Herr Kreke, Douglas ist Ihr Lebenswerk. Aus der kleinen Süßwarenkette Hussel haben Sie einen erfolgreichen Lifestyle-Konzern geformt. Doch seit das Unternehmen zu 80 Prozent dem Investor Advent International gehört, stehen mit Ausnahme der Parfümerien alle Aktivitäten auf der Verkaufsliste. Das muss Ihnen doch weh tun?
Jörn Kreke: Nein, das tut es wirklich nicht. Ich bin viel zu sehr Unternehmer und weiß, dass im Einzelhandel gerade jetzt tiefgreifende Veränderungen unerlässlich sind. Hussel hat mit den neuen Eigentümern Emeram Capital Partners eine gute neue Heimat gefunden. Über diese Lösung bin ich ehrlich froh. Im Übrigen gab es ja schon immer erhebliche Bewegungen in unserem Portfolio. In früheren Jahren gehörten ja auch mal Lebensmittelgeschäfte, Drogerien, verschiedene Modeläden und sogar ein Sportfilialist dazu. Als ich mit damals 29 Jahren an die Unternehmensspitze trat, war – im Gegensatz zu heute – Diversifikation angesagter Zeitgeist. Mit Süßwarengeschäften allein konnte das Unternehmen nicht wachsen, so viel stand fest. Dass wir dann mit dem Einstieg in die Parfümeriebranche gleich einen Volltreffer gelandet haben, war auch Glück.
„Douglas verduftet von der Börse“, wurde im vergangenen Jahr getitelt. Heute hat Advent das Sagen und die Familie Kreke mit 20 Prozent Anteil nur noch auf dem Beifahrersitz Platz …
Jörn Kreke: Auch das empfinden wir nicht so. Im Gegenteil: Wir haben jetzt wieder Ruhe an der Eigentümerfront und können in enger Abstimmung sehr viel schneller unsere gemeinsamen Pläne umsetzen. Und wir haben uns seinerzeit ganz bewusst für Advent entschieden, als wir als Familie die Douglas-Gruppe gemeinsam mit einem Investor übernehmen und von der Börse nehmen wollten. Denn selbstverständlich gab es damals auch mit anderen Private- Equity-Häusern Gespräche.
Henning Kreke: Spätestens mit dem Einstieg des Drogeriemarkt- Unternehmers Müller als größerer Einzelaktionär neben den Familien Oetker und Kreke gab es immer wieder Unruhe im Aktionärskreis. Keine gute Voraussetzung, um die tiefen Umbrüche in der Branche, die großen Herausforderungen des Online-Handels und die erforderliche Neuausrichtung von Thalia zu schultern. Wir wollten nicht die Getriebenen sein, sondern die notwendige Neuausrichtung unserer Gruppe unabhängiger und aktiver selbst vorantreiben. Unser Angebot an die Aktionäre und der Rückzug von der Börse waren also klar den Veränderungen der Branche geschuldet. Heute sind wir sehr viel schneller und flexibler.
Inwiefern? Können Sie das belegen?
Henning Kreke: Ganz eindeutig. Der größte Beweis ist die Übernahme der französischen Parfümeriekette Nocibé …
… die nach Brancheninformationen eine gute halbe Milliarde Euro schwer gewesen sein soll …
Henning Kreke: Unabhängig von der tatsächlichen Höhe des Kaufpreises, hätten Kaufpreis und die Finanzierungsmodalitäten jedenfalls eine große Diskussion ausgelöst, wären wir noch an der Börse notiert gewesen. So jedenfalls war es eine Wohltat, jenseits von Öffentlichkeit und Publizitätspflicht schnell und unkompliziert handeln zu können.
Jörn Kreke: Nocibé war schließlich die größte Akquisition in der Firmengeschichte.
Wie sehen die weiteren Wachstumspläne für die Douglas-Parfümerien aus? Gibt es noch Spielraum für weitere Zukäufe?
Henning Kreke: Zunächst hat das Zusammenführen von Nocibé und Douglas in Frankreich höchste Priorität. So haben wir zum Beispiel die Umfirmierung von Douglas auf Nocibé bereits erfolgreich abgeschlossen. Die Integration kommt also gut voran. Weitere Akquisitionen sind denkbar; das Kapital dafür steht zur Verfügung. Aber es muss eben auch die richtige Opportunität sein. Grundsätzlich hat Douglas das Potential, von einer starken europäischen zu einer globalen Marke zu werden.
Das klingt fast nach Überschrift für eine Börsenstory. Am Kapitalmarkt wird spekuliert, dass Douglas schon im kommenden Jahr an die Börse zurückkehrt.
Henning Kreke: Das möchten wir heute nicht weiter kommentieren. Allerdings war von Beginn an klar, dass Advent grundsätzlich nur ein Eigentümer auf Zeit sein wird. Das ist das Geschäftsmodell von Private Equity. Ein möglicher Börsengang wird dann sicherlich eine von mehreren Optionen sein.
Und welche Strategie verfolgt die Familie Kreke in diesem Zusammenhang?
