Gibt es das Unternehmergen? Redakteurin Sarah Bautz tut sich mit dem Begriff schwer. Denn niemandem wurde Erfolg einfach in die Wiege gelegt.

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Wenn es einen Begriff gibt, den man beim Floskel-Bingo für Familienunternehmen dringend braucht, dann ist es „DNA“. Viele Unternehmen benutzten den Begriff selbst in Bezug auf die eigene Geschichte. Nachhaltigkeit,
Diversität, Technologieverständnis – die Liste der Eigenschaften und Fähigkeiten, die nach Angaben der Familienunternehmer „Teil der eigenen DNA“ sind, ist beliebig verlängerbar. Das Bild des Erbguts ist nicht verwerflich, wenn auch ein wenig schief: Immerhin impliziert es, dass eine Tatsache oder Eigenschaft einfach gegeben ist und man sich nicht darum bemühen muss. Ob das die Botschaft ist, die man senden möchte, muss jedes Familienunternehmen für sich entscheiden.

Anders sieht es aus, wenn das Genetik-Argument im Zusammenhang mit einer Person in Spiel kommt. Nachfolger werden zu ihrem „Unternehmer-Gen“ beglückwünscht, nachdem ihnen das familienunternehmerische Talent „in die Wiege gelegt wurde“. So auch kürzlich im „Manager Magazin“: Unter dem Titel „Geborene Gewinner“ (online: „Wo der Erfolg in die Wiege gelegt ist“) erschien im Novemberheft ein Bericht über Geschwister im
Familienunternehmen am Beispiel der vierten Generation beim Textilhersteller Seidensticker.

Die Wortwahl löst nicht nur beim Floskel-Scanner roten Alarm aus, sie ist auch sachlich falsch. Einen bestimmten Werdegang auf die Geburt oder das Erbgut eines Menschen zurückzuführen ist wissenschaftlich fragwürdig. Zahlreiche Studien belegen zwar, dass die Gene eines Menschen Eigenschaften wie die Intelligenz zu einem bestimmten Prozentsatz beeinflussen. Doch der konkrete Lebens- und Berufsweg eines Menschen ist nicht denkbar ohne Umwelt, Lebensumstände, Sozialisation und Förderung. Und ja, natürlich gibt es auch Unternehmerfamilien, in denen diese Faktoren besonders förderlich ausfallen. Aber: Das hat nichts mit Genetik zu tun. Ebenso wenig wie die Berufswahl. Mein Vater war Kfz-Meister. Was lag in meiner Wiege? Ein Maulschlüssel?

Die oben genannte Schlagzeile ist daher gleich doppelt falsch. Es ist niemandem in die Wiege gelegt, ob er Bauingenieur, Manager oder Ergotherapeut werden wird – und erst recht nicht, ob er damit Erfolg haben wird oder nicht.

Ich höre schon die Reaktion: Sie mit Ihrer Goldwaage! Es ist doch nur ein sprachliches Bild. Das mag sein. Aber Worte schaffen Bewusstsein. Einfach vom Erfolg eines Unternehmerkindes auszugehen, nur weil es den Genpool der Familie teilt, ist weder klug noch fair. Für Menschen am Beginn ihrer Karriere schafft es unnötigen zusätzlichen Druck. Und im Falle des Erfolgs schmälert es die Eigenleistung. Warum sollte man das wollen?

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