Lasst es knirschen!

Das Wort "geräuschlos" wird gern im Zusammenhang mit Nachfolgeprozessen verwendet. Gemeint ist es als Kompliment, ja als Ideal. Das ist Unsinn, findet wir-Redakteurin Sarah Bautz.

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Es gibt Wörter, die möchte ich nicht mehr benutzen. Dazu gehört seit neuestem: „geräuschlos“. Laut Duden gibt es zwei Verwendungen: Die wörtliche – „die Tür fiel geräuschlos ins Schloss“ – wird im Journalismus eher selten gebraucht. Die zweite hingegen deutlich häufiger. „Kein Aufsehen erregend“, so umschreibt der Duden die umgangssprachliche Bedeutung des Wortes.

Diese Variante findet sich oft in Politik- und Wirtschaftsberichterstattung wieder. Sie wird besonders häufig im Zusammenhang mit Nachfolgen verwendet. Dabei kann es um politische Kontexte gehen, kürzlich zum Beispiel bei Keir Starmer und seinem potentiellen Nachfolger Andy Burnham oder auch bei Verhandlungen zwischen Ministerpräsident Gordon Schnieder und seinem Vorgänger Alexander Schweizer in Rheinland-Pfalz.

Aber auch im Zusammenhang mit Unternehmensnachfolgen fällt die Beschreibung immer wieder. Genauer gesagt ist das Wort hier oft mehr als eine Beschreibung, es zeichnet ein Idealbild. Wer es geschafft hat, „geräuschlos“ zu übergeben oder zu übernehmen, der kann sich, so scheint es, auf die Schulter klopfen. Keiner hat etwas gemerkt, niemanden hat es gestört – alles richtig gemacht.

Ehrlich gesagt: Ich finde daran gar nichts gut. Wer Geräuschlosigkeit in der Nachfolge als Kompliment empfindet, so meine persönliche These, der muss Angst vor Veränderung haben. Geräuschlose Nachfolge impliziert, dass alles beim Alten bleibt. Was sendet das für eine Botschaft? Trauen wir den Stakeholdern im und um den Betrieb so wenig zu? Wollen wir wirklich lieber Sicherheit suggerieren, als die Veränderung – auch wenn es zwischenzeitlich knirscht – ehrlich anzugehen und ihre Chancen zu nutzen? Was für eine Hypothek wäre das für den Nachfolger oder die Nachfolgerin? So gering kann die Unsicherheitskompetenz der Beteiligten gar nicht sein!

Also, so fragen Sie sich vielleicht, von jetzt an nur noch Nachfolgen mit großem Getöse und viel Selbstdarstellung? Genau hier liegt womöglich das Missverständnis: Das eigentliche Gegenteil von Geräuschlosigkeit ist für mich nicht Drama, sondern Offenheit für Transformation. Gebt ihr eine Chance!

P.S.: Ich möchte übrigens auch nicht „geräuschlos“ regiert werden. Es soll sich doch was tun! Meinetwegen gern mit Ton.

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