Man kann auch aus Nichts etwas machen. Man muss nur ein paar Dinge früher finden als andere. Und besser machen. Für Markus Graf Matuschka v. Greiffenclau ist die Welt eine Wiese voller Möglichkeiten, die er mit Hochdruck abgrast.

Verpflichtet Adel? Die Soziologen sprechen von einer sich potenzierenden Verstrickung, wenn bestimmte Verantwortungen von einer Generation auf die nächste übertragen werden, ohne zu fragen. Wer dem ausweicht, kappt gewissermaßen die Leinen, die ihn mit der Familie verbinden. Die Leinen können sein: Unternehmertum, aber auch Adel, eine strenge Religion oder eine politische Familientradition. Während der Druck der „Verstrickung“ von Generation zu Generation wächst, leiden darunter die Nachkommen immer stärker, bis die ersten unter der Last zusammenbrechen. Beim 41-jährigen Markus Graf Matuschka von Greiffenclau kommen Adel, Religion, politische Tradition und Unternehmertum zusammen. Auf seinen Schultern lasten 32 Generationen dokumentierter Familiengeschichte, rund 1.000 Jahre Auf und Ab einer unternehmerischen, katholischen, adeligen Winzerfamilie.

Die zahlreichen Generationen haben große, Respekt gebietende Persönlichkeiten und Taten hervorgebracht, darunter Fürstbischöfe. Beispielsweise hat Richard v. Greiffenclau die Stadt Trier gegen die zehnfache Übermacht des Sickingschen Heeres verteidigt. Auch saß dieser Mann dem Prozess gegen Martin Luther vor.

Friedrich v. Greiffenclau hat dereinst die Rheingauer Bauernschaft freigekauft, „als der Bauern-Jörg kam, um diese abzuschlachten“, sagt der junge Graf. Seine Familie sei eine der ersten gewesen, die die Leibeigenschaft abgeschafft habe. Das Katholische, aber auch Menschenliebe und Freiheitsdrang haben in dieser Familie Tradition. Ein bekanntes Familienmitglied der Neuzeit war Richard, sein Großvater, der als Deutscher Weinbaupräsident und EWU-Gesandter dem deutschen Weinbau seinen Stempel aufdrückte. Oder Erwein Graf Matuschka v. Greiffenclau, der letzte Bewohner des Familiensitzes Schloss Vollrads, der sein kurzes Leben in den Dienst des Rheingauer Winzerverbandes stellte. Einem Verkauf des Gutes Vollrads hatte Onkel Erwein lange gar nicht und später nur unter der Bedingung zustimmen wollen, dass er ein Rückkaufsrecht erhielte. Doch seine Bedingungen interessierten seinerzeit niemanden mehr. Der Betrieb war wirtschaftlich seit Jahren schwer angeschlagen.

Für den Verkauf hätte Graf Erwein über einen langen Schatten springen müssen. Seit 27 Generationen betrieb seine Familie an dieser Stelle Weinbau. Der Schatten war zu lang. Der Onkel, der 1997 den Familiensitz an eine Bank verlor, flüchtete im Zuge des über Jahre drohenden, sich schließlich abzeichnenden Konkurses in den Freitod, wie es offiziell heißt. Die Familie hat dazu eine eigene Meinung.

Der drahtige Mann, den seine Frau nur halb bewundernd „Mr. Competitive“ nennt, hätte den Familienbesitz erben und vermehren sollen. Markus kämpfte wirtschaftlich und juristisch mit aller Kraft um den Rückerwerb des Gutes aus der Konkursmasse. Ein Sanierungsplan lag auf dem Tisch, auch eine große Menge Geld, die an die Grenzen seiner damaligen Möglichkeiten ging.Und weit über die Grenzen dessen hinaus, was wirtschaftlich vernünftig war. Der Kampf ums Schloss ging verloren. Die „Verstrickung“ blieb. „Damals“, sagt seine Frau Eva langsam, „haben wir nicht nur einen Kampf um ein Haus verloren, sondern unsere Heimat.“ Sie übersiedelten zunächst nach England, dann in die Schweiz. Die Endung in der E-Mail-Anschrift verrät die neuen Wurzeln: „li“ für Liechtenstein.

