Der Frühphasenstifer

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Es geht um erneuerbare Energien und Schwellenländer, um Businesspläne und Frühphasenförderung, um Marktkenntnis und Preisstrukturen: Wer Peter Heller zuhört, der könnte meinen, dass da ein Unternehmer von Investmentchancen spricht. So ganz falsch ist diese Vermutung auch nicht. Denn der 55-Jährige beteiligt sich mit seiner Gesellschaft forseo seit rund 15 Jahren an Solar- und Windkraftunternehmen und finanziert Technologien für mehr Energieeffizienz. Doch dieses – erfolgreiche – Geschäft wird für Heller immer mehr zur Nebensache. Er spricht viel lieber über seine Stiftung. Mit der will er zwar auch Renditechancen erschließen, aber keine finanziellen, sondern soziale.

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Mittel zu diesem Zweck ist für den promovierten Wirtschaftswissenschaftler die Canopus Foundation. Derzeit steckt Peter Heller rund zwei Drittel seiner Arbeitszeit in die Arbeit für Canopus. Schon allein das zeigt, dass es hier nicht um die in Deutschland lange Zeit übliche Scheckbuch-Philanthropie geht. Sondern der Unternehmersohn – der Vater hatte mit der Streb AG eine auf Drucktücher spezialisierte Firma aufgebaut, deren Vorstand heute Peter Hellers Bruder Dieter ist – legt bei der stifterischen Tätigkeit andere Maßstäbe an. Das Stichwort hierfür lautet „Venture Philanthropy“, also unternehmerisch stiften. Warum dieser Ansatz? „Als mein Vater mit meinem Bruder und mir 1997 über die Gründung einer Stiftung beriet, waren wir uns schnell darüber einig, dass die unternehmerische Herkunft des Kapitals auch in der Stiftungstätigkeit deutlich werden sollte. Das Geld sollte also nicht über Spenden passiv in die Hände anderer Organisationen gelegt werden“, berichtet Heller von der Anfangsphase.

Sein Bruder Dieter Heller und er bekamen schließlich Carte blanche vom Vater, der ihnen aus dem Familienvermögen einen Grundstock an Stiftungskapital übergab. Beide gründeten ihre eigene Stiftung: der Bruder im Bereich Bio-Landwirtschaft, Peter Heller im Bereich erneuerbare Energien. Denn hiermit kannte er sich aus, weil er die solare Pionierszene in Freiburg im Breisgau acht Jahre lang als Beigeordneter Bürgermeister für Umweltschutz der Stadt hautnah miterlebt hatte und deshalb mit seiner Beteiligungsgesellschaft forseo, ebenfalls 1997 gegründet, in Solarunternehmen investieren wollte. „Als ich nach dem Profil für die Stiftung suchte, war mir klar: Wenn ich durch meine Beteiligungen Marktkenntnisse in den Technologien der erneuerbaren Energien und insbesondere in der Photovoltaik erwerbe, dann kann ich so nicht nur das enorme wirtschaftliche Potential dieser Technologien heben, sondern auch deren sozialen und ökologischen Nutzen. Und zwar über meine Stiftung.“

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Canopus Foundation

Die Canopus Foundation hat ihren Sitz im Zentrum von Freiburg im Breisgau. Der Name der Stiftung leitet sich vom Stern Canopus her, einem der hellsten Sterne am Nachthimmel, der aber nur von den niedrigen Breitengraden aus beobachtet werden kann. Canopus ist damit ein Bild dafür, in welchen Regionen der Erde die Stiftung tätig sein möchte. Das Stiftungskapital beträgt aktuell 3 Millionen Euro, das operative Budget lag 2011 bei 300.000 Euro. Die jährlichen Zuwendungen beliefen sich 2011 auf rund 150.000 Euro (davon stammten 20.000 Euro von der Streb AG und 130.000 Euro von der Europäischen Investitionsbank). Über Peter Hellers Beteiligungsgesellschaft forseo kamen bei den bisher drei größeren Exits je 300.000 bis 500.000 Euro als Zuwendungen ins Stiftungskapital.

Was folgte, war eine Zeit des Testens und Ausprobierens. Denn zum einen wollte Heller den unternehmerischen Stiftungsansatz mit erneuerbaren Energien und der Armutsbekämpfung verbinden, zum anderen aber nicht die Arbeit von Entwicklungsagenturen wie der GIZ oder USAID kopieren. Gefragt war für die kleine Familienstiftung also ein Alleinstellungsmerkmal – auch wieder ein Thema, das mittelständischen Unternehmern bekannt sein dürfte. Gefunden hat Canopus seine Nische schließlich in der dezentralen Elektrifizierung mit Solarenergie. Sprich: Es geht darum, Dörfern in Schwellen- und Entwicklungsländern Strom zu bringen. Strom, ohne den man kein Mobiltelefon oder keinen Computer nutzen kann, ohne den nach Einbruch der Dunkelheit kein Schulunterricht mehr möglich ist – und das in Orten, wo viele Kinder tagsüber auf den Feldern arbeiten müssen.

