Er wird als siebter Sohn in die dritte Generation einer aufstrebenden Unternehmerfamilie geboren – und treibt das Geschäft zu unübertroffenem Erfolg. Als Bankier und Geldgeber ermöglicht und verhindert er politische Karrieren. Er macht Papst und Kaiser zu seinen Schuldnern und sich Martin Luther zum Feind. Wer war Jakob Fugger?

DEM ALLMÄCHTIGEN UND GUTEN GOTT! Jakob Fugger von Augsburg, Zierde seines Standes und seines Landes, kaiserlicher Ratsherr unter Maximilian I. und Karl V., unvergleichlich in der Anhäufung außerordentlicher Reichtümer, in Liberalität, reiner Lebensführung und Seelengröße; so unvergleichlich wie er zu Lebzeiten war, so unvergleichlich ist er im Tod.“ – Liest man den Nachruf auf Jakob Fugger, stellt sich das Bild ein, das wohl jeder Unternehmer rückwirkend gern von sich zeichnen würde: ein Leben voller Verdienste.

Tatsächlich war der Bankier, Industrielle und europaweit agierende Händler von Stoffen und Gewürzen, Silber, Kupfer und Quecksilber in der „Anhäufung außerordentlicher Reichtümer“ unübertroffen, als er am 30. Dezember 1525 mit 66 Jahren in Augsburg starb. Er war der reichste Mann seiner Zeit, manche Forscher meinen sogar, der reichste Mann der Weltgeschichte: Er hinterließ 2 Millionen Gulden – die Medici hatten nur ein Privatvermögen im fünfstelligen Bereich. Zugleich ist gut zu wissen: Die Lobpreisungen seines Nachrufs hat der von sich selbst überzeugte Unternehmer vor seinem Tod tatsächlich eigenhändig verfasst. Denn Jakob Fugger überließ nichts dem Zufall.

Jakob Fugger war der Enkel eines wohlhabenden, bürgerlichen Kaufmanns: 1373 war der junge Hans Fugger aus dem Dorf Graben ben in das 30 Kilometer entfernte Augsburg gekommen, eine Freie Reichsstadt, deren selbstbewusste Bürger 1276 ihren Fürstbischof verjagt hatten. Sie wählten Bürgermeister und Stadtparlament und gaben sich ihre Gesetze selbst. Augsburg war eine aufstrebende Handels- und Finanzmetropole. Vor allem die Weber und die Händler profitierten von der europaweiten Nachfrage nach Barchent, einer Mischung aus oberschwäbischem Flachs und ägyptischer Baumwolle.

Hans Fugger war nicht arm, und er heiratete zweimal klug, die Töchter zweier Zunftmeister. 1397 konnte er sich ein Haus kaufen, 1408 hatte er 2.000 Gulden Vermögen, 1434 schon 5.000. 1448 hatten seine Söhne Andreas und Jakob durch den Handel mit Stoffen bereits das fünftgrößte Vermögen Augsburgs erwirtschaftet. Als Hans’ Sohn Jakob 1469 starb, führte dessen Witwe Barbara Bäsinger die Geschäfte weiter, wie schon ihre Schwiegermutter Elisabeth es nach Hans’ Tod gemacht hatte. Der junge Jakob, 1459 als Jakobs siebter Sohn geboren, wurde 1473 zur Ausbildung nach Venedig geschickt, der wichtigsten Handelsstadt Europas zwischen Seidenstraße und Rhein, Paris und Konstantinopel, Amerika und Indien. Hier lernte er den Bankiersberuf von der Pike auf. Nicht nur das modische goldene Barett, sein späteres Markenzeichen, das er auch auf Albrecht Dürers berühmtem Portrait trägt, brachte er von hier mit ins heimatliche Augsburg. In Venedig lernte er auch die Bedeutung einer korrekten Bilanz und der doppelten Buchführung kennen und schätzen, die gerade erst erfunden waren. Bald zeigte sich, dass er anders dachte, weiter, größer als seine vorsichtigen Brüder Ulrich und Georg, mit denen er die Geschäfte zunächst führte.

