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Es droht Ungemach am Arbeitsmarkt, mal wieder. Überbringer der Nachricht ist diesmal das „Manager Barometer 2023-2024“, für das die Executive-Search-Beratung Odgers Berndson 1324 Führungskräfte befragt hat. Bei den Rahmenbedingungen, die Führungskräften bei einem potentiellen neuen Arbeitgeber besonders wichtig sind, liegt ein alter Klassiker weit abgeschlagen auf Platz zwei: Die Innovationsfähigkeit des Unternehmens spielt für weniger als die Hälfte der Befragten eine Rolle. Auf Platz eins dagegen steht eine zur eigenen Person passende Unternehmenskultur mit mehr als 80 Prozent Zustimmung – der höchste Wert, seit die Frage 2019 das erste Mal gestellt wurde.
Für deutsche Unternehmen, die gern ihre Patente vor sich hertragen, ist das unbequem. Sie können sich nicht (mehr) darauf verlassen, Führungskräfte anzuziehen, nur weil sie tolle Technik oder Produkte bieten. Viel wichtiger ist den Befragten, dass sie sich am Arbeitsplatz wohlfühlen, Beruf und Familie vereinbaren können und dass ihre Arbeit wahrgenommen und geschätzt wird. Das Glück des Einzelnen wird immer mehr zum Maßstab für Karriereentscheidungen. „Dass Führungskräfte teils das Eigenwohl über das Gemeinwohl priorisieren, mag für den Mittelstand schwer verdaulich sein“, so die Diagnose von Prof. Dr. Nadine Kammerlander von der WHU.
Schwer verdaulich – das mag sein, kann aber auch mit einer überkommenen Vorstellung mancher Arbeitgeber zu tun haben. Was hatten sie denn gedacht? Dass Menschen sich bei Karriereentscheidungen überwiegend nach ihren eigenen Wünschen und Lebensentwürfen richten, ist keine Hiobsbotschaft, sondern der Normalzustand. Niemand sollte seinen Job mehrheitlich aus Altruismus machen, kein Krankenpfleger, keine Polizistin, kein Minister. Und übrigens auch kein Unternehmer. So sehr sie auch ihre Verantwortung für Mitarbeiter und Volkswirtschaft betonen: Kein Unternehmer ist langfristig erfolgreich ohne ein hohes Maß an Eigeninteresse. Wo sonst sollten die oft beschworene Leistungsbereitschaft und das überdurchschnittliche Engagement herkommen?
Wer sich über seine eigenen Wünsche hinwegsetzt und einen Job (oder die Unternehmensnachfolge) nur antritt, um dem Gemeinwohl zu dienen, tut weder sich noch der Organisation einen Gefallen. Ohne eigenen Antrieb entstehen unter Druck keine Diamanten, sondern Burnout und Misserfolg. Es gilt also – Überraschung! – bei Führungskräften das Gleiche wie bei Nachfolgern: Man muss ernsthaft mit ihrem freien Willen rechnen. Dass der sie ins betreffende Unternehmen führt, kann nicht vorausgesetzt werden.
