Das wir-Magazin hat zusammen mit der FAZ Business Media Research und der LGT Bank AG in einer Studie Daten erhoben, aus denen hervorgeht, wie deutsche Unternehmerfamilien ihr Vermögen weitergeben wollen. 131 Personen haben im Februar und März 2023 die Online-Fragebögen vollständig beantwortet, davon waren 62 Prozent als Gesellschafter operativ im Unternehmen tätig, 19 Prozent als Gesellschafter mit Gremienfunktion. Ein Drittel der befragten Unternehmerfamilien verfügte über ein Vermögen von mehr als 100 Millionen Euro.
Die Studie mit dem Titel „Die Kunst der Vermögensweitergabe – Wie Unternehmerfamilien sie planen, gestalten und umsetzen“ hat aber nicht nur eine quantitative, sondern auch eine qualitative Ebene: Im Zuge einer Roundtable-Veranstaltung in München wurden die Ergebnisse der Befragung einem kleinen Kreis von Gesellschaftern, Experten und Berater vorgestellt. Ihre Kommentare flossen in Form anonymisierter Zitate in die Studie mit ein.
Top-Priorität: Schutz des Unternehmens
„Mit wachsendem Vermögen steigt nicht zwangsläufig die Professionalität im Controlling,“ war eines dieser Zitate. Die Studie dokumentiert, dass die meisten Befragten diese Herausforderung erkannt haben: 44 Prozent analysieren die Struktur Ihres Gesamtvermögens immerhin einmal jährlich, 35 Prozent sogar halbjährlich.
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Bei der Frage, was bei der Vermögensweitergabe im Vordergrund steht, antwortet die Mehrheit der befragten Gesellschafter (53 Prozent), sie möchte vor allem das Unternehmen schützen. Erst mit weitem Abstand folgen die Antwortoptionen „Werterhalt des Familienvermögens“ (24 Prozent) und „finanzielle Absicherung der Familie“ (18 Prozent).
Zum Stichwort Asset Protection wurde die Frage gestellt, wovor genau die Gesellschafter ihr Vermögen eigentlich schützen wollen. Vor dem Staat, antworteten 74 Prozent, vor Haftungsrisiken gaben 59 Prozent an. Aber 32 Prozent und damit fast ein Drittel gab an, das Vermögen vor der eigenen Familie schützen zu wollen. Abgesehen vom Misstrauen in Staat und Politik, das die Studie belegt, herrscht auch innerhalb der Unternehmerfamilien kein bedingungsloses Vertrauen.
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NextGen fehlt Know-how bei der Assetallokation
Die Nagelprobe sowohl für die Familie als auch für Unternehmen und Vermögen ist der Erbfall. Ob der Vermögensschutz gelungen ist oder nicht, tritt in diesem Moment klar zutage, aber auch familiäre Spannungen werden deutlich. Beinah ebenso kritisch wie die Einschätzung staatlicher Akteure liest sich die Einschätzung der eigenen Nachkommen, was das Know-how im Themenfeld der Vermögensallokation betrifft.
Nur 31 Prozent schätzen das Know-how ihrer Erben beim Thema Vermögensallokation als „groß“ ein; bei „sehr groß“ sind es gar lediglich 6 Prozent. Fast die Hälfte schätzen Wissen der Erben gering, also „klein“, 12 Prozent „sehr klein“.
Interessant ist die Diskrepanz zwischen dem vermuteten Know-how und dem vermuteten Interesse der Erben: Glatte 50 Prozent glauben, das Interesse der Erben am Thema Vermögensallokation sei „groß“, 17 Prozent gar „sehr groß“. Nur 4 Prozent glauben, dass es „sehr klein“ ist, und ein Viertel der Befragten schätzt das Interesse der Erben auf „klein“. Kleines Know-how trifft also auf großes Interesse in der Einschätzung der befragten Gesellschafter, was ihre eigenen Erben betrifft.
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Nicht vor den Kindern
Dazu passt, dass bei Weitem nicht alle, die die Vermögensweitergabe im Erbfall bereits geregelt haben, die Erben auch darüber informieren. 33 Prozent derjenigen, die ihr Erbe geregelt haben, lassen diejenigen, die diese Entscheidung primär betrifft, über ihre Vorbereitungen im Dunkeln. Nur 67 Prozent antworten auf die Frage „Die Inhalte des Testaments sind allen Erben bekannt“ mit „Ja“. 35 Prozent aller Befragten geben an, den Erbfall noch gar nicht geregelt zu haben.
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Hat an der Uni Bamberg Germanistik, Philosophie und Kommunikationswissenschaften studiert. Zuvor arbeitete sie als Redakteurin am Zukunftsinstitut von Matthias Horx. Bei dem Magazin brand eins in Hamburg entdeckte sie ihre Liebe zum Wirtschaftsjournalismus, der sie seit März 2023 beim wir-Magazin frönen darf.