Arbeit, Sparsamkeit, Disziplin – und Glück

1997, als Vollrads in den Besitz der Hausbank überging, war Neffe Markus 32, sein frisch gegründetes Unternehmen gerade sechs Jahre alt. Ein Winzer war er weiß Gott nicht. Seine Lebensmitten lagen in Düsseldorf und London. Dort trinkt man Bier, entweder aus viel zu dünnen Gläsern oder ohne Schaum. Jedenfalls aber Bier, nicht Wein. Zwar hatte er nach dem Abitur zunächst Weinbau und parallel BWL studiert. Doch ging ihm das alles zu langsam. Sein Herz schlug für anderes. Schon während des Studiums machte er mit seinen Partnern im eigenen Betrieb mehr Geld, als er unter normalen Umständen als Betriebswirt oder Winzer je würde verdienen können. Die Zeit, um die Studien zu beenden, wollte er sich nicht nehmen. Er brach ab und beschleunigte stattdessen die Entwicklung seines Unternehmens NGM Consulting GmbH. Binnen zehn Jahren erwuchs daraus eine international tätige, in neun Ländern vertretene Beratungsfirma mit starkem Asienbezug, die er schließlich 1999 gut verkaufte. Damit war der Grundstein für seine weiteren Investments gelegt.

Ein deutscher Unternehmer, der verkauft? Der Graf wundert sich über die Frage. Als „unternehmerischer Investor“ beschreibt er sich selbst. Von jener Sorte Herzblut, das man bitte nur für die Ewigkeit und vor allem generationenübergreifend vergieße, will er nichts wissen.Von Investments müsse man sich jedenfalls trennen können.Wenn er redet, redet er schnell, spart mit Zeit und Worten. „Meine Frau und ich haben im wörtlichen Sinne mit Nichts angefangen.Was aus diesem Nichts bis heute entstanden ist, fußt allein auf Arbeit, Sparsamkeit und Disziplin.“ Und natürlich hätten sie das ebenfalls notwendige bisschen Glück gehabt.

„Dann wird er leise“

„Wenn er an einen gerät, der stärker ist als er, wenn er besiegt wird, dann wird er ganz still“, sagt Eva über ihren Mann. Das sei ein Zeichen, dass es in ihm arbeite. Er analysiere die Niederlage, gehe hart und schonungslos mit sich und seinem Verhalten ins Gericht.

„Danach arbeitet er so lange an sich, bis er die Nase vorn hat, bis er die verlorene Sache durchdringt, versteht, beherrscht.“ Sie sagt, dass er Erster sein müsse. Er spricht von Neugier als Antrieb und davon, dass Scheitern Lernen sei: „Ich will wissen, wie etwas funktioniert.“ Erst dann, erst wenn er die neue Disziplin beherrsche, wenn er Erster, Schnellster, Bester geworden ist, gibt er Ruhe und wendet sich ab, wendet sich einer neuen Sache zu.

Deshalb nicht „Familienunternehmer“, sondern „unternehmerischer Investor“. Er stecke kein Geld in Dinge, die er nicht maßgeblich beeinflussen könne. Und er zieht es wieder ab, wenn er die Sache durchdrungen hat, wenn sie Früchte trägt. Er hat auch schon mal mit Suzuki Europe Motorräder ins Baltikum importiert. Im Baltikum hat er eine Möbelfabrik betrieben, denn die Rohstoffund Arbeitskosten waren in den Neunzigerjahren so unermesslich günstig. Die Herstellung und der Vertrieb von Blutanalysegeräten in China standen ebenso auf der Liste seiner Beteiligungen wie eine Musikproduktion: „Nur wenn ich aktiv mitarbeiten kann, kann ich aus meinen Investitionen das Beste herausholen.“

Dass er vom unternehmerischen Investieren etwas versteht, zeigt die Liste der Investments, die er sich zurechnen darf. Wobei der offizielle Lebenslauf nur einen Teil der Beteiligungen ausweist, die er hielt oder hält. Im Jahr 2000 hat er in Kanada die Impatica Inc. mit aus der Taufe gehoben, ein Unternehmen, das mehrere Auszeichnungen für seine innovative Software bekommen hat. Gemäß Mike Lazaridis, Gründer von RIM, „ist Impatica die beste Software die jemals für kabellose Taschencomputer auf den Markt kam.“ 2005 stieg Graf Matuschka daraus wieder aus.

2002 wurde er einer der Gesellschafter der Neue Bank AG in Vaduz, Liechtenstein. In der – freilich überschaubaren – Liechtensteiner Bankenlandschaft ist diese Bank inzwischen immerhin die Nr. 5 unter den Privatbanken. Ein gut, aber nicht vollständig verstecktes Siegerlächeln huscht über sein Gesicht auf die Frage nach deren Ertragskraft. 2003 übernahm er, um einem vom Konkurs bedrohten Freund zu helfen, ein in finanzielle Schwierigkeiten geratenes Agenturunternehmen in Großbritannien, die Agenturgruppe MacLarenJones, von der er sich – nach erfolgreicher Sanierung und Neuausrichtung – 2006 wieder trennte.

