Der Verkauf des Lebenswerks an Finanzinvestoren war bis vor gut zehn Jahren noch Tabu. Das hat sich geändert. Mittelständer veräußern ihr Unternehmen oder auch Teile ihres Unternehmens immer häufiger an Private-Equity-Gesellschaften. Umgekehrt setzen immer mehr dieser Eigenkapitalgeber auf kleine und mittlere Familienunternehmen: Knapp die Hälfte der befragten 350 Private-Equity-Häuser investiert in Firmen mit einem Umsatz von bis zu 50 Millionen Euro. Knapp ein Drittel sucht Unternehmen, deren Umsatz zwischen 50 und 250 Millionen Euro liegt. Das ist ein Ergebnis der Studie „Die deutsche Beteiligungsbranche 2025“, die die Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Rödl & Partner im August veröffentlicht hat. Von den 350 Befragten sind alle Investmentgesellschaften in Deutschland aktiv, die meisten arbeiten in einer eigenen Niederlassung.
Wenn Finanzinvestoren Gespräche mit ihren Targets aufnehmen, verhandeln 52 Prozent am liebsten exklusiv. 33 Prozent bevorzugen Auktions- und Bieterverfahren. Für 14 Prozent kommen beide Verhandlungs- und Verkaufsverfahren infrage.

Obwohl die Private-Equity-Branche schwierige Jahre hinter sich hat und das wirtschaftliche Umfeld von Unsicherheiten geprägt ist, verfolgen die Investoren ehrgeizige Renditeziele. Die meisten, 43 Prozent, wollen eine Rendite zwischen 20 und 30 Prozent erreichen. 19 Prozent sind noch anspruchsvoller und haben mehr als 30 Prozent Rendite im Visier. Blickt man auf die Entwicklung seit 2023, verfolgen haben die Investoren ihre Renditeerwartungen insgesamt nach oben geschraubt.
Verkäufer fordern zu viel
Die Autoren der Studie haben auch nach den Dealbreakern bei Verhandlungen gefragt. Während die Finanzierung von Transaktionen im Small- und MidCap-Bereich kaum ein Engpass darstellt, sind überhöhte Preisvorstellungen der Verkäufer mit Abstand die größte Hürde in den Verhandlungen. Eine deutliche Mehrheit, 86 Prozent, geben an, dass Gespräche an unrealistischen Bewertungen des Verkäufers scheitern. 41 Prozent sagen, dass ihnen die personenabhängige Abhängigkeit des Geschäftsmodells zu risikoreich erscheint und sie daher die Gespräche abbrechen.
Die Branchen, in die Finanzinvestoren überwiegend investieren, sind Industrials, Services, IT/Software sowie Healthcare. Hingegen stehen die Bereiche Retail (B2B), Energy und Commodities ganz unten auf der Targetliste.
Petra Gessner ist Diplom-Volkswirtin und seit 2015 Chefredakteurin des wir-Magazins. Ihr akademischer Weg führte sie von Freiburg im Breisgau in die USA und nach Chile, wo sie sich mit der Wirtschaftsgeschichte Lateinamerikas auseinandersetzte. Seit 2000 arbeitet sie in der F.A.Z.-Verlagsgruppe und ist Gründungsmitglied des Corporate Finance Magazins „FINANCE“, wo sie die Themen M&A und Private Equity verantwortete.

