Die familieninterne Nachfolge ist die bevorzugte Nachfolgelösung für kleine und mittlere Firmen (KMU) in Deutschland. Das IfM Bonn (Institut für Mittelstandsforschung) hat die Metaanalyse 23 verschiedener Studien durchgeführt und ist dabei zu dem Schluss gekommen, dass in den letzten 40 Jahren 54 Prozent der Firmen familienintern übergeben wurden. 17 Prozent konnten unternehmensintern übergeben werden, und 29 Prozent der Übertragungen erfolgten an externe Führungskräfte, andere Unternehmen oder andere Interessenten von außerhalb. In ihrem Paper „Unternehmensnachfolgen in Deutschland 2026 bis 2030“, das im Dezember 2025 veröffentlicht wurde, hat das IfM aber auch beobachtet, dass die familieninternen Übergaben seltener werden: Vor 2010 haben noch 55 Prozent der Firmeninhaber familienintern die Nachfolge lösen können, nach 2010 waren es mit 51 Prozent weniger.
Externer Inhalt von Datawrapper
Um externe Inhalte anzuzeigen, ist Ihre widerrufliche Zustimmung nötig. Dabei können personenbezogene Daten von Drittplattformen (ggf. USA) verarbeitet werden. Weitere Informationen.
Für ihre Metaanalyse haben die IfM-Autoren Markus Rieger-Fels, Nadine Schlömer-Laufen, Olga Suprinovič, Andreas Rauch und Ella Wiesenhütter nur Studien berücksichtigt, die realisierte oder bereits geregelte Nachfolgen behandeln – die reine Absichtserklärung reichte also nicht aus. Doch das IfM zieht nicht nur Bilanz aus der Vergangenheit, sondern wagt auch eine Prognose für die Zukunft: Von den rund 3,6 Millionen Unternehmen in Deutschland könnten 3,2 Millionen als Familienunternehmen eingestuft werden, rechnet das Institut vor. Davon seien bei 733.000 die Aussichten auf eine profitable Entwicklung in der Zukunft so gut, dass sich eine Übernahme für einen potenziellen Gesellschafter und Nachfolger lohnen würde – und bei 186.000 dieser 733.000 sei absehbar, dass sich der Inhaber oder die Inhaberin im Laufe der nächsten fünf Jahre zurückziehen will. 186.000 Nachfolgen bzw. Übergaben von Familienunternehmen prognostiziert das Institut also zwischen 2026 und 2030 für Deutschland. Dabei bilden Firmen aus dem Bereich der „Unternehmensbezogenen Dienstleistungen“ sowie solche mit einem Umsatz zwischen 500.000 bis 1 Millionen Euro die größte Gruppe.
Insolvenzen im Mittelstand: Wir geben auf
Wie eng das Thema Nachfolge mit Betriebsaufgaben verknüpft ist, zeigt die Studie „Spotlight 6/2025: Betriebsaufgaben und Insolvenzen“ des IT-Dienstleisters Datev, der die kleinen und mittleren Unternehmen untersucht, indem ihre Steuerberater interviewt wurden: Für die aktuelle Erhebung nahmen zwischen dem 13. Oktober und dem 13. November 2025 insgesamt 547 Steuerberatungskanzleien an der Befragung teil. Datev unterscheidet zwischen geplanten und ungeplanten Betriebsaufgaben; eine gescheiterte Nachfolge zählt hier als geplante Betriebsaufgabe. Laut Datev übersteigt die Zahl der geplanten Betriebsaufgaben diejenige der ungeplanten durch Insolvenzen bei Weitem.
Die häufigsten Gründe für geplante Betriebsaufgaben im Herbst 2025 waren persönliche Gründe (55 Prozent) – die Datev-Studie nennt hier Krankheit, berufliche Neuorientierung und familiäre Aspekte – und eine fehlende Nachfolgeregelung (51 Prozent). Der Wert für persönliche Gründe ist im Vergleich zu 2024 gestiegen, der Wert für fehlende Nachfolgeregelung ist gesunken. Die Anzahl der Unternehmen, die wegen fehlender finanzieller Mittel geplant schließen, ist seit dem Vorjahr von 5 auf 11 Prozent gestiegen. Ähnlich sieht es bei dem Konkurrenzdruck durch neue Marktteilnehmer aus, bei dem ein Anstieg von 5 auf 18 Prozent zu verzeichnen ist. In etwa gleich geblieben sind die Faktoren „Geschäftsmodell nicht mehr tragfähig“ bzw. „Fachkräftemangel“; hier ist ersteres von 23 auf 26 Prozent gestiegen, wobei letzteres etwas weniger ins Gewicht fällt (33 auf 28 Prozent).
Externer Inhalt von Datawrapper
Um externe Inhalte anzuzeigen, ist Ihre widerrufliche Zustimmung nötig. Dabei können personenbezogene Daten von Drittplattformen (ggf. USA) verarbeitet werden. Weitere Informationen.
Betrachtet man die Ergebnisse beider Studien, könnten „mangelnde Rentabilität“ und „fehlende Nachfolgeregelung“ in unmittelbar kausalem Zusammenhang zueinanderstehen: Nachfolgerinnen und Nachfolger übernehmen Risiko und Verantwortung nur, wenn es sich auch finanziell für sie lohnt.
Hat an der Uni Bamberg Germanistik, Philosophie und Kommunikationswissenschaften studiert. Zuvor arbeitete sie als Redakteurin am Zukunftsinstitut von Matthias Horx. Bei dem Magazin brand eins in Hamburg entdeckte sie ihre Liebe zum Wirtschaftsjournalismus, der sie seit März 2023 beim wir-Magazin frönen darf.

