Mit dem Verkauf von Schwarz Pharma im Jahr 2006 wurde das Vermögen der Familie plötzlich verfügbar. Antonis Schwarz hat nach seinem Studium viel ausprobiert, um mit seinen Mitteln die großen Probleme unserer
Zeit anzupacken, und setzt sich unter anderem für grüne Politik und höhere Steuern für Vermögende ein. Damit eckt er an und steht manchmal auch im Zwist mit sich selbst.

Mit einer Wahlkampfspende in Höhe von 500.000 Euro an die Grünen ist Antonis Schwarz eine öffentliche Person in Deutschland. Was die meisten Unternehmerfamilien aus Gründen der Diskretion oder aus Furcht vor Neiddebatten scheuen, ist für Schwarz kein Tabu. Im Gegenteil: Er findet sogar, dass sich Vermögende stärker in den öffentlichen Diskurs einbringen sollten, um die notwendigen Veränderungen in Wirtschaft und Politik zu gestalten.

Dafür nimmt der 33-Jährige dann auch in Kauf, dass er nicht von allen gemocht wird. Belege dafür finden sich – wie so häufig in der heutigen Zeit – im Internet. Dort kann man Kolumnen zu seiner Person lesen, die zum Teil harsch mit ihm in die Kritik gehen, und zwar von allen Seiten des politischen Spektrums: Ein liberal-konservatives Meinungsmagazin schießt gegen Antonis Schwarz. Von links kommen ebenfalls Widerworte zur Persona Schwarz. Moralisch-makelloser Unternehmenserbe und grüner Zukunftsprediger hier, jovialer Schnösel und Kapitalismusgewinner da, so lautet eine Auswahl der mitunter wenig schmeichelhaften Titel.

Ein Polster für die Bildung

Ein kurzer Blick zurück: Rolf Schwarz-Schütte und sein Vater Anton Schwarz riefen 1946 das Unternehmen Central-Laboratorium Reichelsheim Dr. A. Schwarz KG ins Leben. Eines der ersten Produkte war „ferro sanol“, ein orales Eisenpräparat zur Behandlung von Eisen- und Folsäuremangel. Der Vorstandsvorsitzende Patrick Schwarz-Schütte, Sohn von Rolf Schwarz-Schütte, führte das Unternehmen 1995 an die Börse und in den MDAX. Elf Jahre später veräußerte die Gründerfamilie ihre Unternehmensanteile an den belgischen Pharmakonzern UCB, dessen Hauptaktionär damals die belgische Industriefamilie Janssen war. Knapp 4,4 Milliarden Euro in bar und eigenen Aktien war dem Konkurrenten das deutsche Familienunternehmen mit mehr als einer Milliarde Euro Umsatz und mehr als 4.000 Mitarbeitern zu jenem Zeitpunkt wert.

Sucht Perspektiven: Antonis Schwarz.

Sucht Perspektiven: Antonis Schwarz. / Foto: Nils Schwarz

60 Prozent von Schwarz Pharma kontrollierte die Familie zum Zeitpunkt des Verkaufs über die Schwarz Vermögensverwaltung. Aufsehen erregte nicht nur der Deal, sondern auch die danach gezahlte Sondervergütung. Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Schwarz Pharma, unabhängig von Funktion und Position, erhielten nach der Transaktion je 10.000 Euro aus der Tasche der ehemaligen Eigentümerfamilie. Ein Ereignis, das ihm positiv in Erinnerung geblieben ist, wie Antonis Schwarz erzählt.

Bis zur Veräußerung hatte das Unternehmen Schwarz für Antonis Schwarz keine große Bedeutung. Seine Familie wohnte in München, nicht in Monheim am Rhein, wo das Unternehmen seinen Sitz hatte. „Die Aktionärsversammlungen waren nett. Ich kann mich erinnern, dass wir als Kinder da immer irgendwo gespielt haben und unsere Eltern hinter verschlossenen Türen Dinge entschieden haben“, erzählt er. Sein Vater hatte einen Sitz im Aufsichtsrat inne. Aber mehr war da nicht.

