Vor fünf Jahren übernahm Prinz Luitpold von Bayern die Porzellan Manufaktur Nymphenburg. Mit neuen Ideen will er gut betuchte Kunden für ein fast vergessenes Luxusprodukt begeistern.

Es ist laut in der Mahlküche im nördlichen Schlossrondell von Schloss Nymphenburg in München. Unablässig rattert unter den strengen Augen des Massemüllers Dieter Zeus die Kugelmühle und vermengt Kaolin, Quarz und Feldspat nach geheimer Rezeptur zu einer geschmeidigen Masse. Im Anschluss wird gepresst, gerührt, gelagert, geknetet. Alles in allem vergehen drei Jahre, bis die Porzellanmasse verarbeitet werden kann. Seit 1761 wird am Standort Schloss Nymphenburg feinstes Porzellan herstellt. Die Produktionsmethoden einschließlich des durch Wasserkraft angetriebenen Riemensystems zum Antrieb der Mühlen stammen aus längst vergangenen Tagen. Alles, vom Ansetzen der Masse bis zum Dekor, wird nach wie vor von Hand gemacht – ein Luxus, den sich heute außer Nymphenburg kein Porzellanhersteller mehr leisten mag. 2011 übernahm Luitpold Prinz von Bayern die Manufaktur vom Wittelsbacher Ausgleichsfonds in seinen Privatbesitz. Der Ausgleichsfonds verwaltet seit dem Ende der Monarchie 1918 einen Teil des Vermögens der ehemaligen bayerischen Herrscherfamilie. Ähnlich wie bei einer Familienstiftung erhalten die Familienmitglieder jährliche Ausschüttungen, das Vermögen darf jedoch nicht aufgezehrt werden.

Luitpold Prinz von Bayern: „Mir ging es um Kulturerhalt“

Bei Nymphenburg waren über Jahrzehnte notwendige Investitionen ausgeblieben, das Unternehmen war defizitär. Das ehemals „weiße Gold“ fand zu wenig Käufer. In einem freien Bieterverfahren sicherte sich Prinz Luitpold den Zuschlag, vor einem chinesischen Staatsfonds. „Die waren zu langsam“, sagt der 65-Jährige und grinst zufrieden. „Hätten die Chinesen den Zuschlag erhalten, wären über 30.000 Entwürfe, Archivalien, Musterstücke und Formen, die in den vergangenen 300 Jahren hier entwickelt wurden, für uns unwiederbringlich verlorengegangen.“ Um zu verstehen, warum dem Prinzen Nymphenburg so sehr am Herzen liegt, hilft ein Blick auf die Geschichte: Einst vom Kurfürsten Max III. Joseph als Prestigeprojekt gegründet, befand sich die Porzellan Manufaktur über Jahrhunderte im Besitz des bayerischen Königshauses Wittelsbach, bis sie Mitte der siebziger Jahre an den Ausgleichsfonds übergeben wurde. „Mir ging es vor allem um Kulturerhalt“, erklärt Luitpold Prinz von Bayern die Kaufentscheidung und fügt schnell hinzu, dass er fest an die Zukunft des Porzellanherstellers glaube.

Luitpold Prinz von Bayern ist kein Schöngeist und Träumer. Seine Fähigkeiten als Sanierer hat der Urenkel des letzten Königs von Bayern Ludwig III. bereits in einem anderen schwierigen Markt, dem Biermarkt, unter Beweis gestellt. Die Anfang der fünfziger Jahre von seiner Mutter erworbene Königliche Schlossbrauerei Kaltenberg geriet in den siebziger Jahren in Schwierigkeiten. Prinz Luitpold änderte die Markenpolitik und verschaffte dem Unternehmen in der Nische „dunkle Biere“ einen komfortablen Marktanteil von heute 40 Prozent in Bayern. Zudem trieb er den Export und die Lizenzproduktion im Ausland voran. Noch heute widmet er als Geschäftsführer der König Ludwig International GmbH und Co. KG den Großteil seiner Zeit der Schlossbrauerei.