„Meine Motivation, zu investieren, ist dann gegeben, wenn ein Unternehmen etwas Revolutionäres bietet. Etwas, was die Welt ändert.“ Darunter tut er’s nicht mehr. Vor dem geistigen Auge des Besuchers blättert er seine Investments durch, deren ökonomische Bedeutung jedes Mal etwas größer wird: „Impatica’s Ansatz hat das Onlinelernen praktikabel gemacht und ist jetzt der Software Pionier für Handhelds.Midas hat eine neue Industrie aufgesetzt: Gaming statt Gambling.“ 2005 hat er diese Beteiligung an den Finanzinvestor Apax verkauft.

2004 gelingt ihm durch eine Beteiligung an Skype der Einstieg in die Web-Telefonie. Der Verkauf des Unternehmens an Ebay im Jahr 2005 ist bis heute die erfolgreichste seiner Investitionen. Skype verändere die weltweite Telekommunikationsindustrie: „Was glauben Sie, wo viele der 1,5 Millionen Kunden der Telekom geblieben sind, die Herrn Ricke den Kopf gekostet haben?“

2005 schließlich wurde ein Jahr, in dem er eine ganze Reihe neuer Investments eingegangen ist: eine Beteiligung an der von Dr. Stefan Madaus und Caspar Graf Stauffenberg geführten Aeqous GmbH. Aeqous entwickelt und produziert künstliche Kniegelenke. Markus redet in seiner Begeisterung noch schneller: „Ein völlig neuer Ansatz, der den Patienten für weniger Geld eine sehr viel bessere Lösung bietet. Der ganze Markt wird neu formatiert.“

Die Gründung von TIMA, einer Stiftung für Pharmaforschung, die mit der Harvard University kooperiert, macht ihm besondere Freude. Daraus entstehen Forschungsprojekte wie die Entwicklung einer Gentherapie zur Bekämpfung von Gehirntumoren.

Schließlich lenkt er das Gespräch auf das Investment, das ihn derzeit vollständig begeistert: die japanische Intellectual Property Bank (IPB). „Was mich bei Investments wie Impatica, Skype oder jetzt bei IPB besonders reizt, ist die Veränderung, die diese Firmen auslösen. Impatica ist nicht nur eine großartige Anwendung für Mobiltelefone, Impatica hat das Onlinelernen revolutioniert. Skype verändert die Telekom-Landschaft weltweit. Alle diese Firmen haben aber etwas gemeinsam: Sie basieren auf extrem hoch entwickeltem Wissen, das in Form von Patenten (IP) abgesichert ist. Sie haben alle einen ungewöhnlichen Denkansatz, eine Vision. Sie verfolgen das erklärte Ziel, etwas zu ändern.“

IPB löst nach seiner Einschätzung eine Veränderung aus, die noch bedeutsamer als jene ist, die Skype losgetreten habe: „Das“, Markus macht eine Pause, „legt den Grundstein für eine neue Asset-Klasse“. Soll heißen: Durch IPB wird in Sachen Investments gewissermaßen ein neuer Kontinent entdeckt. Gefundenes Fressen für Markus Columbus. Doch der Vergleich mit Columbus gefällt ihm nicht: „Columbus hat doch sein Ziel gar nicht erreicht. Er wollte nach Indien.“ Auch sei der verarmt und verbittert gestorben, was er weder bald und schon gar nicht in dieser Form vorhabe. Die Beobachtung aber, dass seine Hypophyse nicht vom Kontostand, sondern vor allem von der Sehnsucht nach dem offenen Meer, dem weiten Horizont, dem Blick und dem Griff nach den Sternen angeregt wird, den Adrenalinausstoß zu bewirken, die kann er unterschreiben. „Herr von Pierer hat einmal gesagt, dass, wenn Siemens wüsste, was Siemens weiß, Siemens noch erfolgreicher sein würde.“

Genau dort setze IPB an: „Zunächst auf den japanischen Markt beschränkt sammeln, analysieren und bewerten wir die gesamte Patentwelt Japans.“ Durch die Dreidimensionalität der Software können Patente, auch branchenübergreifend, zueinander in Bezug gesetzt werden. Der Zusammenhang werde transparent.„Wenn ich etwas in Bezug setzen kann und Transparenz schaffe, kann ich etwas, allgemein anerkannt, in Wert setzen.Hierzu schafft IPB die Voraussetzungen und den Marktplatz. Zudem werden Unternehmen in die Lage versetzt, ihre F&E-Aufwendungen viel gezielter vorzunehmen.“

