Zwei Unternehmer – Frank Straub (E.G.O. Blanc und Fischer & Co. GmbH) und Karl Tack (Rhodius Mineralquellen und Getränke GmbH & Co. KG) – über die größten politischen Baustellen rund um die Bundestagswahl. Ein Doppelinterview.

Wo sehen Sie die derzeit größten Baustellen – in welchen Politikfeldern ist der Handlungsbedarf besonders hoch?

Frank Straub: Eine Förderalismusreform – insbesondere im Bildungswesen (Hochschulen/ Universitäten), aber auch darüber hinaus – ist besonders wichtig. Eine Vereinfachung der Steuergesetzgebung ist überfällig. Die Euro-Zone muss auf einen pragmatischen und durchhaltbaren Kurs ausgerichtet werden. Austritte in eine eigene Währung dürfen kein grundsätzliches Tabu sein.

Karl Tack: Die größte Baustelle sehe ich aktuell in der ins Stocken geratenen Energiewende. Hier fehlt offensichtlich der politische Mut, mehr Markt zu wagen und die Fehlkonstruktion des EEG zu beseitigen. Die Erneuerbaren müssen schrittweise an den Markt herangeführt werden, Subventionsorgien beseitigt und die Ausbauprozesse, zum Beispiel Stromtrassen, Smard Grids, Speicherkapazitäten, auf nationaler und europäischer Ebene synchronisiert werden.

Welche Form der Erbschaftsteuer halten Sie für sinnvoll? Mit welchen Änderungen rechnen Sie, und wie bereiten Sie sich darauf vor?

Straub: Sinnvoll ist, das derzeitige sogenannte Verschonungsmodell beizubehalten, das insbesondere den Familienunternehmen die Generationenfolge erleichtert und somit dem Mittelstand, der Stütze unserer Volkswirtschaft, hilft. Allerdings wird durch das Urteil des Bundesverfassungsgerichts eine Korrektur nicht ganz vermeidbar sein. Bei einem möglichen Regierungswechsel wird diese Korrektur jedoch brutal zuschlagen.

Tack: Das vom Verband Die Familienunternehmer – ASU mitentwickelte „Abarbeitungsmodell“ ist sinnvoll und sollte erhalten bleiben, da es die Übertragung von Betriebsvermögen auf die nächste Generation ohne Substanzverlust sichert. Die Umsetzung des Modells ist allerdings zu komplex, so dass ich mit einer Vereinfachung rechne, allerdings auch mit einer Einschränkung des Privilegs für Betriebsvermögen.

Wie beurteilen Sie die Euro-Rettungspolitik? Welche Auswirkungen hat sie kurz- und langfristig auf Ihr Familienunternehmen?

Straub: Ich sehe sie kritisch, weil man im Fall von Griechenland und Zypern versäumt hat, ernsthaft die Möglichkeit eines Austritts aus der Euro-Zone in Erwägung zu ziehen. Negative Auswirkungen auf Familienunternehmen sind, was ihre Wettbewerbsfähigkeit betrifft, dann zu erwarten, wenn die Euro-Zone zerfallen sollte. Entweder durch einen Austritt Deutschlands – das würde man uns nicht verzeihen – oder dadurch, dass auch die großen Volkswirtschaften nicht mehr gemeinschaftlich durchfinanziert werden können.

Tack: Die Stabilität des Euro ist eine Grundvoraussetzung für ein solides Wachstum nicht nur in Europa, sondern vor allem auch in Deutschland. Deutschland hat allerdings als eines der ersten Länder in Europa Anfang des vergangenen Jahrzehnts massiv gegen die Stabilitätskriterien des Maastrichter Vertrags verstoßen. Erst mit der „Agenda 2010“ fand Deutschland zurück auf den Pfad der Tugend. Die Euro-Rettungspolitik halte ich daher für sinnvoll, solange die Hilfen für verschuldete Staaten an Bedingungen zur radikalen Kürzung des Staatshaushaltes geknüpft werden, verbunden mit dem erforderlichen Umbau der Sozialsysteme und des Arbeitsmarktes. Hier erwarte ich mehr Standfestigkeit der Bundesregierung.

Wie stehen Sie zur Substanzbesteuerung, und welche Form der Ertragsteuer wäre aus Ihrer Sicht kompromissfähig?

Straub: Die Substanzbesteuerung sehe ich extrem kritisch, da sie auf die Liquiditätssituation der Unternehmen keine Rücksicht nimmt und zu einer nachhaltigen Eigenkapitalschwächung führt. Diese ist in Deutschland im internationalen Vergleich ohnehin unterdurchschnittlich. Einen Kompromiss sehe ich in der Kapitalertragsteuer, die durchaus etwas angehoben werden kann. Dies muss jedoch so maßvoll geschehen, dass keine größere Kapitalflucht ausgelöst wird. Ohnehin ist schwer vermittelbar, warum Einkommen aus Kapitalvermögen höher besteuert wird als Einkommen aus Arbeit.

