Der starke Mittelstand bildet in Deutschland das Rückgrat der Wirtschaft. Insbesondere die zahlreichen Unternehmerfamilien sorgen auch in Krisenzeiten für wirtschaftliche Stabilität und den Erhalt von Arbeitsplätzen. Wie wichtig mittelständische Unternehmen für unsere Wirtschaftslandschaft sind, hat sich einmal mehr in den vergangenen Monaten gezeigt.

Zwar konnten auch sie sich der Konjunkturschwäche, angestoßen durch Herausforderungen wie Pandemie, geopolitische Verschiebungen und Zinswende, nicht entziehen. Aber anders als bei internationalen Konzernen verhindern sowohl die langfristige Orientierung von Unternehmerfamilien als auch ihr starkes Commitment zum Standort und den damit verbundenen Arbeitsplätzen häufig die Verlagerung ganzer Wertschöpfungsstufen in andere Regionen.
Diese ausgesprochene Stärke von Familienunternehmen setzt jedoch voraus, dass die – oftmals familienintern besetzte – Unternehmensführung und der Gesellschafterkreis mit der Krise umzugehen wissen: Kostenkontrolle, Transparenz bezüglich der Liquidität sowie das Setzen der richtigen Impulse in Sachen Forschung und Entwicklung sind entscheidende Faktoren für die Krisenfestigkeit eines Unternehmens. So kann mit der notwendigen Erfahrung und dem richtigen Gespür das Familienvermögen über Generationen erhalten und vermehrt werden.
Was aber, wenn die Möglichkeiten und Mittel der Familie, als Gesellschafter oder in einer Geschäftsführungsposition, begrenzt sind oder nicht mehr ausreichen? Wenn sich die operative Krise in eine unternehmensbedrohende Lage auszuweiten droht? Wenn auch von den Banken keine Unterstützung (mehr) zu erwarten ist beziehungsweise gerade aus dieser Richtung Ungemach droht?
Viele Unternehmer reagieren auf solche Situationen, indem sie externe Berater hinzuziehen, die zwar mit Rat bestmöglich zur Seite stehen, allerdings nur selten über das tatsächlich notwendige operative Know-how oder Eigenkapital verfügen. Auch die Berufung eines externen Geschäftsführers ist bei operativen Krisen nicht immer die ideale Lösung, da dieser sich nur in den seltensten Fällen selbst unternehmerisch beteiligen kann. Ein Notverkauf könnte in dieser Situation zwar potentiell das Fortbestehen des Unternehmens sichern, allerdings dem Familienvermögen schwer schaden. Eine Möglichkeit, den Wert des Unternehmens zu erhalten oder schon fast verlorene Werte wieder neu zu schaffen, stellt die Aufnahme eines operativ ausgelegten Investors dar.
Investoren, die beim Familienvermögen anpacken
Ein Beispiel für solche Investoren sind Industrieholdings. Durch ihre unternehmerische Ausrichtung bringen sie neben frischem Eigenkapital vor allem wichtige operative Unterstützung mit. Anders als reine Berater oder externe Manager stehen operative Investoren mit eigenem Geld im Risiko und packen selbst aktiv mit an. So kann eine Industrieholding Mittelständler durch verschiedene Maßnahmen gezielt dabei unterstützen, das Unternehmen wieder in ruhigeres Fahrwasser zu bringen: zum einen durch die Stärkung der Bilanz, beispielsweise über eine Kapitalerhöhung, zum anderen durch das Beistellen eigener operativer Experten.
Durch die operative Erfahrung können Entwicklungsprojekte richtig priorisiert, Produktionsprozesse effizienter gemacht, die Kapitalbindung im Lager reduziert oder Lieferketten weniger anfällig gestaltet werden. Ein weiterer Vorteil: Die Familie bleibt nicht nur am Unternehmen beteiligt, sondern kann zudem weiterhin in der Geschäftsführung oder im Aufsichtsrat tätig sein. Letzteres ist insbesondere in Krisenzeiten eine oft unterschätzte Rolle, da dadurch Kunden, Lieferanten wie auch Mitarbeitenden Kontinuität und Stabilität vermittelt wird.
Bevor die Entscheidung für einen Partner getroffen wird, sollten Unternehmerfamilien ihre Ausgangslage und Erwartungen gründlich analysieren (siehe Kasten unten). Zudem ist es wichtig, bereits im Vorhinein gemeinsam mit dem potentiellen Partner klar zu definieren, wie es nach der überstandenen Krise weitergeht. Dazu gibt es verschiedene Möglichkeiten: Einerseits kann die Partnerschaft mit dem bestehenden Investor fortgesetzt werden. Das hat den Vorteil, dass man auch über die Krise hinaus auf das operative Know-how und Unterstützung zurückgreifen kann. Andererseits kann der Ausstieg des Investors (auch schrittweise) erfolgen, beispielsweise durch den Rückkauf von Anteilen durch die Unternehmerfamilie selbst. Eine weitere Möglichkeit: Die Familie teilrealisiert das im Unternehmen gebundene Vermögen gemeinsam mit dem unternehmerischen Investor. So kann das Familienvermögen in andere Anlageklassen diversifiziert werden, oder man bleibt an einem Unternehmensteil beteiligt und investiert die realisierten Mittel in neue, zukunftsträchtige Bereiche.
Jahrelange Begleitung
Anders als Finanzinvestoren haben Industrieholdings keinen Druck, das Unternehmen nach einer bestimmten Zeit wieder zu veräußern – das gibt Zeit für den Turnaround, aber auch für den richtigen Moment des Ausstiegs. Nicht selten begleiten operative Investoren ihre Beteiligungen zehn Jahre oder länger – genug Zeit also, um beispielsweise der nächsten Generation den Einstieg ins Unternehmen mit Unterstützung eines erfahrenen Partners zu ermöglichen.
Gerade in Krisensituationen können unternehmerische Investoren mit ihrem Know-how und langfristigem Kapital den Familienunternehmen einen flexiblen Lösungsansatz aufzeigen. Für die Industrieholding werden so neue Werte geschaffen, für die Familien bleiben tradierte Werte erhalten – ein gutes Ergebnis für beide Seiten nach überstandener Krise.

