Herr Krüger, wie läuft das Geschäft?
Ziemlich rau. Erst gestern bekam ich einen Anruf: „Krüger, wir machen viele Millionen Euro zusammen. Ich will davon 1 Prozent oder Du bist raus.“ So geht das manchmal. Aber das ist mit mir natürlich nicht zu machen. Der Wettbewerb war schon immer hart, aber so wie momentan war es noch 29 nie. Der Ton hat sich verändert. Außerdem machen uns die volatilen Rohstoffpreise – vor allem bei Kaffee und Schokolade – zu schaffen.
Sie sind mit Discountern groß geworden. Sie müssen das doch gewöhnt sein?
Ja, das stimmt. Wir machen immer noch zwei Drittel unseres Umsatzes im Private-Label-Geschäft. Aber wir verkaufen auch Markenprodukte unter unserem eigenen Namen und haben in der Vergangenheit auch Markenhersteller gekauft.
In 40 Jahren Krüger gab es sicher auch so manche Krise. Was war der schwierigste Moment?
Es gab eine Situation, als mich einer unserer größten Kunden anrief und sagte: „Krüger, Sie sind ausgelistet.“ So was möchte ich nie mehr erleben.
Wenn man sich Ihr Unternehmen heute so anschaut, scheinen Sie mit dem ständigen Preisdruck der Händler ganz gut umgehen zu können
Ja, dank unserer Produktvielfalt haben wir eine vertretbare Position. Außerdem haben wir neue Produktideen. Der Krüger Chai Latte, ein Teegetränke mit Milch, war zum Beispiel ein großer Erfolg. Wir entwickeln ständig eigene starke Markenprodukte. Die Margen sind da einfach vertretbar.
Zu Ihren jüngsten Einführungen gehört ein Kaffee-Kapselsystem, in dessen Entwicklung Sie einen zweistelligen Millionenbetrag investiert haben. Wie läuft das?
Die Maschine ist toll. Unsere eigene Entwicklung. Patentrechtlich abgesichert. Wir haben da niemanden kopiert. Seit April sind wir damit und mit den Kapseln im Handel. Wir erwarten uns viel davon. Die Kapsel- und Pad-Systeme anderer Anbieter sind vielen Kunden einfach zu teuer
Zu Ihrem Geschäftsmodell gehört auch das Wachstum über Akquisitionen. Wie gut funktioniert das?
Wir kaufen gern Wettbewerber auf, wenn sich die Möglichkeit ergibt. Das funktioniert in der Regel gut. Man kauft natürlich immer einmal wieder ein Unternehmen, das dann mehr Arbeit macht als gedacht. Nicht immer integrieren wir die Firmen komplett. Frankreich haben wir zum Beispiel weitgehend eigenständig gelassen. Das mit den Unternehmenskulturen ist manchmal schwierig. Die passen nicht immer zusammen. Schlechte Erfahrungen haben wir eigentlich nur in Russland gemacht, naja, und in den USA, aber da hat Gott sei Dank unser Kooperationspartner die Verluste getragen. Ich glaube keinem, der sagt, dass er in den USA gutes Geschäft macht. Ich will das sehen.
Die Krüger GmbH & Co. KG
1971 begann Krüger in einem Nebenraum des elterlichen Großhandels mit der Herstellung von Tees. Den Durch- bruch brachte ein Zitronentee als Instantprodukt. Daraus entwickelte sich das Unternehmen zum Spezialisten für Instantprodukte. Den Großteil seines Umsatzes macht Krüger heute mit löslichen Milch-, Kaffee- und Kakaoprodukten. Durch Zukäufe sind einige Markenartikel hinzugekommen (z. B. Trumpf ). 60 Prozent der Produktion gehen als Private-Label-Produkte in den Handel. Seine Größe hat Krüger vor allem seinen traditionell engen Handelsbeziehungen zu den Discountern zu verdanken. Heute macht Krüger mit 4.400 Mitarbeitern einen Jahres umsatz von 1,6 Milliarden Euro (2010), rund die Hälfte davon in Deutschland. 50 Prozent der Firmenanteile gehören dem Kölner Zuckerproduzenten und Familienunternehmen Pfeifer & Langen. Laut Bundesanzeiger erwirtschaftete Krüger 2010 einen Gewinn von 38 Millionen Euro. Krüger wächst stark über Akquisitionen. In den vergangen zehn Jahren hat Krüger mehrere Firmen hinzugekauft.
Gibt es diesen Beirat schon?
Noch nicht.
Wenn man Sie so erlebt, kann man sich gar nicht vorstellen, dass Sie mal bei Krüger aufhören? Was machen Sie dann?
Da fällt mir schon was ein. Ich habe gerade erst hier in Bergisch Gladbach eine Büroimmobilie gekauft mit 10.000 Quadratmetern Nutzfläche.
Was machen Sie damit?
Lassen Sie sich überraschen.
