„Bender Industries GmbH & Co. KG ernennt Nicole Bender zur CFO.“ Für einen Redakteur des „wir“-Magazins liest sich die Meldung wie ein kleiner Goldfund: Geglückte innerfamiliäre Nachfolge, und dann auch noch – eine Seltenheit in unserer Blase – als weibliche CFO! Die Ernüchterung steckt im Kleingedruckten, denn: „Nicole Bender ist nicht verwandt oder verschwägert mit den Gesellschaftern des Unternehmens“, so meldet es Bender Industries im drittletzten Satz der Presseinformation. Doch kein Gold?
Den gleichen Namen wie das Unternehmen der eigenen Familie zu tragen, ist nicht per se gut oder schlecht. Aber es hat Effekte. Zum Beispiel erhöht es bei Außenstehenden die Annahme einer Zugehörigkeit. Nicht umsonst ist die Geschichte von Familienunternehmen voller kreativer Bemühungen, die Namenslinie fortzusetzen. Wer im Vorstand der Bender GmbH & Co. KG selbst mit Nachnamen Bender heißt, muss schon mal eine Frage weniger beantworten als jemand, der Breuer heißt (wie der zeitgleich angetretene CEO).
Allerdings, und genau das zeigt das Beispiel: Diese eine Frage ist die entscheidende. Bei wichtigen Verhandlungen – sagen wir etwa bei einer Finanzierungszusage – sollte man sich nicht auf die Vermutung verlassen, einer Gesellschafterin gegenüberzusitzen.
Dass die Bender-Gruppe die Situation klar kommuniziert, ist transparent und aller Ehren wert, aber wahrscheinlich punktuell. Es ist nicht davon auszugehen, dass Nicole Bender in jedem Gespräch als Erstes einen „Ich bin übrigens keine Gesellschafterin“-Disclaimer vorschaltet. Und das muss sie auch nicht. Dafür, sich nicht von Namen zu falschen Annahmen verleiten zu lassen, ist jeder selbst verantwortlich.
Das kann leider in Arbeit ausarten. Anders als Geschäftsführende Personen sind Gesellschafter nicht so leicht zu recherchieren, bei Anteilseignern von typischen Familienunternehmen (oder, noch schwieriger, Angehörigen der Unternehmerfamilien ohne Anteile) hilft auch das Handelsregister nicht immer weiter. Linkedin-Bio, alte Interviews, Personendatenbanken – hier ist Hartnäckigkeit gefragt. Und wenn man online gar nicht weiter kommt, hilft nur noch: die direkte freundliche Nachfrage. Insofern, wenn Sie es demnächst mit dem vermutlichen Gesellschafter eines Familienunternehmens zu tun haben: Starten Sie die Recherche, und denken Sie an uns.
