Dirk Möhrle wollte die Baumarktkette Max Bahr retten. Gelungen ist ihm das nicht. Nun will er sein Glück beim Suhrkamp Verlag versuchen.

Es hätte mir großen Spaß gemacht, Max Bahr in die Zukunft zu führen“, sagt Dirk Möhrle ein bisschen traurig. Nach all den Jahren ist die Identifikation noch hoch. Sein siebenjähriger Sohn habe vor kurzem bemerkt, dass man seinen Baumarkt nun rot angestrichen habe, erzählt Möhrle. In seinem Büro in der Oranienburger Straße in Berlin, dem Sitz der Möhrle Group, sind Zeitungsausschnitte über die Insolvenz der Baumarktkette an die Wand gepinnt.

Sieben Jahre hatte Dirk Möhrle die Geschicke der Hamburger Baumarktkette mit zuletzt knapp 4.400 Mitarbeitern geleitet, bevor er 2004 die Geschäftsführung und seine Gesellschafteranteile abgab und eigene Wege als Immobilieninvestor ging. Vorangegangen waren „Diskussionen“ im Gesellschafterkreis. Möhrle wollte das aus seiner Sicht „tadellos aufgestellte Unternehmen“ in die Zukunft führen, sein Vater und seine Geschwister zweifelten jedoch daran, ob die Familie langfristig den Belastungen des harten Wettbewerbs standhalten könne. Möhrle stieg aus, er wollte den Verkauf nicht mittragen. Knapp zwei Jahre später veräußerten sein Vater und seine Geschwister an den Konkurrenten Praktiker, der im vergangenen Jahr Insolvenz anmeldete und Max Bahr mit sich riss.

Verschenkte Zukunft

Dirk Möhrle wollte Max Bahr retten. Gemeinsam mit einem Konsortium aus Reinhold Semer, dem Inhaber der Hellweg-Baumärkte, und der Familie Trautwein (EDE) bot er für die gelbe Baumarktkette. Doch die Verhandlungen mit der Royal Bank of Scotland, der größten Gläubigerbank der insolventen Immobiliengesellschaft Moor Park, die einst den Baumarkt-Immobilienbestand von der Familie Möhrle übernommen hatte, scheiterten. Die Weichen waren längt gestellt. „Die Bank hat uns benutzt, um den Preis hochzutreiben“, ist Möhrle überzeugt. Am Ende gingen die Filetstücke an den rot-orange-farbenen Konkurrenten Bauhaus.

Wütend ist er deshalb nicht. Auch seinem Vater macht er keine Vorwürfe. Im Gegenteil: Dass dieser in den Medien für die Zerschlagung von Max Bahr verantwortlich gemacht wird, hat Möhrle sehr getroffen. „Man kann ihm vorwerfen, dass er an den Falschen verkauft hat. Doch man sollte nicht vergessen, was für ein Werk mein Vater vollbracht hat.“ Schließlich habe er Max Bahr groß gemacht, nimmt Möhrle den Senior in Schutz. Sein eigenes Bemühen um Max Bahr sei keine Frage der Aufarbeitung der Vergangenheit gewesen. „Max Bahr war bis zuletzt gesund. Das Unternehmen hätte eine Zukunft gehabt“, versichert er.

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Aufstieg und Niedergang von Max Bahr

Im Jahr 1956 übernimmt der Holzkaufmann Peter Möhrle die Max Bahr Holzhandlung und baut sie nach amerikanischem Vorbild zum Baumarkt aus. 1963 eröffnet die erste Filiale in Hamburg. Ab 1994 kommen Gartencenter hinzu. Auf Wunsch seines Vaters tritt Sohn Dirk Möhrle, der selbst nach dem Abschluss seines BWL-Studiums einen Gartenmarkt gegründet hatte, 1997 zunächst in den Beirat der Baumarktkette ein, ein Jahr später übernimmt er die Geschäftsführung. In den darauffolgenden Jahren baut er das Unternehmen aus und erreicht einen Umsatz von gut 800 Millionen Euro bei knapp 4.400 Mitarbeitern. 2004 zieht sich Dirk Möhrle aus dem Familienunternehmen zurück. Zwei Jahre später verkauft sein Vater Peter Möhrle die Baumarktkette an die börsennotierte Praktiker-Gruppe. Die Immobilien von Max Bahr werden separat an den britischen Fonds Moor Park veräußert. Im Juli 2013 muss Praktiker Insolvenz anmelden, Moor Park wird ebenfalls zahlungsunfähig. Der Versuch des Konsortiums aus Dirk Möhrle, der Dortmunder Baumarktkette Hellweg und der Unternehmerfamilie Trautwein, Max Bahr vor dem Aus zu retten, scheitert an den Sicherheitsforderungen des größten Moor-Park-Gläubigers, der Royal Bank of Scotland. Ein Angebot der saarländischen Handelskette Globus wird ebenfalls abgelehnt. Anfang März dieses Jahres endet die 135-jährige Geschichte von Max Bahr. 63 der insgesamt 75 Filialen werden an Handelshäuser und Baumarktketten veräußert. Die meisten Filialen gehen an den ehemaligen Konkurrenten Bauhaus.

