Am 23. und 24. Februar 2026 fanden zum 18. Mal die wir-Tage „Nachfolge & Führung“ statt. Mehr als 140 Mitglieder von Unternehmerfamilien kamen dafür zusammen. Erstmals startete das Programm bereits am Montagnachmittag mit einem exklusiven NextGen-Format im F.A.Z.-Tower.
NextGen-Event: Strategie & Netzwerk beim Spielen
Knapp 40 NextGens trafen sich vorab zu einem außergewöhnlichen Format: Dabei wurde der Spieleklassiker „Catan“ zum Netzwerk- und Strategieerlebnis. Sarah Bautz, Redakteurin des wir-Magazins, begrüßte die Teilnehmerinnen und Teilnehmer und führte ein Kurzinterview mit Benjamin Teuber, Geschäftsführender Gesellschafter der Catan GmbH, und Franziska Fleissner, Mitglied der Unternehmerfamilie hinter dem Kosmos-Verlag, der Catan seit mehr als 30 Jahren verlegt.
„Die Siedler von Catan“ ist eine Legende – erfunden von Klaus Teuber in den frühen Neunzigern, heute weiterentwickelt von seinen Söhnen Benjamin und Guido in enger Kooperation mit dem Kosmos-Verlag. Die zentrale Frage beim wir-Tagen-Format war: Was kann man bei einer Partie „Catan“ über seine Mitspieler lernen? Und über sich selbst?






Und dann ging es auch schon los: Nach kurzer Erklärung ging es los mit „Catan Connect“ – garantiert anfängerfreundlich. Dann wurde gespielt: wild, laut und auf Zeit. Ressourcen sichern, Handel treiben, Städte bauen – da wurde Gewinnen für die meisten zur Nebensache und das Kennenlernen zur Hauptsache. Die Gründerlegenden aus dem Silicon Valley sind längst Fans und wissen: Bei kaum einer Gelegenheit lernt man sein Gegenüber so schnell und persönlich kennen wie bei einer Partie „Catan“. Wer denkt strategisch? Wer handelt clever? Und wer will doch um jeden Preis gewinnen?
Vorabend: Mythos „Catan“ und die Macht der Worte
Der offizielle Vorabend der wir-Tage begann im Anschluss ebenfalls im F.A.Z.-Tower. Sarah Bautz sprach vor großer Runde mit Benjamin Teuber und Michael Fleissner. Im Live-Interview ging es um Nachfolge und Zusammenarbeit: Wie sieht das Catan-Universum heute aus? Und wie arbeitet man mit dem Erbe eines genialen Erfinders weiter?






Im zweiten Interview des Abends sprach Petra Gessner, Chefredakteurin des wir-Magazins, mit David Klett, Vorstand der Ernst Klett AG. Unter dem Titel „Macht der Worte: Wohin will Klett als Unternehmen und als Familie?“ ging es um die Frage der Identität: Schulbuchverlag oder Bildungsunternehmen? Die Ernst Klett AG hatte in der Vergangenheit schon oft Anlass, sich neu zu erfinden. Dafür müssen sowohl das Unternehmen als auch die Familie immer wieder Klarheit über die Frage gewinnen: Wer wollen wir sein? Wie geht das in einer Gruppe mit 109 Unternehmen und mehr als 40 Gesellschaftern? Die Diskussion mit dem Publikum gab reichlich Gesprächsstoff. Beim anschließenden Essen und Networking klang der Vorabend im lockeren Austausch aus.
Haupttag: „Beyond Patriarchy“ und Transformation
Der Haupttag der wir-Tage „Nachfolge & Führung“ fand im Sofitel Frankfurt Opera statt. Im ersten Generationengespräch des Tages ging es um nichts Geringeres als den Übergang von patriarchaler zu gemeinsam verantworteter Führung. Jürgen Heindl, Gründer der Progroup AG, sprach zusammen mit seinen Söhnen Maximilian Heindl, Vorstandsvorsitzender, und Vinzenz Heindl, Chief Sales Officer, über seine Nachfolge. Innerhalb einer Generation hatte Jürgen Heindl den Wellpappenhersteller zu einem Milliardenunternehmen aufgebaut. Seit 2023 leitet Maximilian das Unternehmen, seit 2025 ist auch Vinzenz im Vorstand. Wie lässt man als Gründer los? Wie organisiert sich die zweite Generation?
Deep Dives: Parallelworkshops zu Schlüsselthemen
Im Anschluss folgten parallele Deep Dives, die den Teilnehmerinnen und Teilnehmern ermöglichten, gezielt in ihre Interessengebiete einzutauchen.