Als der Unternehmensverkauf finalisiert wurde, rückte Schwarz Pharma für die unternehmensferne Familie schlagartig in den Mittelpunkt. „Ich habe das wie einen Lottogewinn wahrgenommen“, blickt Antonis Schwarz zurück, der damals 16 Jahre alt war. Das Vermögen der Familie war plötzlich in Zahlen greifbar, nicht mehr im Unternehmen gebündelt. Der „Jackpot“ habe seinen Werdegang einschneidend verändert, sagt Schwarz. „Ich hatte ein riesiges Polster im Rücken und konnte mich entscheiden, an super Unis zu studieren.“

In London und Madrid besuchte Antonis Schwarz die Studiengänge European Studies und Management. Sein Vater indes gründete ein Family Office, um das verfügbare Vermögen so zu strukturieren, dass es für weitere Generationen ausreichen wird. Antonis Schwarz ist dort heute schon teilweise operativ tätig, aber in begrenztem Umfang. Vor allem gebe er Impulse zum Thema Nachhaltigkeit und Impact-Investment, erläutert er. Aber seine Zeit und sein Herzblut steckt der 33-Jährige in eine Vielzahl verschiedener philanthropischer Projekte, die sich Politik und Gesellschaft widmen.

Wege des Impacts

Alles begann im Studium. „Meine Kommilitonen haben stark aufs Geld und den Status geschaut. So bin ich nicht aufgewachsen, und ich wollte mehr schaffen als das“, blickt Schwarz zurück. Erste Anlaufstellen waren ein Bundestagsabgeordneter der Grünen, bei dem er ein Praktikum machte, die Impact-Beteiligungsgesellschaft BonVenture in München sowie Griechenland, das Heimatland seiner Mutter, in dem er als Kind ein Jahr lebte. Antonis Schwarz beendete sein Studium, als Griechenland 2013 in Not war und zog nach Athen, wo er sich selbst ein Bild von den Folgen der schweren Wirtschaftskrise machte.

Schwarz gründete dort die NGO „Vouliwatch“, die Idee stammte von der deutschen Plattform Abgeordnetenwatch. Das Prinzip der öffentlichen Online-Plattform für den Austausch mit Politikern kannte Antonis Schwarz aus seiner Zeit bei BonVenture, denn der Fonds war einer der Unterstützer von Abgeordnetenwatch. Politik und Gesellschaftsthemen haben ihm es ohnehin angetan, sagt er und hätte sich auch vorstellen können, Politiker zu werden. Allemal weiß Schwarz seine Situation einzuschätzen. Ohne das Geld aus dem Verkauf des Unternehmens wäre sein Leben ganz anders verlaufen, sagt er. In Interviews spricht er dann von der Wunderwaffe des Vermögens, mit der er die Welt ein bisschen besser machen will. Und Initiativen unterstützt er heutzutage viele, nicht nur in Deutschland, sondern weltweit.

Dabei ist er oft als finanzieller Unterstützer tätig, hin und wieder – wie bei Vouliwatch – als Gründer. Geldgeber ist er beispielsweise bei der Bürgerbewegung Campact oder der Klimaschutzorganisation GermanZero, wo er seine „Heimat“ in Klimafragen hat. Denn GermanZero setzt sich dafür ein, dass Deutschland bis 2035 klimaneutral wird und das Pariser Weltklimaabkommen von 2015 als prioritäres Ziel ansieht.

Der Unternehmenserbe hat außerdem die Guerrilla Foundation mit ins Leben gerufen. Sie unterstützt die Aktivisten, die auf eine grundlegende Systemverbesserung in ganz Europa hinarbeiten. Unterstützung erhalten unter anderem die Gay Liberation Front in Großbritannien, die sich für Menschen mit unterschiedlichen Identitäten oder sexuellen Orientierungen einsetzt, das Border Violence Monitoring Network, das sich für Rechte von Geflüchteten einsetzt, oder die Common Thing Foundation, eine von Frauen geführte gemeinnützige Organisation in Polen, die in dem Land gesellschaftliche Veränderungen anstoßen will.

