Dr. Jan Klingele ist Geschäftsführender Gesellschafter des Wellpappeherstellers Klingele. Wie sieht er das Unternehmen hinsichtlich steigender Energiekosten aufgestellt? Und welche Maßnahmen ergreift er?

Als Hersteller von Papier und Verpackungen aus Wellpappe benötigen wir erhebliche Mengen an thermischer und elektrischer Energie. Der Strombedarf in der gesamten Gruppe entspricht dem Verbrauch von 150.000 durchschnittlichen Haushalten. Daher unternehmen wir schon seit vielen Jahren erhebliche Anstrengungen, um unseren Energiebedarf möglichst verantwortungsvoll und umweltfreundlich zu decken. Im Jahr 2000 waren wir noch stark von Erdgas und zugekauftem Strom abhängig.

Dank Investitionen im deutlich dreistelligen Millionen-Euro-Bereich setzen wir aktuell nur noch zu 17 Prozent fossile Brennstoffe ein und stellen unseren Wärmebedarf weitgehend aus Biomasse, Reststoffen und Biogas her. Mehr als die Hälfte unseres Strombedarfes erzeugen wir selbst nachhaltig aus Biomasse, Reststoffen, Wasserkraft, Biogas, Windkraft und Photovoltaik. Als Familienunternehmen denken wir langfristig und waren deshalb bereit, diese Investitionen zu tätigen, obwohl viele sich zunächst nur sehr langfristig rechneten. Bei den aktuellen Energiepreisen können wir uns freuen, dass unsere Entscheidungen nicht nur umweltfreundlich waren, sondern uns nun auch deutliche wirtschaftliche Vorteile geben.

Info


Die heutige Klingele Paper & Packaging Group hat ihre Wurzeln im Jahr 1920: Damals gründeten Alfred Klingele und seinen Schwager Emil Holfelder den Papierhersteller im badischen Wiesloch. 1952 trennten sich die Gründer und agierten als unabhängige Unternehmer weiter. Familie Holfelder entschied sich zu Beginn der neunziger Jahre für den Verkauf, danach wechselte das Unternehmen in zehn Jahren noch drei Mal den Eigentümer. Heute ist es Teil der irischen Smurfit Kappa Group, von den ehemaligen fünf Werken existieren nur noch zwei. Dieses Beispiel vor Augen betont Jan Klingele umso nachdrücklicher: „Wir wollen in jedem Fall unabhängig bleiben.“ Heute macht die Klingele Gruppe 1 Milliarde Euro Umsatz und beschäftigt 3.200 Mitarbeiter. Gesellschafter des Familienunternehmens sind Klingele selbst, sein Sohn und seine Schwester, die auch im Beirat sitzt. Dass er selbst die operative Leitung des Unternehmens nach dem Tod seines Vaters 1992 übernehmen würde, war für Jan Klingele selbstverständlich. Gern erzählt er, wie er als Kind sein erstes Wellpappewerk aus Lego gebaut habe, „ziemlich maßstabsgerecht“, wie er sagt. Sein eigener Sohn ist im Grundschulalter, aber bereits Gesellschafter.

 

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