Der soziale Nutzen liegt für Heller auf der Hand: „Wer den Menschen in den Dörfern in Bangladesch oder Indien Strom bringt, der ermöglicht ihnen eine ganz andere Teilnahme am Wirtschaftsleben, der schafft neue Arbeitsplätze, der bringt Bildung auch in abgelegene Regionen.“

Mitunternehmer statt Stifter

So weit, so einleuchtend. Doch selbst Solarmodule kaufen und auf die Dächer im Hinterland von Dhaka oder Delhi schrauben, das konnte und wollte die Stiftung nicht leisten. Vielmehr suchte Heller nach Wegen, wie er die maximale soziale Rendite mit einem überschaubaren Stiftungskapital – das er neben regelmäßigen Zuwendungen der Streb AG mittlerweile auch aus den Gewinnen seiner eigenen Beteiligungen ergänzte – herausholen könnte. So entstanden die Kontakte zur Szene der sozialen Unternehmer, etwa dem Netzwerk der Organisation Ashoka oder den Projekten der Grameen-Gruppe in Bangladesch. Und so fiel die Entscheidung, solche sozialen Unternehmer aus Brasilien oder Indien zu fördern, die mit Solarprojekten Elektrizität in die Dörfer bringen.

Unter Förderung ist allerdings weit mehr zu verstehen als die rein finanzielle Unterstützung durch Zuwendungen oder Darlehen. Heller, der auch in mehreren Aufsichtsräten sitzt, sieht sich vielmehr als Mitunternehmer, der die Social Entrepreneurs beim Auf- und Ausbau ihres Geschäfts berät. So hilft er mit seiner Marktkenntnis zum Beispiel auch mal dabei, die Preise für Solarmodule in Brasilien deutlich zu drücken – und nutzt so einen weit effektiveren Hebel als eine Geldspende. Oder er lässt auf Kosten der Stiftung Ingenieure des Freiburger Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme (ISE) untersuchen, wie sich Solarsysteme von Kleinunternehmern aus Kambodscha technisch noch verbessern lassen. „Unternehmerische Philanthropie sehe ich so, dass ich wirklich aktiv mitarbeite und auch unternehmerische Risiken mittrage und mitverantworte“, schildert Peter Heller.

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An den Grenzen des Rechts

Dort, wo wie bei Canopus die Grenzen zwischen der gemeinnützigen Stiftungstätigkeit, wie sie das deutsche Recht versteht, und dem Handeln als Mitunternehmer so sehr verschwimmen, wird die Diskussion mit den Aufsichtsbehörden nicht leichter. „Wir mussten viel Überzeugungsarbeit leisten“, berichtet Heller vom „konstruktiven Dialog“ mit der Stiftungsaufsicht. Ein Thema, das nicht nur Canopus beschäftigt, wie Anfang Mai der Workshop „Impact Investing“ im Rahmen der Verleihung des Feri Stiftungspreises, für den die Canopus Foundation neben fünf anderen Stiftungen nominiert war, deutlich machte: Mehrere Teilnehmer und Vortragende diskutierten darüber, wie eng diese Grenzen sind und warum in Deutschland nicht möglich ist, was etwa in Großbritannien, den Niederlanden oder der Schweiz für Stiftungen selbstverständlich ist: das Kapital unternehmerisch einzusetzen, um den Stiftungszweck zu erfüllen. Auch wenn das Kapital dabei mal im Risiko steht.

Das kann zum Beispiel die Idee sein, aktiv einen neuen Markt zu erschließen, indem die Stiftung auf eigene Kosten Solarsysteme für ein Partnerunternehmen in Indien zertifizieren lässt – und diesem so hilft, in Europa CO2-Zertifikate zu verkaufen. Schwerpunktprojekt von Canopus ist inzwischen die Initiative „Solar for All“, deren Ziel es ist, den 1,4 Milliarden Menschen weltweit, die keinen Zugang zu Elektrizität haben, eine kostengünstige Versorgung mit Solarenergie zu ermöglichen. Auch hier hat Peter Heller wieder einen Hebel gesucht und gefunden, um mit überschaubaren Mitteln möglichst viel zu erreichen: Gemeinsam mit dem Ashoka- Netzwerk und gefördert von der Europäischen Investitionsbank hat Canopus einen Investmentfonds gegründet, der von Bamboo Finance, einer Schweizer Vermögensverwaltungsgesellschaft für soziale Investitionen, geführt wird. Aus den Mitteln dieses „Bamboo Global Energy Fund – Solar for All“, in den unter anderem auch Family Offices aus Deutschland investieren, wird voraussichtlich ab Herbst 2012 kleineren und mittleren Solarunternehmen Kapital zur Verfügung gestellt, die Menschen mit wenig Geld in Entwicklungsländern den Weg zur eigenen Stromversorgung bahnen sollen.

Canopus berät den Fondsmanager bei der Auswahl der Solarunternehmen, konzentriert sich aber ansonsten darauf, noch eine Stufe vorher einzusteigen: Die Stiftung will mit ihrer Expertise Solarunternehmen zur Marktreife bringen, damit der Fonds überhaupt erst in diese investieren kann. Nach Einschätzung von Heller könnte der Fonds am Ende durchaus eine niedrige zweistellige Rendite erzielen. Mit den Aufgaben der Stiftung ist das internationale Netzwerk immer weiter gewachsen, der Koordinierungsaufwand steigt ständig. Über einen Mangel an Arbeit können sich Peter Heller und sein fünfköpfiges Team nicht beklagen, zumal ein- bis zweimal pro Jahr für jeden Mitarbeiter ein Field Trip ansteht. Denn wer sich nicht selbst ein Bild vor Ort macht, der bekommt laut Heller auch kein Gefühl dafür, „was wirklich passiert“. Er bedauert diese Reisen nicht. Vielmehr ist ihm schon die Vorfreude auf den Trip nach Senegal, Mauretanien und Burkina Faso im Oktober anzumerken – ein Stiftungsunternehmer auf der Suche nach neuen Märkten.