In der ersten Runde sprach Petra Gessner mit S.D. Prinz Michael von und zu Liechtenstein und seiner Tochter I.D. Gisela Bergmann, Prinzessin von und zu Liechtenstein, über „Nachfolge: Anspruch und Realität“. Parallel dazu zeigte Benedikt Höck, Head of Artificial Intelligence bei KPMG, in einem interaktiven Vortrag mit Live-Demos, wie Künstliche Intelligenz die Arbeitswelt von morgen prägen wird.
Nach der Kaffeepause folgte die Panel-Diskussion „Mach neu! Welchen Spielraum braucht Transformation?“, moderiert von wir-Redakteurin Cornelia Korinth. Sie diskutierte mit Alina Heurich, Geschäftsführerin der Heurich GmbH & Co. KG, und Maximilian Lang, Gründer der Resphere GmbH sowie Geschäftsführer des Familienunternehmens Gerhard Lang Recycling GmbH. Das Fazit: Nachfolge ist ein transformatorisches Moment – und Transformation passiert nicht nur in einem zuvor abgesteckten Rahmen.
Im Anschluss stand ein hochpolitisches Thema auf der Agenda: Florian Bode, Investmentanalyst und Finanzplaner bei Berenberg, referierte über „Privileg unter Druck: Verschonung von Betriebsvermögen auf dem Prüfstand“.
Wake-up-Call: Die Natur als Geschäftsfaktor
Nach dem Mittagessen brachte Dr. Frauke Fischer, Gründerin und Geschäftsführerin der Agentur auf! und Péru Puro GmbH, frischen Wind in die Konferenzetage. In ihrem Wake-up-Call „Unternehmerisch logisch: Warum die Natur ins Vorstandsbüro gehört“ rechnete sie vor, warum weitsichtige Unternehmen verstehen müssen, dass der Zustand der Natur einer ihrer größten Geschäftsfaktoren und -risiken ist. Wer wirklich enkeltauglich sein will, braucht mehr als CO₂-Fußabdruck und Bienen auf dem Fabrikdach.
Deep Dives 2 und 3: Governance, Steuerrecht und Beirat
In der zweiten Deep-Dive-Runde sprach Sarah Bautz danach mit Martin Auer, Geschäftsführender Gesellschafter von The Mak’ed Team, über „Governance für Führung & Nachfolge“. Parallel dazu widmeten sich Prof. Dr. Mark K. Binz, Senior Partner, und Dr. Steffen Huber, Rechtsanwalt, Steuerberater und Partner bei Binz & Partner, dem Thema „Erbschaftsteuerrecht in Deutschland – Wo geht die Reise hin?“
In der dritten Deep-Dive-Runde ging es danach um die Themen Beiratsarbeit und Loslassen. Julia Ledermann, Vorsitzende des Beirats der Edding Group, und Dr. Katja Portz, Consultant Executive Search and Leadership Advisory bei Egon Zehnder, gaben unter dem Titel „Hinter den Kulissen des Beirats: Best Practices für starke Familienunternehmen“ Einblicke in zentrale Erfolgsfaktoren. Johannes Sill moderierte die Session.
Parallel dazu sprach Dr. Bettina Daser, Beraterin für Unternehmerfamilien, die selbst aus einer Unternehmerfamilie stammt, über „Die stille Seite der Nachfolge: Loslassen und Zupacken verzahnen“. Der Impuls zu Austausch und Standortbestimmung im eigenen Nachfolgeprozess wurde vom Publikum intensiv genutzt. Petra Gessner führte durch die Session.
Verkauf, Rückkauf – und dann?
Nach der Kaffeepause folgte der letzte offizielle Programmpunkt des Haupttages: Johannes Sill sprach mit Susanne Puello, Geschäftsführende Gesellschafterin der R Raymon Bicycles GmbH, und Insa Rücker, ehemalige Gesellschafterin der Molkerei Rücker, über Verkauf und Rückkauf des Familienunternehmens. Im Raum stand die Frage: Wann macht es Sinn, ein Geschäftsmodell loszulassen? Und wann (und wie) holt man es sich zurück? Die beiden Unternehmerinnen gaben schonungslos ehrliche Einblicke in ihre Entscheidungsprozesse.
Dinner Speech: KI und Europa
Danach ging es zum gemütlichen Teil der „wir-Tage“ über. Beim Aperitif und anschließenden Dinner hielt Dr. Annika von Mutius, Co-Gründerin & CEO von Empion sowie Mitglied des Vorstands des KI-Bundesverbands, die Dinner-Speech. Die NextGen und Gründerin kehrte 2022 dem Silicon Valley den Rücken, um in Berlin – als Europäerin – ein KI-Unternehmen zu gründen. Für diese Heimkehr wurde sie in den USA belächelt. Zu Recht? Von Mutius stellte in ihrer Speech die kritische Frage: Was müssen wir tun, damit die technologische Souveränität in Deutschland und Europa, auch in Familienunternehmen, erhalten bleibt – und die NextGen eine echte Chance bekommt
Den Abschluss der „wir-Tage“ genoss der harte Kern noch lange beim Abendessen und der Analyse großer Fragen.
Wir bedanken uns bei allen Gästen und bei unseren Mitveranstaltern für ihre Teilnahme und die Unterstützung in diesem Jahr!
Die nächsten „wir-Tage“ finden am 22. und 23. Februar 2027 in Frankfurt statt.
Fotos: Dirk Beichert BusinessPhoto
Hat Internationalen Journalismus in Magdeburg studiert. Schrieb schon davor für die Südwest Presse in seiner Heimat Ulm. Sammelte zudem Auslandserfahrung bei der Allgemeinen Zeitung in Windhoek, Namibia, sowie bei Kwanza TV in Daressalam, Tansania. Seit 2017 Redakteur bei F.A.Z. BUSINESS MEDIA und Mitglied im Redaktionsteam des wir-Magazins.