IPB habe mit anderen Worten eine nachvollziehbare und anerkannte Methode entwickelt, Patente systematisch in Wert zu setzen. „Jetzt, da wir das können, ist es möglich, Portfolien von Patenten zu schnüren, deren Erfolgswahrscheinlichkeiten man rechnen kann. So werden aus schlafenden Patenten Wertpapiere.“ Plötzlich könne man Patente bilanziell aktivieren: „Das bedeutet für Industrien, die auf anspruchsvollen Technologien basieren, enorme Umwälzungen.“ „Weiterhin haben wir alle Patente aller japanischen Universitäten verarbeitet und führen diese den jeweils aussichtsreichsten japanischen Unternehmen zu.“ Wer das aussichtsreichste Unternehmen für ein spezifisches Patent – oder eine Patentfamilie – ist, das zeige ihm die Datenbank. Die darauf spezialisierte Tochter IPB Carve Out gehöre über die Japan Development Bank zur Hälfte dem japanischen Staat, was in Japan die Wege abkürzen helfe.

IPB Asset Management führt das Thema weiter und verbindet die historischen Finanzdaten von Unternehmen mit der IP, also den zukünftigen Produkten, und kann daher die zukünftige Unternehmensentwicklung abschätzen. „Der Technologiefonds, den wir nach diesem Ansatz managen, hat den japanischen Aktienmarkt- Index seither zwei Jahre lang hintereinander deutlich geschlagen.“ Im Dezember 2006 hat Matuschka v. Greiffenclau der Öffentlichkeit die Schwesterdatenbank in den USA vorgestellt. Das Interesse sei enorm. Synthetisch Gold herzustellen ist dagegen geradezu reizlos, wie es scheint.

Für einen Typ wie Markus ist die IPB, was eine Tennisballkanone für einen Tennisspieler ist: Er wird mit Ideen regelrecht beschossen. Aus der Analyse der japanischen Patentwelt ist mittlerweile auch ein Venture- Capital-Ableger entstanden. Hier werden die besten derjenigen Ideen vermarktet, die zuvor gewissermaßen im Keller eingelagert waren. Der Graf holt sie ans Licht. Die schönsten päppelt er selbst auf.

Selbst die Kois vermehren sich

Der Mann ist gut ausgelastet. Was ihn nicht hindert, neben seinen weltumspannenden Investments noch ein paar Hobbys nachzugehen, die freilich ebenfalls nicht von seinem sportlichen Ehrgeiz verschont werden. So hält er sich in seinem schweizerischen Fischteich ein paar Kois, jene großen und bunten (und ungeheuer teuren) asiatischen Zierkarpfen. Es heißt, dass sie sich eigentlich in kleinen Becken nicht vermehrten. In Markus’ Teich tummeln sich indes ein paar Dutzend Mini-Kois, sehr zur Freude ihres Hüters und Förderers. Auf der Liste mit der Überschrift „Hobbys“ stehen ferner: Jagen und Autorennen.

Passt denn all das plus Familie unter einen Hut? Ist das wirklich von Neugier getrieben oder nicht doch eher von Gier? Woher der maßlose Ehrgeiz? „Nein, der ist nicht maßlos!“ Markus fühlt sich missverstanden, holt aus: „Man lebt, man hat ein Leben geschenkt bekommen, das eine oder andere Talent. Wer sie bewusst nutzt, wird besser. Wer dankbar ist, will sie zum Besten einsetzen, will immer besser werden. Besser werden ist schön. Das ist ganz sicher im Sinne unseres Schöpfers.“ Den Wunsch nach Verbesserung, nach Erschöpfung der geschenkten Möglichkeiten, den lebt er in allen Lebensbereichen, ob als Familienvater, Ehemann oder Freund. Er sei schnell, energisch, kämpferisch, aber nicht gierig. Schon deshalb nicht, weil gierige Menschen nach seiner Auffassung zu oft verlieren: „Wer gierig ist, macht viele Fehler. Wenn man nicht gierig ist, läuft man nicht allem nach.“

Gier sei es nicht. Man könne auch viel Geld mit viel weniger Einsatz verdienen. Und wie er seine vielen Beteiligungen beschreibt, entsteht ein Bild vor den Augen des Zuhörers: Da grast jemand rastlos den gesamten Planeten nach dem Neuen ab.