Auch bei Nymphenburg musste erst einmal gründlich saniert werden. Die Renovierung des nördlichen Schlossrondells dauerte zwei Jahre, neue Öfen wurden angeschafft. Die auf viele verschiedene Lager verteilten Produkte wurden zusammengelegt und kategorisiert, Betriebsabläufe optimiert. Mit Anders Thomas, der zuvor für die Holding Schlossbrauerei Kaltenberg tätig war, übernahm ein Vertrauter des Prinzen die Geschäftsführung in Nymphenburg.

Neue Geschäftsideen vom Prinz

„Unsere Manufaktur ist klein, die Kapazitäten sind begrenzt. Also müssen wir uns auf die Qualität unseres Porzellans konzentrieren“ erklärt Prinz Luitpold die Strategie. Es gibt genügend potentielle Kunden, man muss ihnen unser Produkt nur nahebringen.“ Dass das nicht einfach ist, weiß er. Die für Nymphenburg bekannten Rokokofiguren von Franz Anton Bustelli und Geschirre mit üppigen floralen Motiven – das Motiv des Rokoko-Service Cumberland gilt als das aufwendigste Blumendekor der Welt – treffen den Geschmack einer nur kleinen Kundengruppe. Durch die Zusammenarbeit mit bekannten zeitgenössischen Künstlern wie Ted Muehling, Tobias Rehberger und Kiki Smith knüpft Prinz Luitpold an die Tradition der Zusammenarbeit mit zeitgenössischen Künstlern an. Mittels der Kunst und neuen modernen Designs sollen neue Käufergruppen erschlossen werden.

Ein weiteres Geschäftsfeld mit Potential sieht er in der Herstellung von individualisierten Service. „Durch unsere Freihandmotivmaler sind wir in der Lage, für jeden Kunden Service mit der gewünschten Dekoration und eigenem Signet herzustellen. Gerade hat ein französischer Kunde ein 200-teiliges Service für 18 Personen im Design der Pariser Weltausstellung von 1900 bestellt. Anstatt Süßwasserfische wollte er aber Salzwasserfische, weil er an der Côte d’Azur lebt“, erzählt Prinz Luitpold stolz und hält zur Veranschaulichung die Süßwasservariante hoch.

Luitpold Prinz von Bayern ist selbst der wichtigste Marketing- und Vertriebsmitarbeiter der Manufaktur. Er nutzt seine Verbindungen aus dem Biermarkt in viele Länder und zu anderen Adelshäusern, um potentielle Kunden anzusprechen. Auch seine beiden Vettern, Leopold und Wolfgang, die beide Mitgesellschafter der Manufaktur sind, nutzen ihre Kontakte. „Wolfgang ist sehr viel im Golfsport unterwegs und Leopold im Automobilrennsport, unsere Netzwerke ergänzen sich.”

Aus den ehemaligen Verwaltungs- und Direktorenbüros sind inzwischen Ausstellungsräume geworden. “Wir müssen zeigen, was wir alles können”, sagt Luitpold Prinz von Bayern. Interessierte Kunden empfängt er oft höchstpersönlich. Als neuen Geschäftsbereich möchte der geschäftstüchtige Prinz als Nächstes den Bereich Innenausstattung ausbauen. In Zusammenarbeit mit Innenarchitekten entstehen neben individuellen handgemachten Fliesen auch Arbeitsflächen ohne Fuge.

Ein internationales Händlernetz, “Conceptstores” in den großen Metropolen sowie ein Netz von Architekten und Interiordesignern für die Planung und Umsetzung von individuellen Maßarbeiten sollen dafür sorgen, dass Kunden und feinstes Porzellan künftig noch schneller zusammenfinden. Prinz Luitpold ist überzeugt, dass Porzellan als Luxusprodukt eine Renaissance erleben wird. Vielleicht nicht in der breiten Masse, aber in einer kleinen, sehr wohlhabenden Käuferschicht. Gut möglich, dass ihm das auch gelingen wird.

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