Politische Einflussnahme

Und dann war da eben auch die Spende an die Partei die Grünen. Dass sein Name und der Betrag von 500.000 Euro öffentlich und transparent sind, ist für ihn selbstverständlich. Denn in einer funktionierenden Demokratie brauche es Transparenz, wenn es um Einflussnahme und Finanzierung geht, findet Schwarz und kritisiert bei diesem Thema Jens Spahn, dessen Spenden beim Fundraising Dinner nicht offengelegt werden mussten, weil sie mit 9.999 Euro genau einen Euro unter dem meldepflichtigen Betrag lagen. Dass sich Spahn in der Folge noch mit Covid infizierte, das will Schwarz nicht kommentieren.

Es gehe ihm nicht um politische Grabenkämpfe. „Ich finde es gut, wenn man sich politisch engagiert, egal wo, solange es im Rahmen der demokratischen Grundordnung passiert“, sagt Schwarz. Denn mit der Stabilität der Demokratie, sagt er, „steht und fällt unser Wohlstand“. Deswegen sei es essentiell, Korruption aufzudecken, um der Politikverdrossenheit entgegenzuwirken.

Dass Unternehmerinnen und Unternehmer in eben jener Demokratie für weniger Steuern werben und die Union oder die FDP unterstützen, findet Schwarz zwar naheliegend. „Aber meine Ideen von Wirtschaft und Wohlstand sehe ich nicht schwerpunktmäßig in diesen beiden Parteien vertreten“, sagt er. Aber auch die Grünen verkörpern nicht alle seine Überzeugungen, denn in Klimafragen gehe ihm die Partei nicht weit genug. Dass mit seiner Spende am Ende angesichts des enttäuschenden Wahlergebnisses der Grünen nicht wirklich viel Impact erzeugt worden sei, scheint er verkraftet zu haben. Der Wahlkampf sei nicht gut geführt worden, urteilt Schwarz über die Strategie und Kommunikation des Teams von Annalena Baerbock.

Warum ist Antonis Schwarz für höhere Steuern?

Von einer zukünftigen Regierung wünscht sich Antonis Schwarz höhere Steuern. Denn er ist Mitglied von „#Taxmenow“, einer Initiative, mit der deutsche Millionärinnen und Millionäre eine höhere Besteuerung von Millionenvermögen fordern – 21 von 50 Mitgliedern präsentieren sich öffentlich mit vollem Namen auf der Webseite. Das ist Futter für die liberal-konservativen Kommentatoren im Netz, die Schwarz ankreiden, ein verblendeter Weltverbesserer zu sein.

Dabei sind seine Ansichten zur Steuer gar nicht so hart, wie sie scheinen mögen. Und er lasse sich von anderen auch überzeugen und korrigiere seine Ansichten, sagt Schwarz und erzählt, dass er sich von der Idee der Vermögensteuer, die er zu Beginn gut fand, mittlerweile ein Stück weit distanziert hat. Er ist weiterhin für eine Reform der Erbschaftsteuer und für eine progressive Kapitalertragsteuer. Zu wenig komme unten in der Gesellschaft an, sagt Antonis Schwarz. Er wünscht sich eine Veränderung in gesundem Maße.

Dabei weiß er den Markt durchaus zu schätzen. Denn an der Börse holt er sich die finanziellen Mittel, die er in seine gemeinnützigen Projekte steckt. Die Gewinne, die er am Kapitalmarkt erzielt, gibt er als Spendengelder an Initiativen und Projekte weiter. „Um 5 bis 8 Prozent kann man am Kapitalmarkt solide sein Vermögen wachsen lassen. So wächst im Grunde jedes gut gemanagte Vermögen immer weiter“, sagt Schwarz.

Für seine Impact-Investments setzt er die Renditeziele ein bisschen kleiner an. 4 bis 5 Prozent hat Schwarz hier im Blick und bündelt alle Aktivitäten, die Impact und Rendite versprechen, unter dem Titel „Good Move Initiatives“. Das Controlling und Reporting steuert das Family Office seines Vaters. Also investiert Antonis Schwarz in verschiedene Fonds, national wie international, von Venture-Kapitalgebern bis hin zu Private Debt und Equity-Ansätzen in Lateinamerika oder Afrika. Auch mit Direktinvestments hat es Schwarz im Impact-Bereich versucht, musste aber erkennen, dass er weder das Wissen noch die Zeit hat, sich um solche Investments zu kümmern.

