Lebensläufe der Chefs von Familienunternehmen wurden vom Stuttgarter Institut für Familienunternehmen untersucht. Eine Analyse.

Über die Bedeutung von Familienunternehmen in Deutschland gibt es viele Untersuchungen und Zahlen. Doch wer steht an ihrer Spitze? Das Stuttgarter Institut für Familienunternehmen (IFF) hat die Lebensläufe der Vorstandsvorsitzenden beziehungsweise Vorsitzenden der Geschäftsführung der 50 größten deutschen Familienunternehmen analysiert. Das Ergebnis: Familienunternehmen sind offener für unterschiedliche Persönlichkeiten und Bildungswege im Vergleich zu DAX-30-Unternehmen. Ansonsten entspricht das Profil der Führungskräfte jedoch weitgehend dem der Chefs von großen börsennotierten Unternehmen.

Die Unternehmenslenker der befragten Familienunternehmen sind – mit einer Ausnahme – männlich. Ihr Durchschnittsalter beträgt gut 55 Jahre. Das ist vergleichbar mit dem der Chefs von DAX-30-Unternehmen. Allerdings ist die Spreizung des Alters größer. Mehr als 20 Prozent der Befragten sind jünger als 50 Jahre, 30 Prozent sind über 60 Jahre alt und arbeiten teilweise sogar noch jenseits der Ruhestandsgrenze. Es scheint weniger auf starre Altersgrenzen als auf die Fähigkeiten der Person anzukommen.

Auffallend ist, dass der Anteil der ausländischen Chefs bei Familienunternehmen deutlich geringer ist als bei DAX-Unternehmen. Dazu passt auch, dass die Auslandserfahrungen der führenden Manager vergleichsweise gering sind. Nur 20 von 50 Befragten haben nachweislich eine berufliche Station im Ausland absolviert – das sieht bei Konzernlenkern von DAX-Unternehmen ganz anders aus.

Mehr als ein Viertel ist Angehöriger der Unternehmerfamilie. Allerdings betrifft dies nicht die börsennotierten und nicht die umsatzstärksten Familienunternehmen. Die Dauer, die die Befragten bereits im Amt sind, liegt im Durchschnitt bei knapp acht Jahren, Das IIF unterstellt, dass die meisten CEOs noch etliche Jahre vor sich haben und kommt so zu einer durchschnittlichen Amtszeit von deutlich mehr als zehn Jahren. Die Langfristigkeit, mit der Familienunternehmen geführt werden, zeigt sich offensichtlich auch im Umgang mit den Unternehmenslenkern.

Knapp die Hälfte der Unternehmenschefs sind Wirtschaftswissenschaftler, gefolgt von Ingenieuren (10 Befragte) und Naturwissenschaftlern (6). Jura studierten nur drei, Wirtschaftsingenieur einer. Dieses Bild entspricht in etwa dem von DAX-Unternehmen. Bemerkenswert ist, dass die Führungsgremien von Familienunternehmen deutlich offener für „Exoten“ sind als die von DAX-Unternehmen.

Einige Unternehmenslenker haben Fächer studiert, die einen Zusammenhang zur späteren Tätigkeit nicht vermuten lassen, etwa Germanistik, Musikwissenschaften, Agrarwissenschaften, Medizin oder Politische Wissenschaften. Immerhin drei Chefs haben keinen Hochschulabschluss. Wenn es um höhere Abschlüsse geht, dominiert immer noch die Promotion (23 von 50 Befragten). Der MBA (1 von 50) hat sich noch nicht durchgesetzt. Der Karrierestart in Familienunternehmen erfolgt in der Regel, ohne dass zuvor Stationen wie Beratungsunternehmen, Investmentbanken oder führende WP-Gesellschaften durchlaufen werden müssen.

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