Hans-Ewald Schneider ist Spezialist für Werte. In der vierten Generation bringt er Unbezahlbares von A nach B. Die Unersetzlichkeit der transportierten Kunstwerke ist Stressfaktor und Belohnung zugleich. Das Geschäftsmodell basiert auf der Schneider’schen Leidenschaft für knifflige Fälle.

Hasenkamp ist gelebtes Understatement. Wer den Unternehmenssitz im Gewerbegebiet Köln-Frechen im schmucklosen Industriedesign betritt, ahnt nicht, dass er es mit einem Speditionsbetrieb der besonderen Art zu tun hat. Die Räume sind nicht aufs Repräsentieren angelegt. Erste Hinweise auf die besondere Fracht, die Hasenkamp tagtäglich transportiert, gibt die lebensgroße steinerne Madonnen-Statue im Treppenhaus. Noch mehr verrät der Blick ins Büro des Hasenkamp-Inhabers Hans-Ewald Schneider: Ein antiker Schreibtisch, eine „Nana“-Skulptur von Niki de Saint Phalle und diverse Gemälde mischen sich mit funktionalem Büromobiliar.

Der unglamouröse Außenauftritt ist Hans-Ewald Schneider ganz recht. Diskretion gehört zur Unternehmenskultur. „Es muss ja nicht jeder wissen, was wir hier alles rumstehen haben.“ Und damit meint er nicht die Kunst in seinem Büro, sondern die Bestände der 16.000 Quadratmeter großen Lagerhallen in Köln-Frechen. Da lagert das ein oder andere wertvolle Kunstwerk wie Skulpturen oder Gemälde namhafter Künstler.

Hans-Ewald Schneider führt in vierter Generation eine der weltweit renommiertesten Kunstspeditionen. Die Grundagen des heutigen Geschäftsmodells gehen auf seinen Vater Ewald Schneider zurück, der das Geschäft mit dem Rücktransport von zu Kriegszeiten in Sicherheit gebrachten Kunstwerken ins Rheinland begründet hat. Mit rheinischem Pragmatismus und Ideenreichtum wurden auch schwierigste Aufgaben gelöst. So durften Hans-Ewald Schneider und sein Vater selbst Hand anlegen beim Transport der unbezahlbaren Totenmaske des Tutanchamun oder der Krieger von Chinas Terrakottaarmee. Aus der Schneider’schen Leidenschaft für knifflige Fälle ist längst ein weltweit anerkannter Spezialist mit rund 600 Mitarbeitern geworden.

Diskretion gehört zum Geschäft

Nur ist das außerhalb der Fachkreise kaum bekannt. Wer einen Hasenkamp-Lkw auf der Straße sieht, vermutet dahinter einen normalen Umzugsservice. Das Stichwort Umzugsservice ist nicht ganz falsch. Denn Hasenkamp zieht auch Büros, ganze Behörden, Privathaushalte, EDV-Anlagen oder komplexe Aktenarchive um. Das Herz des Unternehmens ist jedoch der Kunstbereich, mit dem Hasenkamp allerdings ganz bewusst nicht mit großen Marketingkampagnen an die Öffentlichkeit geht. Ähnlich wie bei einer Privatbank gehört Diskretion zum Geschäft. Das gebieten schon die hohen Sicherheitsanforderungen. Es wäre eher unklug, wenn jemand wüsste, in welchem Transporter ein 110 Millionen Euro teurer Egon Schiele gerade steckt. „Wir benutzen regelmäßig Transportfahrzeuge ohne Logo“, erklärt Schneider eine der vielen Sicherheitsmaßnamen.

Das ist aber nur Herausforderung Nummer zwei. Herausforderung Nummer eins besteht darin, Gegenstände jedweder Form, Textur und Größe in exakt dem Zustand am Ziel – ort abzugeben, in dem sie die Reise angetreten haben. „Das ist nicht gerade trivial“, sagt Schneider. Die hauseigene Schreinerei fertigt maßgeschneiderte Verpackungen für jedes Objekt, bei Bedarf feuerfest, mit integriertem Klimasystem und erschütterungssicher. „Weniger als 100 Prozent ist bei uns eine Katastrophe“, stellt er nüchtern fest. Denn viele Transportgüter sind schlichtweg nicht ersetzbar.

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Die Familie Schneider

1903 von Ewald Hasenkamp gegründet, wird das Unternehmen heute in der vierten Generation von Hans-Ewald Schneider geführt. Die Gesellschafteranteile liegen zu 100 Prozent bei Hans-Ewald Schneider und seinem 90-jährigen Vater. Hans-Ewald Schneider stieg 1981 in die Geschäftsleitung ein und führte das Unternehmen zehn Jahre lang gemeinsam mit seinem Vater. Die nächste Generation hat schon Interesse bekundet. Hans-Ewald Schneider hat drei Kinder, die sich zum Teil noch in der Ausbildung befinden.

Und jeder Auftrag ist anders. Der Transport eines Satelliten hat wenig mit dem einer fragilen Skulptur von Giacometti zu tun. „Wir fangen eigentlich immer wieder bei null an“, erklärt Schneider: „Wir machen all das, was nicht standardisierbar ist.“ So speziell sind die Anfragen, dass bisweilen auch Hasenkamp ablehnen muss. So z.B. den Transport von Pfeil und Bogen aus dem Grab von Tutanchamun. „Das war 3.500 Jahre altes Holz. Das war einfach nicht mehr anfass – bar“, so Schneider.

