Das wir-Magazin wollte in einer Kurzumfrage von Familienunternehmen erfahren, ob und wie die Digitalisierung die Nachfolgepläne im Familienunternehmen und bei der Übertragung von Unternehmensanteilen beeinflusst. Die Kernergebnisse im Überblick.

Martin Viessmann hat im vergangenen Jahr den Chefposten bei den Viessmann Werken ein Jahr früher geräumt als geplant und sich in den Verwaltungsrat zurückgezogen. Seinen Platz als CEO hat Joachim Janssen eingenommen, der zuvor Chief Digital Officer war. Sohn Maximilian Viessmann ist als Chief Digital Officer in die Firma eingestiegen und treibt die Digitalisierung mit hohem Tempo voran. Auch Fabian Kienbaum ist 2014 in die familiengeführte Personalberatung als Verantwortlicher für das digitale Weiterentwicklung und das Investmentgeschäft gestartet. 2018 wird er in dritter Generation Vater Jochen Kienbaum als Firmenlenker ablösen.

Zwei Ausnahmen? Bislang gibt es zwar nur wenige Beispiele von jungen Nachfolgern, die verantwortlich für die Digitalisierungsstrategie sind. Aber in Zukunft dürften es deutlich mehr werden. Die neue wir-Umfrage zeigt: Mehr als die Hälfte der befragten Familienunternehmer sagt, dass die digitale Revolution die Nachfolgeplanungen beeinflusst. Die Anforderungen an den Nachfolger sind strenger geworden, und zugleich zieht sich der Patriarch früher zurück als geplant, damit der Nachfolger den digitalen Wandel ungestört vorantreiben kann (siehe Grafik). Ob sich diese Lücke mit einem Nachfolger aus der Familie schließen wird, bleibt für die Hälfte der Befragten ungewiss. Denn zum einen interessieren sich viele Nachfolger für eine Karriere außerhalb des Familienunternehmens, zum anderen fehlt es noch an der Qualifikation.


Beeinflussen die Herausforderungen der Digitalisierung Ihre Nachfolgepläne? ‘Befragte von n=76’

Quelle: wir-Magazin


Das ist ein Ergebnis der wir-Umfrage „Zukunftssicherung Familienunternehmen“, die das wir-Magazin mit Hannover Finanz, Livingstone, Oppenhoff & Partner sowie QSC durchgeführt hat. Ausgewertet wurden 76 gültige und vollständige Antworten der befragten wir-Leser. Ein weiteres Ergebnis ist, dass die Unsicherheit über die „richtige“ Digitalisierungsstrategie noch relativ groß ist, vor allem wenn es um die Frage geht, inwieweit man sich für Investitionen in die digitale Welt öffnet (siehe Grafik). Die Bereitschaft, sich Netzwerken und Clustern anzuschließen, ist groß, solange damit keine Kapitalverflechtung verbunden ist. Die befragten Unternehmen investieren lieber in einen eigenen Inkubator als in Start-ups. Aber es tut sich dennoch etwas: Co-Investments und die Öffnung für fremdes Beteiligungs- und Wachstumskapital sind kein Tabu mehr. Triebfeder ist hier die junge Generation, wie die Beispiele Kienbaum und Viessmann zeigen.

Nur zaghaft brechen traditionelle Denkmuster auf. Die größten Chancen der Digitalisierung sieht ein Großteil der Befragten ganz klassisch in der Prozessoptimierung und der Reduzierung von Kosten. Auch die traditionell enge und starke Kundenbindung der Mittelständler wollen die Befragten mit der Digitalisierung stärken. Nur jedes dritte Unternehmen sieht die Chance, neue Produkte zu entwickeln und Geschäftsmodelle anzupassen. Die Expansion in neue Technologien und Branchen spielt für die Befragten so gut wie keine Rolle.


Wie begenen Sie den strategischen Herausforderungen der Digitalisierung?

Quelle: wir-Magazin


Die Zukunft der Nachfolger und ihrer Unternehmen wird auch davon abhängen, inwieweit eine erfolgreiche Digitalisierungsstrategie entwickelt werden kann. Zwei Drittel der Befragten sehen in einer unzureichenden Digitalisierungsstrategie ein mittelgroßes oder sogar großes Hindernis in ihrem Unternehmen, um es zukunftsfähig zu machen. Als noch gefährlicher werden der Ressourcenengpass und die mangelnde Fachkenntnis eingeschätzt.

Somit schlägt die Stunde der jungen Generation. Natürlich sind die Erfahrung und das Markt- und Kunden-Know-how der Seniorgeneration unverzichtbar im Miteinander von Alt und Jung. Aber der Druck auf die ältere Generation steigt: Sie muss Platz schaffen für junge digitale Generation. Und noch mehr: Sie muss um den Nachwuchs für die Familienfirma werben. Sonst werden immer mehr junge Nachfolger in der jungen Start-up-Szene ihren beruflichen Weg gehen. Martin Viessmann und Jochen Kienbaum haben es schon mal geschafft, dass ihr eher traditionelles Unternehmen auch für ihre Söhne interessant ist.

Info

Mehr Informationen zur Umfrage: p.gessner@wirmagazin.de

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