Nein, Gier passe auch nicht in sein Weltbild und sein Bild von sich. Eher schon Großzügigkeit. Wenn es einem gut gehe, müsse man auch abgeben. „Wenn man großzügig ist, kommt das doppelt zurück.“ Sagt der Investor in ihm – oder der Katholik? Seine Frau ergänzt, dass es immer im direkten Umfeld Bedarf gebe, zu helfen und sich zu engagieren. Doch das sei nichts, worüber sie sprechen wollten. Das sei privat. Bei Geschäften, ergänzt Markus, ginge es natürlich um Rendite. Aber es gehe auch um Vertrauen, auch darum, das Richtige mit den richtigen Leuten zu tun. Er arbeite nach einigen Enttäuschungen nur noch mit einigen wenigen Leuten, mit diesen aber immer wieder und immer enger zusammen. „Ich arbeite nur noch mit Leuten, denen ich vollkommen vertraue. Alles andere ist ineffizient.“ Eva steht hinter ihrem Markus, trotz des hohen Drucks, der von ihm ausgeht, trotz der dauernden Anspannung, der vielen Reisen. „Er ist alles andere als langweilig“, lacht sie, als er kurz verschwindet.Alles an ihm sei rund und schön und gut, nur eines nicht – „seine Safari“. Da treibe Mr. Competitive es nach ihrem Geschmack etwas zu sehr auf die Spitze.

„Ich will wissen, wie das ist, wenn der Büffel den Kopf senkt und angreift“, sagt er später, als seine zwei Jagdhunde sich zu ihm vors Kaminfeuer legen. „Ich jage nicht vom Sitz, sondern auf der Pirsch. Und dann sehen wir mal, wer mehr kann: das Tier oder ich.“ Die Augen blitzen. Auf seiner Safari im August vergangenen Jahres hat er wieder ein paar seiner Erfahrungsgrenzen verschoben. Kein Mailanschluss, kein Handy, keine Verbindung mehr zur Außenwelt. Nur die Jagd im ostafrikanischen Busch. Der E-Mail- Abwesenheitsassistent las sich so: „Dear All, At present I’m in the Selous area, Tanzania, on a ‘fair chase’ adventure. It is old elefantbull, lion, buffalo, croc, hippo and antelopes. As it is in the middle of nowhere, I can not receive nor send mails, telephone calls are almost impossible to make and the drums do not reach far enough. If the ‘fair chase’ will end in my favour, I’ll contact you again beginning of September. All the very best to you, Markus.”

Ein Kreis schließt sich

Ein Investment hätten wir fast vergessen. Aber nur fast, denn Graf Matuschka v. Greiffenclau kommt beim ersten Treffen etwa fünfmal darauf zu sprechen, beim zweiten kaum seltener: sein Weingut. Im Jahr 1999 hat er ein 14 Hektar großes französisches Weingut erworben. „Davon müssen Sie Fotos in die Geschichte einbauen.“ Ja, ja, machen wir. Die Augen leuchten wie an Weihnachten. Unter den Investments, die er bis dato getätigt hat, ist dieses vielleicht eines der größeren, gewiss aber keines derer, die dem Renditedurchschnitt gutgetan haben. Dass er tief in sich Winzerwurzeln entdeckt hat, mag man nicht glauben. Er wirkt nicht sinnen- und genussfroh, er hat keine rote Nase und auch keinen grünen Daumen, noch hätte er Schwielen an den Händen. Eher passt ins Bild, dass inzwischen einige erstklassige Restaurants in der Welt auf seinen Wein und seinen Cognac schwören.

Noch eher aber passt in den Lebenskreis dieses Mannes, dass nicht ausgerechnet er es sein wollte, in dessen Generation der tausendjährige Faden reißt. 28 Generationen Weinbau aus dem Geschlecht der Matuschka v. Greiffenclaus. „Verstrickung“ macht manchmal auch stark.

Aus Lothringen kamen sie vor 1.000 Jahren mit Karl dem Großen in den Rheingau. Sie schlugen Kapital aus der einfachen Beobachtung, dass die Hügel im Rheingau immer schon früher schneefrei waren als die Täler, anders als sonst in den Bergen. Auf diesen von Sonne und Wärme verwöhnten deutschen Hügeln setzten sie ihre ersten Reben, hier bauten sie später ein Schloss.

Nun sind sie wieder nach Frankreich gewandert. „Domaine Privé, Petite Fine Champagne – Cognac“ heißt es vornehm französisch, was sie dort jetzt unternehmen, in Saint Eugène.Wundern würde es uns nicht, wenn dort gelegentlich auch ein vornehmer, solide gebauter Familiensitz angelegt würde. Das alte Herz schlägt wieder. Generationenübergreifend.

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