Wer rüstet, der rostet nicht

„Opa, was hast du eigentlich im Krieg gemacht?" Diese Frage wird sich die amtierende Generation in deutschen Familienunternehmen vielleicht eines Tages stellen lassen müssen, schreibt die Kolumnistin.

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Sind Kriege vielleicht genau das, was Deutschlands Industrie jetzt braucht? In den Wirtschaftsnachrichten der letzten Zeit könnte dieser Eindruck durchaus entstehen: Heidelberger Druckmaschinen baut jetzt Eurofighter, Motorenbauer Deutz macht jetzt Antriebssysteme für Drohnen, und Trumpf will Laserwaffen bauen. Dabei ist gerade letzteres ein gutes Beispiel dafür, wie die christlich geprägte Unternehmerfamilie mit sich rang, diesen Schritt zu gehen, und dafür sogar den Gesellschaftervertrag umschreiben musste.

Die christlich geprägte Autorin dieser Kolumne erwischt sich dabei, bei dem Einsatz von Lasern im Krieg an Star Wars zu denken, von Laserschwertern und Todessternen zu träumen und Ausrufe wie „Cool!“ und Star-Wars-Raumschiff-Schussgeräusche von sich zu geben, bevor ihr wieder einfällt, dass wir ja hier in der Realität sind. Und in der Realität sterben Menschen, wenn Waffen zum Einsatz kommen. Früher oder später: Immer. Auch wenn Unternehmen bis heute offiziell kommunizieren, die Laserwaffen und Drohnen nur „defensiv“ einsetzen zu wollen und nur gegen „Objekte“, nicht gegen Menschen. Noch sind wir als Menschheit nicht so weit, dass wir die Roboter für uns kämpfen lassen können, so dass statt Blut nur noch Öl vergossen wird. Und was jetzt im Iran und in der Ukraine passiert, oder gar im Gazastreifen, das will niemand. Auch dann nicht, wenn die Aktienkurse steigen.   

Die Aktienkurse von Heidelberger Druckmaschinen stiegen im Juli 2025 direkt um sechs Prozent, als das Unternehmen die Kooperation mit Vincorion für den Eurofighter bekannt machte. Dass der Einstieg in die Rüstung direkt so belohnt wird, liegt auch an der Politik. 108 Milliarden Euro investiert die Bundesregierung 2026 in die Verteidigung, ein historischer Höchststand. Familienunternehmen sollten sich jedoch die Frage stellen, wie sehr sie sich von einer Politik abhängig machen wollen, von der nicht klar ist, wie sie in Zukunft fortgeführt werden wird. Hinter diesen 108 Milliarden steckt ja keine Substanz, sondern Kredite. Und wie es mit Krieg und Frieden weitergehen wird, weiß niemand. Nicht einmal die, die ihn anfangen. Die Enkel der heutigen Unternehmerfamilien werden irgendwann erwachsen werden und kritisch auf die Unternehmensgeschichte blicken. Und vielleicht ist die heutige Generation diejenige, die sich in Zukunft die Frage gefallen lassen muss: „Opa, was hast du eigentlich im Krieg gemacht?“   

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