Arbeitet Ihre Tochter auch bei Krüger?
Meine Tochter war ein paar Jahre Key Accounterin bei uns. Das hat sie sehr gut gemacht. Der macht so schnell keiner was vor. Derzeit arbeitet sie aber nicht in der Firma. Sie hat zwei kleine Kinder. Die gehen erst mal vor.
Was macht den Erfolg von Krüger aus?
Drei Worte sind unsere Philosophie: „Zuerst der Kunde“. Daran halten wir uns. Und Sie müssen von Ihrer Sache 100 Prozent überzeugt sein. Sie müssen den ganzen Tag arbeiten, und wenn das nicht reicht, nehmen sie auch noch die Nacht dazu. Außerdem habe ich immer gute Leute gehabt. Ich habe immer Leute eingestellt, die besser ausgebildet waren als ich, die wirklich etwas von ihrer Sache verstanden haben und hungrig waren. Und man darf die Bodenhaftung nicht verlieren
50 Prozent Ihres Unternehmens gehören dem Zuckerhersteller Pfeifer & Langen. Wie funktioniert die Partnerschaft?
Sehr gut. Die sind ja schon von Anfang an dabei. Pfeifer & Langen hat in den siebziger Jahren angeboten, meine Produkte zu vertreiben. Damals kannte mich ja keiner. Das war damals sehr interessant. Pfeifer & Langen war da viel besser, als Handelsvertreter es je hätten sein können. Aber die Kooperation zahlt sich heute noch ganz anders aus. Wir beziehen über 150.000 Tonnen Zucker im Jahr. Da macht es schon Sinn, einen Zuckerproduzenten als Gesellschafter zu haben.
Ist das Verhältnis denn paritätisch, oder haben Sie als Unternehmer mehr Stimmrechte?
Das ist ein echtes 50:50-Verhältnis. Und meistens sind wir uns ja auch einig in Strategiefragen. In fast 40 Jahren gab es zwei Entscheidungen, wo es zum Patt gekommen ist. Aber dann haben wir die Firmen, um die es ging, gekauft, und ich habe allein die Verantwortung getragen. Das hat dann auch funktioniert. Ich schätze Pfeifer & Langen als Partner sehr. Ein sehr solides langfristig orientiertes Familienunternehme
Sie haben vor 40 Jahren als Unternehmer angefangen. Heute leiten Sie ein Unternehmen mit 4.400 Mitarbeitern. Wie haben Sie die Strukturen angepasst?
Die Geschäftsleitung teile ich mir mit meinem Sohn und Dr. Guido Colsmann, den ich vor sechs Jahren zu Krüger geholt habe. Außerdem ist unser ehemaliger Geschäftsführer Rolf Walendy, der 35 Jahre für Krüger in der Geschäftsführung tätig war, weiterhin über einen Beratervertrag für Krüger tätig.
Wie ist denn die Aufgabenteilung zwischen Ihnen und Ihrem Sohn?
Marc kümmert sich um das Kaffeegeschäft. Marc hat eine hervorragende Ausbildung. Lehre bei der Deutschen Bank, Studium an der EBS und zwei Jahre bei KMPG.
Bei der Ausbildung bringt Ihr Sohn sicher eine Menge neue Ideen in die Firma. Wie finden Sie das?
Und ob. Das sind ganz hervorragende Ideen. Da können Sie noch einiges erwarten.
Wenn man 40 Jahre Erfahrung hat, teilt man doch sicherlich den gleichen Enthusiasmus?
Wissen Sie: Die Jungen laufen schneller, aber die Alten kennen die Abkürzung.
Das klingt, als würden immer noch viele Fäden bei Ihnen zusammenlaufen? Werden Sie bei Krüger bleiben, so lange es geht, oder können Sie sich auch ein Leben außerhalb der Firma vorstellen?
Um die wichtigsten Kunden kümmere ich mich schon noch persönlich. Aber ich werde nicht ewig hier sitzen. Ich werde später in den Beirat wechseln. Die Firma ist bei Marc und Dr. Colsmann in guten Händen.
Die Familie Krüger
Wlibert Krüger (71) hält 50 Prozent der Firmenan teile an der Krüger GmbH & Co. KG. Die anderen 50 Prozent liegen schon seit den siebziger Jahren beim Zuckerhersteller Pfeifer & Langen. Er plant die Anteile zu gleichen Teilen an seine Kinder zu übertragen. Sohn Marc (31 Jahre) arbeitet nach Banklehre, BWL-Studium und Stationen bei Unter nehmens beratungen seit zwei Jahren im Unternehmen. Tochter Anke (38 Jahre) hat einige Jahre als Key Accounterin bei Krüger gearbeitet. Aktuell widmet sie sich ihrer Familie. Willibert Krügers Ehefrau Uschi hat nie eine opera tive Aufgabe in der Firma bekleidet. „Die hält die Familie zusammen. Dat macht die hervor ragend“, sagt Willibert Krüger
