Längst ist aus dem vermeintlichen Solisten Pfannenschwarz ein Teamplayer geworden. Seine Frau und drei Kinder sind Teil der Geschäftsführung. Aber nach außen spricht nur einer.

Wer parodiert wird, ist berühmt. Wenn das stimmt, hat es Willi Pfannenschwarz längst zum prominentesten Mittelständler in Deutschland gebracht. Nachdem sich schon eine Menge Kabarettisten an seinem „Leckerleckerlecker“ abgearbeitet haben, warb jüngst sogar ein Raufasertapeten- Hersteller auf die Seitenbacher-Art für sein Produkt: „Woischd Karle, du sollschd emol a Raufaser tapaziere. Jetzt probierschs halt!“ Oder: „Des is die Tapet, die aussieht, wie wenn du feinschtes Müsli an der Wand hättst.“

Willi Pfannenschwarz kann über so etwas lachen. Zum einen, weil es sich im Original nicht um „Karle“ handelt, der das Müsli probieren soll, sondern „Kerle“, eine rustikale schwäbische Anrede. Aber vor allem, weil er weiß, dass solche Kopien die höchste Form der Anerkennung sind – für seine selbstgemachten Spots und sein Produkt. Schon als er zum ersten Mal von seinem Heimatsender SWR3 durch den Kakao gezogen wurde, trat er anschließend beim Hörerfest des Senders auf und bekam einen Riesenapplaus. „Mehr“, sagt er, „als ich jemals als Rockmusiker bekommen hätte.“

Denn eigentlich, das muss man wissen, wollte Willi Pfannenschwarz, Sohn einer Müller-Dynastie aus dem schwäbischen Waldenbuch am Seitenbach, viel lieber Rockmusiker werden und Vorbildern wie Deep Purple und Jethro Tull nacheifern. Die künstlerische Existenz schien ihm dann doch zu unsicher. Er entschied sich fürs Vollkorn, zog mit seinem Betrieb nach Buchen im Odenwald und machte künftig Müsli. Aber noch heute sitzt Pfannenschwarz am liebsten am Mischpult im Keller seines Privathauses. Und wenn er nicht gerade einen seiner Müsli-Werbespots einspricht, produziert er dort entweder hoffnungsvollen Gitarren nachwuchs aus der Umgebung oder die Formationen seiner drei Kinder. Denn auch sie machen alle drei Rockmusik.

Leckerleckerlecker

Über die musikalischen Qualitäten der Seitenbachers ist jenseits von Buchen wenig bekannt; die Werbespots sind es, die sein Publikum spalten. „Grauenhaft“ und „amateurhaft“ finden viele professionelle Werber sie und präsentieren die Kammerspiele ums „Bergsteigermüsli“ und die „Kakao-Düsis“ in Marketing-Akademien als abschreckendes Beispiel. Zu Unrecht. Denn dank des unkonventionellen Marketings ist Seitenbacher heute einer der fünf großen Müslihersteller, auch wenn Pfannenschwarz Wert darauf legt, dass das 140- Mitarbeiter-Unternehmen unter den großen Lebensmittelherstellern ein „ganz kleines Licht“ sei. Aber eins, das hell strahlt. So dass es sich das Unternehmen erlauben kann, einen stolzen Preis für seine Müslimischungen zu nehmen und auch mit den mächtigen Handelsketten um die Margen zu pokern.

Doch das Geschäft ist schwer. Denn die Preise für die Müslirohstoffe schwanken stark. Deshalb hat sich Pfannenschwarz dafür entschieden, sein Sortiment noch einmal zu erweitern und in einen neuen Bereich einzusteigen. Unweit des Stammsitzes, in Grünstadt, machen die Pfannenschwarzens also jetzt auch in Öl. Unraffiniertes Raps- und Olivenöl, aber auch jede Mange Würzöle zum Grillen und Marinieren. Und ja, man ahnt es, sie werden auch wieder mit der Stimme des Chefs angepriesen: „Woischd Kerle, das’d au a gscheit’s Öl brauschd, für dein’ Salat?“

Die Mühle dafür haben die Pfannenschwarzens gekauft, nach eigenen Vorstellungen ausgebaut und auf den neuesten Stand der Technik gebracht. Mit Begeisterung hält der Chef nun die frisch abgefüllten Flaschen für ein paar Fotos gegen das Licht. Mit dem Öl sei es das gleiche Thema wie damals beim Vollkorn, sagt Pfannenschwarz. Die wichtigsten Nährstoffe werden durch die konventionelle Herstellung zerstört. „Bei uns bleibt alles drinnen“, sagt er.

