René Benko: Der Enkeltrick der ­Superreichen

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„Raten Sie, wer hier mit René Benko am Pool sitzt?“, schrieb die auflagenstärkste österreichische Tageszeitung einst über den Immobilienunternehmer. Die „Kronen Zeitung“ lud ihre Leser zum munteren Ratespiel ein. Joschka ­Fischer könnte dagesessen haben, schuldet ­Benko ihm doch bekanntlich Geld. Wie so vielen. Ex-­Julius-Bär-Chef Philipp Rickenbacher, der durch Benko seinen Job verlor, könnte ebenfalls seine Füße – und vielleicht seine Wut? – abgekühlt haben. Niemand wäre schockiert, am Plantschbecken des einstigen Immobilien-Genies Vertreter arabischer Staatsfonds anzutreffen. Schließlich haben sie den Gründer der insolventen Signa-Gruppe auch schon verklagt. Wie so viele. Alle anderen Investorengruppen – Privatiers, Unternehmerfamilien, Gründer, Immobilienentwickler –, die von Benko umgarnt wurden oder versuchten, ihn zu umgarnen, hätten aber auch am Pool Platz nehmen können.

Wann kommt die Blockbuster-Doku zu René Benko?

Wie viele Folgen werden eigentlich die Netflix-Autoren brauchen, die gesamte Signa-Saga in einer epischen Doku-Reihe zu verfilmen? Ob sich darin dann auch die ewig kritischen Familienunternehmer äußern werden? Denn auch von den immer reservierten und am liebsten im Stillen handelnden Familienunternehmern hat sich eine Auswahl an René Benko die Finger verbrannt. Wie so viele. Selbst auf unseren kleinen, aber feinen „wir“-Events schmückten sich einst Gesellschafterinnen und Gesellschafter mit ihrer Nähe und dem Rendite-Upside, das ihnen der österreichische Immobilien-Guru untergejubelt hatte.

Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, denn das Schauspiel um Benko erinnert doch etwas an jene tragischen Fälle derer, die auf den Anruf eines Trickbetrügers hereingefallen sind und einen Batzen hart erspartes Geld ins Nirgendwo geschickt haben. Immerhin wird die Saga dafür gut sein, Allzumenschliches noch einmal erstaunt wie belustigt in den Blick zu nehmen – während der Netflix-Doku dann eben Popcorn mampfend auf der heimischen Couch. Ob sich ein Gefühl der Betroffenheit einstellen wird, wenn verjährte Statements von Privatiers oder Privatbankern davon berichten, wie ihnen der scheinbare Macher Benko einst das Blaue vom Himmel versprach?

Und der Vollständigkeit halber: Es ging der „Kronen Zeitung“ natürlich in Wahrheit um Alfred Gusenbauer, Ex-Bundeskanzler von Österreich und Ex-Beirat der Signa-Holding sowie Ex-Aufsichtsratschef von Signa Prime und daneben auch Ex-Aufsichtsratschef von Signa Development. Und von Wirecard wissen wir ja: Wenn Kanzlerinnen und Kanzler als Bürgen auftreten, dann kommen ganz, ganz sichere Anlagen dabei raus.

Hat Internationalen Journalismus in Magdeburg studiert. Schrieb schon davor für die Südwest Presse in seiner Heimat Ulm. Sammelte zudem Auslandserfahrung bei der Allgemeinen Zeitung in Windhoek, Namibia, sowie bei Kwanza TV in Daressalam, Tansania. Seit 2017 Redakteur bei F.A.Z. BUSINESS MEDIA und Mitglied im Redaktionsteam des wir-Magazins.