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Riskant und hinterlistig

Mit 26 Jahren wurde Jakob nach Tirol geschickt, wo ihm die ersten Finanzcoups gelangen: In Schwaz in der Nähe von Innsbruck gab es die damals größte Silbermine der Welt, und es gelang ihm, sich für die großzügigen Kredite, die er dem verschwenderischen Erzherzog Sigmund von Tirol gewährte, das verbilligte Vorkaufsrecht für das gesamte Silber überschreiben zu lassen, das er in Venedig teuer verkaufte. Sein Gewinn daraus betrug mehr als das Hundertfache seines Kredits. Zusammen mit Kaiser Maximilian gelang es ihm in einem riskanten und hinterlistigen Schachzug, dass Sigmund Tirol an den Kaiser verlor: Fugger erhielt dafür von Maximilian auf viele Jahre das billige Silber aus Schwaz. Und in einer skrupellosen Aktion überschwemmte er den Markt mit Kupfer, trieb damit seinen größten Konkurrenten, ein österreichisches Kupfersyndikat, in den Bankrott. Nun hatte er das Monopol, bestimmte den Preis.

Im Kärntner Arnoldstein baute Fugger daraufhin eine riesige Fabrik, um Silber und Kupfer selbst zu verarbeiten, inklusive Ausbildungsstätte für Ingenieure und Alchemisten – Paracelsus war dort wohl der berühmteste Schüler. Das Kupfer, das wichtig für die Herstellung von Waffen geworden war, verschaffte er sich in Osteuropa, über einen Mittelsmann, Johannes Thurzo, ein Bergbauingenieursgenie von ungarischer Herkunft mit polnischem Bürgerrecht. Mit Jakobs Geld schloss Thurzo vorteilhafte Pachtverträge für viele marode Bergwerke ab. Nur Fugger konnte diese Summen aufbringen, und Thurzo brachte das nötige Know-how für die Instandsetzung und den laufenden Betrieb mit. Mit diesem „Gemeinen Ungarischen Handel“, wie Fugger ihn nannte, beutete er zum Beispiel die Bergwerke von Neusohl in der heutigen Slowakei aus, errichtete Schmelzwerke in Thüringen und Kärnten und gründete Niederlassungen in Budapest, Leipzig, Breslau, Krakau und Danzig. Der Handel mit Kupfer und Silber bildete zusammen mit dem Kreditgeschäft – allen voran mit den Habsburgern – die beiden zentralen Säulen des Fugger’schen Reichtums.

Als die nächste Königs- und Kaiserwahl anstand, schlug sich Fugger auf die Seite des aufstrebenden Karl, Maximilians Enkel. Mit der unglaublichen Summe von mehr als 500.000 Gulden verhalf er ihm 1519 gegen den französischen König Franz I. auf den Thron, das meiste davon ging als Bestechungsgeld an die Wahlmänner. Damit waren die Habsburger in Europa zur festen Größe geworden. Dafür waren sie Fugger dankbar – und von ihm abhängig: Auch Karl bezahlte mit Kupfer und Silber aus Europa und Amerika, außerdem bekam Fugger die Pachteinnahmen aus den Ländereien des spanischen Landadels und das Quecksilberbergwerk von Almadén – Quecksilber wurde für die Amalgamierung von Silber gebraucht, ein brandneues Verfahren, das Fugger sofort aufgriff.