Tack: Jegliche Form der Substanzbesteuerung ist schädlich, insbesondere für Unternehmen, die sich in einer Krise bzw. Umstrukturierungsphase befinden. Die aktuelle Höhe der Ertragsteuer ist angemessen und führt zu keiner Schwächung des Wirtschaftsstandorts Deutschland. Es besteht keinerlei Handlungsbedarf für Steuererhöhungen.

In der derzeitigen Legislaturperiode gab es Richtungsänderungen in der Energiepolitik. Mit welchen Auswirkungen auf die Energiekosten rechnen Sie, und wie wirkt sich das auf Ihr Familienunternehmen aus?

Straub: Ich halte den noch früher als ursprünglich geplant beabsichtigten Ausstieg aus der Atomenergie auch nach Fukushima für nicht zwingend notwendig. Auch wenn dies vom Energieaufkommen her offensichtlich machbar ist, habe ich die Entwicklung unterschätzt. Der abnehmende preisgünstige Atomstromanteil bedeutet, dass die Energiekosten kräftig steigen und weiter steigen werden. Dies ist für die internationale Wettbewerbsfähigkeit ein großes Problem. Nicht nur für die energieintensiven Chemie- und Stahlunternehmen. Allein unsere Gruppe hatte 2012 erhöhte Energiekosten von etwa 1,5 Millionen Euro.

Tack: Die aktuelle Energiepolitik wird leider ideologisch instrumentalisiert und durch einen naiven Voluntarismus in eine Sackgasse getrieben. Wenn wir uns in Zukunft nicht mehr auf die preisbildenden Mechanismen des Marktes, das Know-how deutscher Ingenieure und die Innovationskraft unserer Wirtschaft verlassen, sondern immer mehr nach dem Staat rufen, werden die Energiepreise planmäßig weiter steigen. Die Wettbewerbsfähigkeit unseres Unternehmens, das im internationalen Wettbewerb steht, aber nicht von der EEG-Umlage befreit ist, wird nachhaltig eingeschränkt.

Die öffentliche Unzufriedenheit mit der Politik ist groß, Politik(er)schelte allgegenwärtig. Was tun Sie, um Einfluss auf wirtschaftspolitische Entscheidungen zu nehmen, um die Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und Politik zu verbessern?

Straub: Ich bin seit nahezu 20 Jahren Mitglied im Wirtschaftsrat und über zehn Jahre im Bundesvorstand aktiv und engagiert. Dies ist für mich eine ideale Plattform, um auf die Politik Einfluss zu nehmen. Des Weiteren bin ich Kuratoriumsmitglied der Stiftung Familienunternehmen, die große Familienunternehmen gegenüber der Politik sehr wirkungsvoll und professionell vertritt. Leider stelle ich fest, dass viel zu wenig Unternehmer sich in diesem Bereich hinreichend engagieren.

Tack: Ich arbeite seit fast 20 Jahren im Gemeinderat und bin Mitglied des Verbandes Die Familienunternehmer – ASU. Politikerschelte ist einfach und billig – Mitgestaltung ist anspruchsvoller und zielführender.

Welche politische Vision haben Sie für das Jahr 2020?

Straub: Ich stelle mir unser Land als einen „Vorbildstaat“ vor, ohne dies mit einem übertriebenen Sendungsbewusstsein oder mit Arroganz zu verbinden. Sowohl unser Demokratieverständnis als auch unsere bewährte soziale Marktwirtschaft sollen weiterhin Leuchtturm-Charakter haben. Deutschland muss weiterhin ein Fels in der Brandung sein. Eine unserer weiteren Stärken ist die soziale Partnerschaft zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmerorganisationen, um die uns die ganze Welt beneidet. Mit einer Vision für 2020 verbinde ich aber auch eine Veränderung der ausufernden Parteiendemokratie. Dabei muss politische Arbeit wieder attraktiver werden.

Tack: Europa ist weiter zusammengewachsen auf Basis vereinheitlichter sozialer Standards und eines re formierten Arbeitsmarktes. Alle Staaten haben eine Schulden bremse verfassungsrechtlich verankert, der Emissionshandel sowie der Ausbau der erneuerbaren Energien haben zu einer deutlichen Reduktion klimaschädlicher Treibhausgase geführt. Die deutsche Fußballnationalmannschaft gewinnt die Europameisterschaft 2020.

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