche schwierige Jahre hinter sich hat und das wirtschaftliche Umfeld von Unsicherheiten geprägt ist, verfolgen die Investoren ehrgeizige Renditeziele. Die meisten, 43 Prozent, wollen eine Rendite zwischen 20 und 30 Prozent erreichen. 19 Prozent sind noch anspruchsvoller und haben mehr als 30 Prozent Rendite im Visier. Blickt man auf die Entwicklung seit 2023, verfolgen haben die Investoren ihre Renditeerwartungen insgesamt nach oben geschraubt.



Verkäufer fordern zu viel

Die Autoren der Studie haben auch nach den Dealbreakern bei Verhandlungen gefragt. Während die Finanzierung von Transaktionen im Small- und MidCap-Bereich kaum ein Engpass darstellt, sind überhöhte Preisvorstellungen der Verkäufer mit Abstand die größte Hürde in den Verhandlungen. Eine deutliche Mehrheit, 86 Prozent, geben an, dass Gespräche an unrealistischen Bewertungen des Verkäufers scheitern. 41 Prozent sagen, dass ihnen die personenabhängige Abhängigkeit des Geschäftsmodells zu risikoreich erscheint und sie daher die Gespräche abbrechen.



Die Branchen, in die Finanzinvestoren überwiegend investieren, sind Industrials, Services, IT/Software sowie Healthcare. Hingegen stehen die Bereiche Retail (B2B), Energy und Commodities ganz unten auf der Targetliste.  

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