Jörn Kreke: Wir haben fest vor, bei einigen unserer Tochtergesellschaften auch künftig beteiligt zu bleiben, in welcher Höhe auch immer.
Soll der Verkauf der übrigen Tochtergesellschaften bis zum möglichen Börsengang von Douglas abgeschlossen sein? Wie wir hören, sind die Investmentbanken beauftragt.
Henning Kreke: Über ungelegte Eier möchten wir nicht sprechen. So viel aber darf ich verraten: Wir haben die Gruppe inzwischen so aufgestellt, dass die einzelnen Tochtergesellschaften völlig unabhängig voneinander sind und wir als Eigentümer daher sehr viel freier agieren können, als das bisher möglich war. Alle Gesellschaften machen uns derzeit viel Freude, inklusive Thalia und Appelrath- Cüpper. Wie gesagt, inwieweit die Familie an den einzelnen Tochtergesellschaften beteiligt bleibt, ist offen. Ausgeschlossen ist aus heutiger Sicht nichts.
Die Krekes bleiben also Vollbluthändler?
Jörn Kreke: Das sowieso, aber Vollblut-Handelsinvestoren ist hier vielleicht der bessere Begriff.
Douglas-Gruppe – erst aufgebaut, dann zerlegt
In einem halben Jahrhundert haben Jörn Kreke (74) und Familie die Douglas-Gruppe (ca. 4 Milliarden Euro Umsatz) geformt. Der Rückbau geht schneller. Ende 2012 stieg der Finanzinvestor Advent mit 80 Prozent ein. Seitdem wurde Douglas von der Börse genommen, der Süßwarenfilialist Hussel an Emeram Capital Partners und die Juwelier-Kette Christ an den Finanzinvestor 3i verkauft. Auch Thalia und Appelrath-Cüpper stehen zur Disposition. Gestärkt wurde das Parfümeriegeschäft mit dem Zukauf von Nocibé in Frankreich. Familie Kreke bleibt mit 20 Prozent an der Gruppen-Holding beteiligt.
Nach dem Ausscheiden des Parfümerie-Chefs Manfred Kroneder leiten Sie die Sparte interimistisch mit. Werden Sie demnächst auch an der Spitze des Börsenrückkehrers Douglas stehen?
Henning Kreke: Ich sehe mich langfristig eher in der Rolle des Chairman und nicht als operativen Lenker der einzelnen Handelsaktivitäten der Gruppe. Meine Aufgabe an der Spitze der Douglas- Parfümerien ist zeitlich begrenzt, bis wir die richtige Person mit exzellenter Handelsexpertise und internationaler Erfahrung gefunden haben.
In diesen Tagen gibt es vielbeachtete Börsengänge von Internetfirmen wie Zalando oder Rocket Internet. Deren Gründer, die Samwer-Brüder, behaupten, Geschäfte seien Mittelalter, gebaut nur, weil es das Internet noch nicht gab. Was sagen Sie zu solchen Sprüchen?
Jörn Kreke: Mit Verlaub: Das ist Unfug und Wichtigtuerei. Natürlich wächst das Online-Geschäft kräftig, auch in der Douglas- Gruppe. Aber nicht mehr dreistellig, sondern zweistellig. Auch Douglas oder Thalia sind auf gutem Wege, in Deutschland 20 Prozent des Umsatzes online zu machen. Dennoch wird es besonders in den Großstädten und in den Top-Lagen und Einkaufszentren immer Top-Läden geben. Die Kunden wollen beides, im Geschäft einkaufen und über das Internet. Nicht von ungefähr eröffnen Online-Händler inzwischen auch stationäre Geschäfte.
Dass der Vater über viele Jahre hinweg den Sohn kontrolliert, ist zumindest für einen börsennotierten Konzern recht ungewöhnlich. Waren da nicht heftige Konflikte programmiert?
Jörn Kreke: Ich habe die Rollenverteilung vom ersten Tag an sehr ernst genommen und nie ins operative Geschäft hineingeredet. So, wie sich auch mein Vater seinerzeit bei meinem Amtsantritt nicht mehr operativ eingemischt hat. Wir haben die Governance-Regeln einer Aktiengesellschaft stets eingehalten …
Henning Kreke: … Das kann ich rundum bestätigen. Deswegen hat der enge Austausch auch immer so viel Spaß gemacht.
Der Reiz, die Dinge daheim im Wohnzimmer zu bereden, ist doch sicherlich groß.
Jörn Kreke (lacht): Bei uns wird nichts Geschäftliches im Wohnzimmer besprochen. Treffpunkt dazu war stets Montagmorgen in meinem Büro.
Wer folgt Ihnen, wenn Sie jetzt den Aufsichtsratsvorsitz niedergelegt haben und künftig Ehrenvorsitzender sind?
Jörn Kreke: Das ist noch nicht entschieden. Und wir wollen keinen Schnellschuss. Fest steht, dass der oder die Neue großes Verständnis für den Handel mitbringen muss. Bis ein geeigneter Nachfolger gefunden ist, wird mein bisheriger Stellvertreter Hans-Hermann Lotter das Gremium professionell leiten.