Nun hat Möhrle Zeit, sich anderen Projekten zuzuwenden, die nicht weniger herausfordernd sind. Beispielsweise seinem Engagement bei der Medienholding AG Winterthur oder seiner Beteiligung beim Impulse Verlag, bei dem er Anfang 2013 eingestiegen ist. Eigentlich ist Möhrle Immobilieninvestor. Nach seinem Ausscheiden aus dem Familienunternehmen ließ er sich in Berlin nieder. Bereits seit Mitte der Neunzigerjahre hatte Möhrle dort mit ein paar Freunden vorwiegend in Wohnobjekte investiert und ein Fundament geschaffen, das ausbaufähig war. 2005 erwarb Möhrle von seinem Freund, dem Kunsthändler und Suhrkamp-Anteilseigner Hans Barlach den KunstHof Berlin, eine Wohn- und Gewerbehofanlage, und richtete dort sein Büro ein. Mittels der Möhrle Group, in der neben der DCM Immobilien noch drei weitere Investmentvehikel zusammengefasst sind, kauft, betreibt und mitunter verkauft Möhrle Wohn- und Gewerbeobjekte in guten oder besten Lagen. Gelegentlich investiert der 50-Jährige gemeinsam mit einem Freund, meistens jedoch allein. Er genießt die Unabhängigkeit und die Freiheit, weitgehend allein entscheiden zu können, ohne sich wie früher mit der Familie abstimmen zu müssen.

Aus dem Bauch heraus

Doch Immobilien sind eben keine Unternehmen. Irgendwann ließ sich das Unternehmer-Gen nicht mehr unterdrücken. „Ich wollte mehr“, sagt Möhrle. Auf einem Rundflug hatte Hobbypilot Möhrle Impulse-Chefredakteur Förster kennengelernt. Als Möhrle von den Verkaufsabsichten des Mutterverlags Gruner + Jahr las, griff er zum Telefon und erwarb schließlich die Minderheit an dem ertragsschwachen Wirtschaftsverlag. „Wenn mir nur genügend Leute abraten, investiere ich“, sagt Möhrle und grinst. Im Januar dieses Jahres eilte er nun auch seinem Freund Hans Barlach zu Hilfe und wurde Verwaltungsrat der Medienholding, die Minderheitsgesellschafterin beim umkämpften Suhrkamp Verlag ist. Nun möchte er sich im Rahmen der durch den Insolvenzplan vorgesehenen Kapitalerhöhung auch finanziell beteiligen. Die Medienholding braucht nach der Planinsolvenz des Verlages dringend Kapital.

Dass sich Barlach und Verlagschefin und Mehrheitsanteilseignerin Ulla Unseld-Berkewicz seit Jahren einen zerstörerischen Rechtsstreit nach dem anderen liefern, schreckt ihn nicht. „Bei Suhrkamp wird sich noch einiges entwickeln, wenn der Streit erst einmal beigelegt ist“, sagt Möhrle und hofft, dass er seinen Beitrag dazu leisten kann. „Verlag kann ich zwar nicht“, räumt er ein, „aber ich bin flexibel genug, Chancen zu erkennen und zu ergreifen.“ Seine Kindheit als Unternehmersohn habe ihn in dieser Hinsicht geprägt. Neben den zwei Verlagsbeteiligungen hält Möhrle noch weitere Minderheitsbeteiligungen aus den verschiedensten Branchen. Er investiert in junge und etablierte Unternehmen in Berlin, Hamburg, Kassel oder wo immer sich Gelegenheiten ergeben. Zu jedem einzelnen Projekt verfolge er eine Strategie. „Ich betreibe meine Beteiligungen wie die Filialen von Max Bahr“, sagt Möhrle lapidar. Einen übergreifenden Ansatz gibt es nicht. Er weiß, dass dies eine Schwäche ist. „Wenn Sie mich jetzt fragen, wie man das alles organisieren soll, was ich mache, dann kann ich heute keine Antwort darauf geben.“ Sicherlich werde er sich dieser Frage stellen müssen. Doch derzeit ist dafür keine Zeit. Neue Projekte warten schon.

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