Nachrichtenlose Vermögenswerte

Denn mit der Rolle als Gesellschafter ist – ebenso wie beim Vermögen – Verantwortung verbunden, findet Schwarz. Dass nicht alle Unternehmerinnen und Unternehmer so konsequente Wege gehen möchten wie er, ist ihm klar. Er sieht dennoch große Vermögenshalter in Deutschland in der Pflicht, Veränderung auf den Weg zu bringen. Dafür müsse man nicht spenden oder aktiv werden, sondern schlicht bei Asset-Managern mehr Nachhaltigkeit fordern, erklärt Schwarz und erzählt von einem Besuch bei einem Münchner Vermögensverwalter, bei dem er vor einigen Jahren nach ESG-konformen Anlageprodukten fragte. Wie sich herausstellte, hatte die Firma solche Angebote zu der Zeit noch nicht im Portfolio. „Heute“, sagt Schwarz und lacht, „wirbt die Bank sogar mit ihren grünen Anlagemöglichkeiten.“ Wenn die Nachfrage großer Vermögensinhaber nach solchen Produkten steige, greifen auch die Marktmechanismen. Solche Aussagen dürften Wasser auf die Mühlen der liberal-konservativen Medien sein.

Wer sich mit Schwarz unterhält, der merkt, dass es in seinen Vorstellungen so einfach sein könnte, positive Veränderungen auf den Weg zu bringen. Wenn Deutschland beispielsweise nachziehen würde, was Impact-Investing angehe. Da blickt der Deutsch-Grieche ins Vereinigte Königreich oder nach Norwegen: Dort werden sogenannte nachrichtenlose Vermögenswerte dazu genutzt, um das Impact-Investing-Ökosystem zu unterstützen. Als solche werden Bankguthaben oder Wertpapiere beschrieben, bei denen die Banken den Kundenkontakt verloren haben und nicht wiederherstellen konnten – oft passiert das, wenn der Eigentümer oder die Eigentümerin verstorben ist und sich keine Erben finden. Die aktuelle Regelung in Deutschland besagt, dass Kreditinstitute nachrichtenlose Konten als Gewinn in der Bilanz verbuchen können, vorausgesetzt, dass sich 30 Jahre nach dem Tod des Kontoinhabers kein potentieller Erbe meldet. Im Ausland werden die Gelder in staatsnahe Fonds übertragen. Zudem sind die Vermögenswerte öffentlich für die rechtmäßigen Besitzer leichter auffindbar sind. Überschüssiges Kapital des Fonds, das nicht abgerufen wird, wird in Impact-Investing-Fonds investiert.

Schätzungen zufolge könnte der Wert der nachrichtenlosen Vermögen in Deutschland bis zu neun Milliarden Euro betragen. Dieses Geld in nachhaltige Start-ups oder ähnliche Ideen mit Impact zu stecken würde Deutschland einen großen Boost versprechen, da ist sich Schwarz sicher. Die FDP und auch die Grünen haben Ideen zur Umsetzung dazu in ihr jeweiliges Wahlprogramm geschrieben. Das Thema ist inzwischen auch im Koalitionsvertrag vom 24. November berücksichtigt worden. Das sei nicht nur wichtig für das große Ganze, das Schwarz im Blick hat. Hin und wieder denkt er darüber nach, wie es wäre, irgendwo festangestellt zu arbeiten. „Manchmal fehlt mir das Selbstwertgefühl, weil ich mein Vermögen im Grunde nur geerbt habe“, sagt er. Energie schöpft er aus vergangenen Erfolgen und daraus, dass es vor allem in Sachen Klima heißt „jetzt oder nie“. Wir haben sieben bis acht Jahre, um die Erde zu erhalten, damit sie lebenswert bleibt, rechnet Schwarz vor. Um den Rest kann er sich auch noch später kümmern.

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