Herr Professor Peter Osypka, Sie haben 1997 die Peter-Osypka-Stiftung gegründet. Wie kam es dazu?
Die Osypka AG entwickelt seit der Gründung 1977 Produkte für die invasive Kardiologie für Erwachsene und für Kinder. Im Jahr 1996 habe ich mein Unternehmen verkauft. Mit einem großen Teil des Erlöses habe ich eine gemeinnützige Stiftung gegründet, mit dem Zweck, einerseits die medizinische Forschung zu unterstützen, andererseits notleidenden Menschen zu helfen. Zum Beispiel haben wir in Münster, Freiburg und Offenburg Stiftungsprofessuren in den Fächern Elektrophysiologie, Neurophysiologie und Medizintechnik geschaffen. Dass ich die Firma nur drei Jahre später wieder zurückkaufen würde, war damals noch nicht abzusehen.

Ich bin in meinem Leben selbst zwei Mal geflüchtet: das erste Mal als Kind aus Schlesien, das zweite Mal als junger Mensch nach Westdeutschland, weil ich als bekennender Katholik in der DDR nicht studieren durfte. Ich habe die Not in solchen Ausnahmesituationen selbst erfahren. Glücklicherweise haben wir mit Caritas International einen guten Partner gefunden. Indem wir Teile ihrer Projekte finanziell fördern, können wir zum Beispiel Flüchtlinge des Bürgerkriegs in Syrien unterstützen, ohne selbst einen bürokratischen Apparat aufbauen zu müssen. Wir können sicher sein, dass die Mittel der Stiftung effizient eingesetzt werden. Neben dem Gehalt für den Geschäftsführer hat die Stiftung so gut wie keine eigenen Kosten.
Was war bisher Ihr größter Erfolg?
Gemeinsam mit der Caritas haben wir vor zehn Jahren begonnen, Sozialstationen in Moldawien, Bulgarien und Rumänien aufzubauen. Gerade alte und kranke Menschen waren dort massiv unterversorgt. Das Projekt hat sich zu einem großen Erfolg entwickelt, die Sozialstationen sind inzwischen von staatlichen Trägern übernommen worden. Hier konnten wir wirklich eine gesellschaftliche Veränderung anstoßen. Nun arbeiten wir seit fünf Jahren in einem Projekt für behinderte Kinder in Tansania. Für sie gab es zuvor überhaupt keine Anlaufstelle, sie wurden, so schrecklich das klingt, einfach „entsorgt“. Mit Rehabilitationszentren schaffen wir auch dort dauerhaft neue Strukturen.
Info
Hat Theaterwissenschaft und Kunstgeschichte in Mainz und Paris studiert. Kam über die Kulturberichterstattung zur Tageszeitung. Seit 2007 Redakteurin in der F.A.Z.-Gruppe, seit 2015 fester Teil der wir-Redaktion, wo sie die Produktion des Magazins, das Programm der „wir-Tage“ und den Podcast verantwortet.