Jeder Job ist anders. Das klingt nach einem anspruchsvollen Geschäftsmodell. Da dürfte es kaum Effizienzgewinne durch Massengeschäft und hohe Anforderungen an Know-how und Kreativität geben. Damit die Spezialisierung auf das nicht Standardisierbare funktioniert, braucht Hasenkamp eine hohe Flexibilität, schnelle Kommunikationswege und eine hohe Eigenständigkeit der Mitarbeiter im Denken und Handeln.

„Harte Vorgaben würden bei uns wenig Sinn machen“, sagt Matthias Szarata, der die hauseigene Schreinerei und Schlosserei leitet. Seit 35 Jahren reist er für Hasenkamp um die Welt, um schwierige Projekte in Augenschein zu nehmen. Immer wieder war es Learning by Doing. Wie z.B. bekommt man einen schweren Swarovski-Stern auf eine zarte Weihnachtsbaumspitze? Szarata und sein Team wissen zwar nicht wie, aber sie finden es heraus. Längst hat sich der gelernte Speditionskaufmann zum international gefragten Verpackungsexperten entwickelt. Sein Rat wird gesucht, wenn es z.B. darum geht, das Kreuz auf der Grabeskirche in Jerusalem zu befestigen und eine Flugerlaubnis für einen Hubschrauber gerade nicht zu bekommen ist. Oder wenn die berühmte Bernwardsäule aus dem Hildesheimer Dom zwecks Renovierungsarbeiten zum ersten Mal ihren seit 1.000 Jahren angestammten Platz verlassen muss. Der Transport der tonnenschweren Flügeltüren des Doms war besonders schwierig: „Wir konnten die Türen nur an ganz wenigen Stellen, an denen sich keine Figuren befanden, mit unseren Saugnäpfen anfassen“, berichtet Szarata. So etwas erfordert eine minutiöse Planung. Seine Mitarbeiter basteln in tagelanger Arbeit naturgetreue Modelle, an denen die Aktionen durchgespielt werden können.

Die Leidenschaft von Hans-Ewald Schneider und seinem Vater Ewald Schneider, der mit 90 Jahren immer noch regelmäßig in die Firma kommt, ist längst auf die Mitarbeiter übergesprungen. „Das, was wir hier machen, ist wahrscheinlich nur im Familienunternehmen machbar“, sagt Szarata. Er schätzt die relativ hohe Freiheit, die er bei der Lösung seiner Aufgaben hat. Er fordert aber auch die gleiche Eigenständigkeit von seinen Mitarbeitern, was vor allem für die aus verschulten Ausbildungszweigen kommenden Berufs – einsteiger nicht immer einfach ist: „So mancher tut sich anfangs schwer damit, selbständig ein Modell zu entwickeln“, weiß Szarata.

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Das Unternehmen Hasenkamp

Hasenkamp beschäftigt rund 600 Mitarbeiter und macht einen Jahresumsatz von rund 100 Millionen Euro. Neben Europa ist Hasenkamp auch mit Niederlassungen in Russland (St. Petersburg und Moskau), China (Peking) und den Vereinigten Arabischen Emiraten (Abu Dhabi und Dubai) vertreten. Über Kunsttransporte hinaus bietet Hasenkamp auch Dienstleistungen für Galerien, Umzugsservice, Hightechtransporte, Archiv- und Depotdienste sowie B2B- und B2C-Services an.

Selbst ist der Mann. Das gilt auch weiterhin für Hans-Ewald Schneider. Bei allen flachen Hierarchien, die es bei Hasenkamp gibt, ist das Unternehmen immer noch sehr stark auf den geschäftsführenden Gesellschafter zugeschnitten. Zwar teilt sich Schneider die Unternehmensleitung mittlerweile mit dem kaufmännischen Leiter Uwe Höhne, das Geschäft mit den großen Museen bleibt aber Schneider-Sache. Die Aufteilung ist klassisch: Während Höhne den Controllingund Finanzbereich leitet, repräsentiert Schneider und sucht die Nähe zum Kunden.

Kunstliebhaber

Die Nähe zur Kunstwelt macht Schneider sichtlich Spaß. Den Konferenzraum schmücken von Schneider selbstgeschossene Fotos von Künstlern. Man sieht Georg Baselitz, Sigmar Polke oder Joseph Beuys beim Auspacken ihrer Werke inmitten von Hasenkamp-Kisten. Dabei ist Hans-Ewald Schneider aber auf dem Teppich geblieben. Schneider ist unkompliziert, offen und direkt. Die Tür zu seinem Büro steht offen. Für seine Mitarbeiter ist er stets ansprechbar. Das heißt, wenn er da ist. Schneider ist viel unterwegs. Die Kunden sitzen auf der ganzen Welt. Besonders aus den neuen Märkten in China und dem Mittleren Osten kommen immer öfter Anfragen. So auch jetzt. Schneider muss los. Die nächste China-Reise ruft.

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