Wissen ist Macht

Fugger war ein Finanzgenie: Er dachte taktisch und in globalen Zusammenhängen für seinen multinationalen Konzern und nutzte geschickt den Geltungsdrang und die wirtschaftliche Dummheit vieler Fürsten aus. Er scheute sich nicht, große Risiken einzugehen, neue Methoden einzuführen, wenn sie ihm nutzten: So war er einer der ersten Deutschen, der die von den Italienern erfundene doppelte Buchführung anwandte und eine Firmenbilanz aufstellte, die ihm jederzeit einen genauen Überblick über seine gesamten Umsätze verschaffte, über Gewinne und Verluste in allen Geschäftsbereichen. Er schickte interne Prüfer in seine Außenstellen in Spanien, Italien, Frankreich und Osteuropa, die seine gut bezahlten höheren Angestellten kontrollierten. Und er baute einen europaweiten Nachrichtendienst mit Eilkurieren auf, die Informationen über Konkurrenten und Kunden sammelten und nebenbei auch über die politische Lage, über den Ausgang von Kriegen, über wichtige Todesfälle. Dass Wissen Macht ist, hatte Fugger schnell erkannt – und dass nicht mehr die Persönlichkeit, nicht die Abstammung, sondern das Geld die Welt regiert.

Skrupellos war Fugger, manchmal rücksichtlos, einmal soll er auf dem Sterbebett eines langjährigen Mitarbeiters dessen Schulden von 800 Gulden eingefordert haben. Genauso ging er allerdings auch mit den Mächtigen um: 1523 schrieb er etwas ungeduldig an einen säumigen Kreditnehmer, „dass das Geld, das ich verauslagt habe, zusammen mit den allfälligen Zinsen aufgerechnet und ohne weiteren Aufschub zurückgezahlt werde“. Der Empfänger dieser strengen Mahnung war kein geringerer als Karl V., Heiliger Römischer Kaiser, König von Spanien, König von Neapel, Herzog von Burgund – so nur einige seiner 81 Titel. Karl hatte Rom geplündert, als der Papst ihm getrotzt hatte, hatte einmal den König von Frankreich gefangengenommen, war der mächtigste Mann in Europa, Herrscher über ein Land, in dem die Sonne nicht unterging.

Neben dem Kaiser waren seit 1476 auch mehrere Päpste Stammkunden bei Fugger: Julius II. ließ sich von ihm Hilfstruppen wie die Schweizer Garde aufstellen und bezahlen. Fugger prägte die päpstlichen Münzen und war am Verkauf der Ablassbriefe beteiligt, die den Petersdom mitfinanzierten – und Martin Luther 1517 zu seinen 95 Thesen gegen den Ablasshandel veranlassten. Fugger seinerseits bezahlte auch das Heer gegen die Bauernaufstände infolge der Reformation. Denn so progressiv er wirtschaftlich handelte, so konservativ war er privat: Der streng katholische Fugger war gegen die Demokratisierung der Gesellschaft, die ihm, so dachte er, seine Geschäfte verderben könnte. Aber er war auch sozial: Die Fuggerei in Augsburg, Sozialwohnungen für Arme, besteht noch heute.

Zu den Widersprüchen der Person Jakob Fuggers gehört auch, dass er selbst bescheiden lebte, er hielt nichts von Protz und Prunk, pompösen Festen und repräsentativen Gesellschaften: Bis 1497 brauchte er für sich selber monatlich nur 19 Gulden, später nie mehr als 225. Ihn interessierte, wie er selbst es in seinem Nachruf nennt, ausschließlich die „Anhäufung außerordentlicher Reichtümer“, das Zusammenraffen: das Baden in Geld, wie Dagobert Duck. Auch sein Privatleben stellte er, ähnlich wie sein Großvater Hans vor ihm, in den Dienst dieses Ziels. 1498 heiratete er Sibylla Artzt, eine mehr als 20 Jahre jüngere Frau aus dem Augsburger Großbürgertum – eine Zweckehe, die Fugger politischen Einfluss in der Stadt verschaffte. Kaum zwei Monate nach Fuggers Tod heiratete Sibylla einen seiner Geschäftspartner, Konrad Rehlinger d. Ä. Als Fugger im Dezember 1525 starb, war sie nicht bei ihm, Kinder gab es keine.

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