Unternehmerfamilien und Nachhaltigkeit: Rendite statt Zukunft

Unternehmerfamilien priorisieren Rendite über Nachhaltigkeit. Redakteurin Sarah Bautz wirft einen kritischen Blick auf die Entwicklung.

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Wenn die deutsche Wirtschaft ein sinkendes Schiff ist – oder zumindest von vielen als solches wahrgenommen wird –, dann gibt es an Bord offenbar eine neue Devise, und die heißt: „Ich zuerst!“ Diesen Schluss legt das 4. „wir“-Barometer nahe, eine jährliche Befragung von Unternehmerfamilien durch dieses Magazin zum Thema Vermögenserhalt.

Daraus geht deutlich hervor, dass das Commitment von Unternehmerfamilien für nachhaltige Investments sinkt. Im Vorjahr investierten noch 20 Prozent der Befragten nachhaltig und verzichteten dafür auf Rendite, in diesem Jahr geben nur 15 Prozent an, diesen Weg zu gehen. Umgekehrt wollen aktuell 36 Prozent nur dann nachhaltig investieren, wenn sie nicht auf Rendite verzichten müssen – das entspricht zehn Prozentpunkten mehr als im Vorjahr. Zugleich sind die nominalen Renditeziele ehrgeiziger als vor einem Jahr. Das mag aufgrund der Inflation nachvollziehbar sein. Aber deshalb nachhaltige Investments aus dem Portfolio werfen, wenn die Rendite nicht mehr stimmt? Was ist da los?

Auf der einen Seite, auch das zeigt das „wir“-Barometer, fürchten sich Vermögensinhaber vor multiplen Krisen und Kriegen sowie Populismus und einer Spaltung der Gesellschaft. Auf der anderen Seite werfen sie zum Beispiel Ziele zu Klima und CO₂-Emissionen nur wegen ein paar Prozentpunkten Rendite über Bord. Auf unternehmerischer Ebene ist es zunehmend Konsens, möglichst nachhaltig zu agieren – in der Rolle des Investors dagegen offenbar nicht.

Wer sich so verhält, der beißt nicht nur die Hand, die ihn füttert. Er gibt die globalen Probleme unserer Zeit auch in voller Breitseite an die ­eigenen Nachkommen weiter – denen ein höheres Individualvermögen dann womöglich auch nicht mehr viel nützt. Denken in Generationen geht anders.

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