Willi Pfannenschwarz ist ein Selfmademan im wörtlichen Sinn. Er programmiert auch die EDV für die Unternehmensverwaltung und die Programme für die Maschinen selbst. „So etwas kostet sonst ein Vermögen, das können wir uns nicht leisten“, sagt er. Die Cornflakes-Maschine wurde nach seinen Plänen konstruiert. Er könne hier alles selber machen, sagt Pfannenschwarz stolz, wenn er durch die Produktionshallen in Buchen führt.

Alle packen an

Was heute nicht hundertprozentig stimmt. Denn der vermeintliche Solist Pfannenschwarz ist auch ein Teamspieler. Im Hintergrund hat seine Frau Marion schon immer wichtige Fäden gezogen. Eine bodenständige Frau, die mit ihm die Leidenschaft für Rockmusik und entsprechende Outfits teilt. Sie ist im Unternehmen für Buchhaltung und Finanzen zuständig und berät ihren Mann bei unternehmerischen Entscheidungen. Beim Interview sitzt sie im Hintergrund auf dem Sofa und wirft gelegentlich ein Stichwort ins Gespräch.

Jetzt sind auch die Kinder in der Geschäftsleitung. Tochter Liz leitet den Einkauf, ihre Zwillingsschwester Sarah, als kleines Mädchen mal die Stimme der Seitenbacher-Spots, kümmert sich nach einer Grafik-Ausbildung um das Marketing und hinterlässt ihren eigenen Stil auch schon auf den Etiketten der Speiseöl-Flaschen, die eleganter daherkommen als das übrige Sortiment. Und Sohn Harry, 26, führt in den USA, wo Seitenbacher schon früher eine Handelsniederlassung hatte, seit einiger Zeit eine eigene Müsli-Linie mit Namen „Harry P“. Pfannenschwarz junior ist gleichzeitig auch das Gesicht der Fitness-Linie. Im Muskelshirt, das den gut ausgebildeten Bizeps zeigt, und mit windschnittiger Frisur, posiert er für die Fitness-Flocken und sieht aus, wie sich Seiten – bacher wohl auch die Zielgruppe vorstellt: Bodybuilder, die nicht um jeden Preis Muskelberge aufbauen, sondern auf gesunde Weise an ihrem Körper arbeiten wollen.

Für Vater Willi, inzwischen über 60, sind das die ersten Schritte für einen Generationenwechsel. Und so geht es bei der Ölmühle auch darum, das Geschäft so groß zu machen, dass alle drei Kinder darin unterkommen. „Es ist nicht immer leicht, die Kinder im Unternehmen ihre eigenen Fehler machen zu lassen,“ sagt Pfannenschwarz. Aber er denke dann immer an seinen eigenen Vater. Der hatte ihn davor gewarnt habe, die ersten Seitenbacher-Werbespots mit Krediten zu finanzieren. Willi Pfannenschwarz hat es damals trotzdem getan und damit die Grundlage für den Erfolg seines Unternehmens gelegt.

Die wichtigen Entscheidungen trifft Pfannenschwarz senior noch selbst, sagt er. Vor allem das Marketing lässt er sich nicht aus der Hand nehmen. Zwar bewirbt etwa Harry Pfannenschwarz seine Fitness-Flocken per Facebook und Twitter. Doch zu erreichen ist er über diese Kanäle nicht. Die Antwort auf eine Interviewanfrage kommt aus dem Mutterhaus in Buchen. Pfannenschwarz junior stünde für ein Gespräch derzeit nicht zur Verfügung, heißt es aus der Unternehmenszentrale. Für Seitenbacher spricht bis auf weiteres nur eine Stimme. Sie tönt schwäbisch und gehört Willi P.

Info

Der Naturkostler

Willi Pfannenschwarz gründete 1980 die Seitenbacher Naturkost GmbH, um das zu verkaufen, was sein Vater, Mühlenbesitzer aus der Region, bis dato im Produktionsprozess ausgesiebt hatte. Statt auf Weißmehl setzte Pfannenschwarz auf Vollkorn und Körner. Heute gehören 250 Produkte ins Sortiment. Mit 140 Mitarbeitern macht das Unternehmen rund 30 Millionen Euro Jahresumsatz.

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