Das Handelsblatt Research Institute (HRI) hat die 100 größten Familienunternehmen untersucht in Hinblick auf die Besetzung ihres CEO-Postens. Frauen sind dem HRI zufolge immer noch deutlich unterrepräsentiert: Vier Prozent weibliche CEOs verzeichnen die untersuchten Familienunternehmen, im Gegensatz zu zehn Prozent bei DAX-Unternehmen. An der Qualifikation liegt es nicht: Die Bildungsabschlüsse weiblicher Nachfolger sind nicht schlechter als die der männlichen Nachfolger. Die Studie des Handelsblatt Research Institute unterscheidet bei den CEOs von Familienunternehmen zwischen Mitgliedern der Unternehmerfamilie, familienexternen Geschäftsführern, die von außen geholt wurden („externe“ CEOs im Wording des HRI) sowie Vorstände, die innerhalb des Unternehmens befördert wurden („interne“ CEOs im Wording des HRI).
Ingenieur oder Familienmitglied?
Dass Frauen bei der Wahl des Studienfachs Wirtschaftswissenschaften gegenüber Ingenieurswissenschaften den Vorzug geben, sollte familieninternen Nachfolgerinnen eigentlich zum Vorteil gereichen: 66 Prozent der Mitglieder der Unternehmerfamilie, die CEO werden, sind Wirtschaftswissenschaftler/-innen gegenüber 16 Prozent Ingenieur/-innen. Zum Vergleich: Im Wintersemester 2025/2026 waren in Deutschland beispielsweise 17.000 Männer und 6.000 Frauen für das Fach Maschinenbau eingeschrieben. Bei Familienexternen hingegen sind es rund die Hälfte BWLer und VWLer (52 respektive 46 Prozent) vs. rund ein Drittel Ingenieure (33 respektive 39 Prozent).
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Aus der Praxis an die Spitze
Neben Geschlecht und Studienfach geht es in dem Bericht des HRI noch um zwei weitere Diversity-Themen: Bildungsabschlüsse als Marker sozialer Klasse zum Einen und Internationalität zum Anderen. In Sachen Bildungsabschlüsse als Ausschlusskriterium sind die 100 größten Familienunternehmen egalitärer als die DAX-Konzerne: In ihnen ist die Wahrscheinlichkeit viel höher, ohne Promotion bis ganz nach oben aufzusteigen. Die unternehmensintern rekrutierten CEOs haben nur zu 17 Prozent einen Doktortitel, im Gegensatz zu 34 Prozent der DAX-CEOs.
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Internationalität als Schlüsselkompetenz
Viele CEOs von DAX-Unternehmen haben im Studium oder in ihrem Berufsleben Erfahrungen im Ausland gesammelt. Diese Erfahrungen sind für Führungskräfte zentral bei der Entwicklung interkultureller Kompetenzen, die besonders in Zeiten geopolitischer Herausforderungen vorteilhaft sein können, so sehen es die in dem entsprechenden Artikel im „Handelsblatt“ zitierten Experten und Berater. Doch Familienunternehmen sind hier schlechter aufgestellt als börsennotierte Unternehmen: Nur 39 Prozent der familieninternen CEOs waren während des Studiums im Ausland. Die unternehmensintern rekrutierten Geschäftsführer haben mit 23 Prozent etwas mehr Auslandserfahrung als die externen Geschäftsführer (13 Prozent). Bei börsennotierten Unternehmen, die nicht in Familienbesitz sind, sind es hingegen 56 Prozent der CEOs.
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Nicht nur während des Studiums, auch während des Berufslebens ist es möglich, Erfahrungen im Ausland zu sammeln. Bei DAX-Konzernen ist das eher die Regel als die Ausnahme; 71 Prozent der DAX-CEOs haben einen Teil ihres Berufslebens im Ausland verbracht. Bei familieninternen CEOs sind es nur 41 Prozent, also weniger als die Hälfte. Unternehmensextern rekrutierte CEOs schneiden hier etwas besser ab als intern rekrutierte. Fast alle Vorstände der 100 größten Familienunternehmen sind deutscher Herkunft. Von den Top 100 der deutschen Familienunternehmen sind fast 90 Prozent der Führungskräfte in Deutschland geboren. In den DAX-Unternehmen sind es weniger als drei Viertel.
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Hat an der Uni Bamberg Germanistik, Philosophie und Kommunikationswissenschaften studiert. Zuvor arbeitete sie als Redakteurin am Zukunftsinstitut von Matthias Horx. Bei dem Magazin brand eins in Hamburg entdeckte sie ihre Liebe zum Wirtschaftsjournalismus, der sie seit März 2023 beim wir-Magazin frönen darf.

