Warum Wolfgang Grupp ein Mediengenie ist

Wolfgang Grupp hat seine Nachfolge geregelt. Es hagelt Lob. wir-Redakteur Johannes Sill findet, dass genau dieser Umstand illustriert, wie clever Wolfgang Grupp eigentlich ist.

Artikel anhören
Artikel zusammenfassen
Teilen auf LinkedIn
Teilen per Mail
URL kopieren
Drucken

Externer Inhalt von Spotify

Um externe Inhalte anzuzeigen, ist Ihre widerrufliche Zustimmung nötig. Dabei können personenbezogene Daten von Drittplattformen (ggf. USA) verarbeitet werden. Weitere Informationen.

 

Würde man Menschen auf der Straße nach dem Umsatz des Textilunternehmens Trigema fragen, kämen sicherlich höhere Zahlen dabei heraus als die knapp 130 Millionen Euro, die das Unternehmen aus dem Zollernalbkreis tatsächlich umsetzt. Vor allem in den letzten Wochen sind die Firma und auch die treibenden Köpfe der Unternehmerfamilie medial omnipräsent. Dass Wolfgang Grupp seine Nachfolge geregelt hat, dürfte jeder wissen, der sich auch nur oberflächlich mit dem deutschen Mittelstand auseinandersetzt.

Nach der Verkündung kamen die Grupps so ziemlich überall zu Wort, wo es nur möglich war. In der Wirtschafts- und der Klatschpresse, auf den Sesseln von Sandra Maischberger oder gar unter Bäumen mit Florian Langenscheidt. Erzählt wird dort vor allem eine Erfolgsgeschichte. Wolfgang Grupp zeigt dem deutschen Mittelstand, wie Nachfolge geht, so der Tenor. Ein Autor traut sich sogar folgendes Lob des Prozesses zu: „Ohne Zögern, mit klarer Kante.“

Wer die Nachfolge-Saga aber länger verfolgt hat, wird bei solcher Lobhudelei stutzig. Druckste der Patriarch doch seit Jahrzehnten herum, wirkte entscheidungsschwach. Seine Frau werde nach seinem Tod über die Nachfolge entscheiden. Zugleich ließ er sich – frei nach Highlander – zu der Forderung hinreißen: „Es kann nur einen geben.“

Dass er sich da selbst Steine in den Weg gelegt, nie eine klare Ansage zur Nachfolge getätigt und so den Prozess sogar behindert hat, ist nun Schnee von gestern. Familie Grupp schafft es mit ihrer Kommunikationsstrategie, dass vom Zögern, Zaudern und Hadern des Patriarchen in zahllosen Artikeln kaum eine Spur zu finden ist.

In diesem Sinne ist Wolfgang Grupp dann doch ein Vorbild für den Mittelstand. Das Spiel mit der Öffentlichkeit und den Medien beherrscht er seit Jahrzehnten. Oft wurde er für sein Auftreten belächelt: in hölzernen Werbespots mit dem Affen, mit altertümlich wirkender Art samt Zweireiher, Krawattenkette und Einstecktuch, ebenso für laute, unverblümte Meinungsbeiträge. Hängengeblieben ist aber vor allem, dass Grupp ehrlich und authentisch wirkt. Und so geht die Rechnung am Ende auf. Denn wer viel kommuniziert, der lässt weniger Spielraum für Interpretation zu als der, der vor sich hin schweigt. Die Affen-Videos haben mittlerweile Kultstatus erreicht. Und Wolfgang Grupp beherrscht das Narrativ seiner Nachfolge nahezu einwandfrei.

LinkedIn
URL kopieren
E-Mail
Drucken

Weitere Podcasts